Der gedruckte Geschäftsbericht galt lange Zeit als „Visitenkarte“ und wichtiges „Give-away“ von Unternehmen. Nach einer aktuellen Studie der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) hat er diesen Stellenwert jedoch inzwischen klar verloren. Während die DAX30-Unternehmen im Jahr 2009 durchschnittlich noch 30.842 Berichte druckten, sind es im Jahr 2019 nur noch 1.856 Exemplare. Das entspricht einem Auflagen-Rückgang von 94 Prozent. Der Trend in Deutschland, Österreich und der Schweiz geht hin zur digitalen Berichterstattung. Mehr als die Hälfte der börsennotierten Konzerne wollen den Geschäftsbericht künftig nur noch online veröffentlichen.

Im Schnitt über 30.000 Exemplare des Geschäftsberichts druckte ein Unternehmen aus dem deutschen Leitindex DAX30 noch im Jahr 2009. Bei durchschnittlich 300 Seiten pro Bericht entsprach das pro Konzern etwa neun Millionen Seiten auf Papier. Print-Geschäftsberichte wurden massenhaft auf Messen und Kunden-Terminen verteilt und galten damals als „Visitenkarte“ eines Unternehmens. Diesen Stellenwert hat der gedruckte Bericht allerdings inzwischen klar zugunsten digitaler Formate verloren. Wie eine aktuelle Studie der Wissenschaftlerin Stéphanie Mittelbach-Hörmanseder vom Institut für Unternehmensrechnung und Revision der Wirtschaftsuniversität Wien in Zusammenarbeit mit der Reporting-Agentur nexxar zeigt, druckten DAX-Konzerne 2019 im Schnitt nur noch 1.856 Exemplare. Auch im österreichischen Leitindex ATX (1.842 Exemplare) sowie im Schweizer SMI (3.142 Exemplare) liegen die durchschnittlichen Auflagen aktuell im unteren vierstelligen Bereich.

Berichte werden digital

Im Rahmen der Studie wurden alle Unternehmen aus den deutschen Indizes DAX, MDAX, TecDAX sowie 2019 erstmals auch aus dem österreichischen ATX und dem Schweizer SMI befragt. „Unternehmen stellen ihre Berichte inzwischen primär digital zur Verfügung“, sagt WU-Wissenschaftlerin Stéphanie Mittelbach-Hörmanseder. „Unsere Studie zeigt einen eindeutigen Trend hin zu digitalen Berichtsformaten. Dem PDF, dem Reporting-Standard XBRL (eXtensible Business Reporting Language) sowie Online-Geschäftsberichten werden jetzt und künftig die größte Bedeutung zugesprochen“. Rund 59 Prozent der befragten Konzerne gehen sogar davon aus, dass Berichte künftig ausschließlich digital bereitgestellt werden. Der Geschäftsführer der Reporting-Agentur nexxar Eloy Barrantes sieht die Entwicklung positiv: „Berichte sollten dort sein, wo die NutzerInnen sind – nämlich online. Einige DAX-Konzerne erreichen mit ihren interaktiven Online-Geschäftsberichten bis zu 90.000 Besuche im Jahresverlauf“. Stakeholder erwarten, dass sie die Informationen in Berichten ortsungebunden und jederzeit rezipieren können. „Bis zu 20 Prozent der UserInnennutzen Online-Geschäftsberichte beispielsweise mit mobilen Endgeräten wie Smartphones“, erklärt Barrantes. „Es ist wichtig, dass die Inhalte für Bildschirme optimiert und wirklich digital gedacht werden“.

Reporting-Standard XBRL kommt – mitunter unvorbereitet

Vor allem die Bedeutung des Reporting-Standards XBRL steigt im Auge der TeilnehmerInnen enorm an. „Dieses Ergebnis ist nicht verwunderlich. Immerhin müssen die meisten der befragten Unternehmen erste Teile ihrer Berichte (insbesondere die Abschlusstabellen) ab dem Berichtsjahr 2020 in dem Format aufbereiten“, erklärt Mittelbach-Hörmanseder, „XBRL treibt die Digitalisierung von Finanzinformationen weiter voran und trägt dazu bei, dass Kennzahlen von Unternehmen schneller verbreitet, aber auch vergleichbarer werden“.
Von langer Hand vorbereitet ist diese Entwicklung allerdings längst nicht in jedem Konzern: In Summe rund 35 Prozent der Konzerne haben sich entweder noch nicht ausreichend mit dem Thema beschäftigt oder konnten mit dem Begriff XBRL nichts anfangen. Lediglich rund jeder zehnte Konzern setzt XBRL nach eigenen Angaben bereits ein. Der Großteil der befragten Unternehmen befindet sich dagegen in einer Vorbereitungsphase.

Quelle: Wirtschaftsuniversität Wien

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