Soziologe Steffen Mau: AfD lässt sich politisch in Schach halten – baldiges Verschwinden ist unrealistisch
Der Soziologe Steffen Mau hält ein baldiges Verschwinden der AfD aus der deutschen Parteienlandschaft für unrealistisch. „Dass man diesen Geist wieder in die Flasche bekommt, halte ich für eine naive Vorstellung“, sagte Mau dem „Handelsblatt“. Man könne die AfD vielleicht politisch in Schach halten, verschwinden werde sie nicht so schnell.
Mau räumte ein, das Tempo der gesellschaftlichen Polarisierung unterschätzt zu haben. „Diese Akteure sind sehr erfolgreich, erfolgreicher, als ich dachte. Mich überrascht, wie schnell die Verschiebungen gehen“, sagte er. Die politische Spaltung werde von Akteuren gezielt verschärft und verfestige sich zunehmend in der Gesellschaft. Die AfD profitiere dabei von einer verbreiteten Verunsicherung und dem Verlust wirtschaftlicher Zuversicht.
Zugleich sieht Mau die traditionellen Volksparteien in einer tiefen Krise. „Die Volksparteien sind angeschlagen, fast auf dem Weg der Verzwergung“, sagte er. CDU und SPD hätten den Zugang zu wichtigen gesellschaftlichen Gruppen verloren. „Die Parteien der Mitte leiden unter einem inhaltlichen Leerlauf. Sie können nicht mehr in Zukunftsentwürfen denken.“
Die AfD nutze diese Entwicklung besonders geschickt. Mau bezeichnete die Partei als „politischen Wegelagerer“, der gesellschaftliche Aufregung für sich ausschlachte. In vielen politischen Fragen verfüge die Partei aber über keine konsensfähige Programmatik. „Sie lebt von Wellen der Aufregung“, erklärte der Soziologe. Eine dauerhafte Stabilisierung der Demokratie erfordere deshalb vor allem handlungsfähige Regierungen.
Foto: Steffen Mau (Archiv) / Bild: via dts Nachrichtenagentur


