Wirtschaft

Verivox-Chef Puschmann: Verbraucher können durch Vertragsvergleiche mehr als 3.000 Euro im Jahr sparen

Viele Verbraucher in Deutschland zahlen für Strom, Gas, Versicherungen und andere Verträge mehr als nötig. Ein durchschnittlicher Haushalt könne durch konsequentes Vergleichen und Wechseln im Schnitt etwas mehr als 3.000 Euro im Jahr sparen, sagte Verivox-Chef Daniel Puschmann der Funke-Mediengruppe. Über alle Kategorien hinweg, die das Vergleichsportal vergleiche, zahlten geschätzte 70 Prozent mehr als nötig. Das heiße im Umkehrschluss auch, dass 70 Prozent wirklich Geld sparen könnten.

Verivox trifft den „Pudelskern“ – Geld das nicht ausgegeben wird, muss nicht verdient werden

Zu den Ausgaben, bei denen sich ein Vergleich lohne, zählten etwa Autoversicherung, Strom und Gas sowie Internet- und Handyverträge. Gerade bei Energieverträgen würden Bestandskunden häufig draufzahlen, während Neukunden günstigere Konditionen erhielten. Wenn Verbraucher es den Anbietern durchgehen ließen, die Preise regelmäßig zu erhöhen, würden sie das auch tun, sagte Puschmann. In Deutschland gebe es bei Strom und Gas einen funktionierenden Wettbewerb. Es liege an den Verbrauchern, diesen Wettbewerb durch einen Wechsel zu nutzen.

Die Angst vor einem Anbieterwechsel sei unbegründet. Dass Verbraucher danach plötzlich ohne Strom oder Gas dastünden, seien Schauergeschichten und Urban Legends, sagte Puschmann. Der Markt sei in Deutschland gut reguliert. Niemand stehe plötzlich ohne Strom oder Gas da. Ein Wechsel sei innerhalb weniger Minuten erledigt. Auch günstige Anbieter seien nicht automatisch riskanter als teure Versorger. Viele Discounter könnten niedrige Preise durch gute Einkaufsstrategien und schlanke digitale Prozesse anbieten. Ein teurer Anbieter sei nicht automatisch besser.

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Schutzmechanismen nach Energieversorger Pleiten im Jahr 2022

Nach den Pleiten mehrerer Energieversorger im Jahr 2022 habe der Gesetzgeber zusätzliche Schutzmechanismen eingeführt. Wenn ein Lieferant seine Tätigkeit beende, müsse er dies der Bundesnetzagentur mindestens drei Monate vorher anzeigen und betroffene Kunden informieren. Die damalige Krise sei zudem eine außergewöhnliche Situation gewesen. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine hätten die wenigsten gerechnet, sagte Puschmann.

Um Verbraucher stärker zum Vergleichen zu bewegen, sei mehr Aufklärung nötig. In Deutschland gebe es insgesamt viel zu wenig Wissen über persönliche Finanzen, sagte der Verivox-Chef. Viele Menschen blieben aus Unsicherheit in Verträgen, die sie viel Geld kosteten. Dabei könne ein Wechsel unkompliziert sein. Wenn jemand dann einmal den Stromvertrag gewechselt habe und merke, dass alles funktioniere und nur drei Minuten gedauert habe, dann sei der Damm oft gebrochen.

Zugleich beobachte Verivox im Ratenkreditgeschäft eine vorsichtigere Vergabe durch Banken. Etwa jeder Vierte, der vor drei Jahren noch einen Kredit bekommen hätte, erhalte unter den aktuellen Bedingungen keinen mehr.

Foto: Moderne Stromzähler (Archiv) / Bild: via dts Nachrichtenagentur

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