Bernd Kiesewetter: Mission Verantwortung

„Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott“

Vor lauter Klagen sollten wir das Handeln nicht vergessen

Kolumne von Bernd Kiesewetter

Ich bin regelmäßig Teilnehmer bei Unternehmerkongressen, Wirtschaftstagen und Netzwerkveranstaltungen. Dort wird viel geklagt: zu viel Bürokratie und zu wenig Fachkräfte, zu hohe Energiekosten und zu komplexe Berichtspflichten, dafür zu wenig Verständnis für die Bedarfe der deutschen Wirtschaft. Und immer wieder die Politik. Die Politik macht dies falsch und jenes.

Die da oben sind eine Katastrophe: zu links, zu rechts, zu dies und jenes. Schaltet man anschließend den Fernseher ein oder liest die Wirtschaftsseiten der vermeintlichen Leitmedien, setzt sich dieses Bild nahtlos fort. Die deutsche Wirtschaft scheint aus dieser Perspektive vor allem aus Problemen, Krisen, Risiken und düsteren Prognosen zu bestehen.

Viele dieser Beschreibungen sind richtig. Aber es gibt eben auch eine Kehrseite. Denn wenn ich mit Unternehmern abseits der Kongresse und Wirtschaftstage spreche, bekomme ich ein ganz anderes Bild: Der eine baut eine neue Halle, der andere investiert in eine neue Maschine. Dieser hat einen neuen Vertriebsleiter eingestellt, um einen neuen Markt zu erschließen, jener kauft gleich ein ganzes Unternehmen auf. Neue Produkte, neue Märkte, neue Standorte, neue Vertriebswege statt Resignation. Die Krise haben, so könnte man meinen, nur die anderen.

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Fokus auf Wachstum statt auf klagen

Diese Diskrepanz ist auffällig. Geht es also der Wirtschaft gar nicht so bescheiden, wie uns die Nachrichten vermitteln wollen? Doch, ja, es geht ihr schlecht. Ganz ohne Zweifel. Und natürlich treffe ich auch eher den Unternehmertypus, der seine Zeit nicht mit Klagen verbringt. Die, die ich treffe, wollen wachsen – persönlich oder unternehmerisch.

Sie kennen die Herausforderungen, aber sie dramatisieren sie nicht. Sie beschränken sich nicht darauf, Probleme zu beschreiben, sondern sie zu lösen. Die Problembeschreibung und das Wehklagen überlassen sie meist jenen, die dafür bezahlt werden: Verbandsvertretern, Lobbyisten und Wirtschaftsinstituten. Deren Geschäft ist die Problembeschreibung und Analyse. Das Geschäft von Unternehmern ist, ihr Unternehmen am Laufen zu halten. Dafür brauchen sie neue Maschinen und Mitarbeiter, neue Standorte und Investitionen – und vor allem Mut zur Entscheidung. Sie brauchen den Mut, Verantwortung zu übernehmen.

Geliehene Autorität

Lobbyisten, Wissenschaftler und Funktionäre tragen keine Verantwortung. Das ist keine Kritik. Es muss Menschen geben, die der Politik ihre Fehler vor Augen führen und Fehlentwicklungen aufzeigen, die analysieren und Vergleiche ziehen. Aber diese Menschen sind eben zumeist keine Unternehmer. Daher kommt die Diskrepanz. Auf Tagungen, Kongressen und bei Events kommen zu wenige Unternehmer zu Wort, stattdessen Menschen mit geliehener Autorität, die sich aus Titeln und Institutionen ableitet. Sie beschreiben die Welt, während andere konkrete Entscheidungen treffen müssen.

Gerade bei Familienunternehmen und inhabergeführten Betrieben erlebe ich diese Diskrepanz. Sie sagen, was nicht gut läuft, aber sie nennen auch gleich die Lösungen. Familienunternehmer tragen Verantwortung nicht theoretisch, sondern praktisch. Sie können sie nicht an einen Ausschuss delegieren, nicht an eine Arbeitsgruppe, nicht an einen Verband und oft nicht einmal an eine Konzernzentrale. Am Ende müssen sie selbst entscheiden. Sie tragen das Risiko, sie verantworten die Investition und sie müssen mit den Folgen leben. Genau daraus entsteht eine andere Haltung zur Wirklichkeit.

Wer Verantwortung trägt, hat keine andere Wahl, als zu handeln

Vor einigen Jahren sagte mir der Bürgermeister einer mittelgroßen Stadt: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.“ Ich empfand das als Floskel. Aber dieser Tage fiel mir der Satz wieder ein. Und er ist richtiger denn je.

Denn wer Verantwortung trägt, hat gar keine andere Wahl, als zu handeln. Er muss sein Unternehmen in Ordnung bringen, seine eigenen Probleme lösen und die Grundlagen für den eigenen Erfolg schaffen. Erfolgreiche Unternehmer machen ihr Schicksal nicht von anderen abhängig – nicht von der Politik, nicht von Stimmungen und Meinungen und nicht von „den Umständen“. Sie verlassen sich auf sich selbst. Sie übernehmen Verantwortung.

Autorenprofil:

Der MiNa-Kolumnist Bernd Kiesewetter ist als erfahrener Unternehmer, Coach und Mentor vieler bekannter Persönlichkeiten, mehrfacher Buchautor und durch seine jahrelangen Radioauftritte bekannt als „Berlins Erfolgscoach Nummer Eins“.

Seit vier Jahrzehnten in den verschiedensten Branchen tätig – in der Spitze mit sieben Unternehmen und 150 Mitarbeitern gleichzeitig – hat er unglaublich viele Höhen, Tiefen und Aha-Momente gesammelt, durch die er heute persönliche und unternehmerische Unterstützung wie kaum ein anderer bietet. Seine Themen sind Wachstum, Krisen und Neuausrichtung.

Seine Arbeit steht unter dem Leitmotiv Verantwortung – für sich selbst, die Mitarbeiter, das Unternehmen und die Gesellschaft. Sein Motto ist ebenso einfach wie vielschichtig: Haltung. Wirkung. Ergebnisse.

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