KarriereWirtschaft

Wirtschaftskrise treibt Arbeitsgerichtsverfahren: Immer mehr Beschäftigte klagen gegen Arbeitgeber

Die schwache Wirtschaftslage in Deutschland führt nach Einschätzung der Versicherungswirtschaft zu mehr Rechtsstreitigkeiten rund um den Arbeitsplatz. Im zweiten Quartal 2026 entfielen bereits 15,3 Prozent aller Schäden in der Rechtsschutzversicherung auf Streitigkeiten rund um das Arbeitsverhältnis, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben) mitteilte. Ein Jahr zuvor waren es 14,6 Prozent, 2024 waren es 14,2 Prozent.

Wirtschaftskrise treibt Arbeitsgerichtsverfahren – das zeigen Versicherer auf!

Noch deutlicher ist die Entwicklung bei den Schadenzahlungen. Von Januar bis Juni 2026 entfielen 38,6 Prozent aller Zahlungen der Rechtsschutzversicherer auf den Arbeitsrechtsschutz. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres 2025 waren es 36,8 Prozent, 2024 lag der Anteil bei 33,9 Prozent.

„Wenn Unternehmen Stellen abbauen oder umstrukturieren, nehmen auch die Konflikte am und um den Arbeitsplatz zu“, sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Für Beschäftigte könne es dabei schnell um die eigene wirtschaftliche Existenz gehen. Der Arbeitsrechtsschutz gewinne deshalb in einer Phase schwacher Konjunktur zunehmend an Bedeutung.

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Die deutsche Wirtschaft leidet seit Jahren unter schwacher Dynamik und hoher Unsicherheit. Zugleich bleibt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen erhöht. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte das Statistische Bundesamt 12.812 Unternehmensinsolvenzen, 6,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im August waren zudem gut drei Millionen Menschen arbeitslos, 36.000 mehr als ein Jahr zuvor.

Für Beschäftigte kann eine Rechtsschutzversicherung im Kündigungsfall die Kosten eines Anwalts und eines Gerichtsverfahrens im vereinbarten Umfang übernehmen. Bei einer Kündigungsschutzklage gilt grundsätzlich eine Frist von drei Wochen. Ohne Rechtsschutzversicherung müssen Arbeitnehmer die Kosten ihres Anwalts in der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht grundsätzlich selbst tragen – auch wenn sie den Prozess gewinnen.

Insgesamt steigt die Nachfrage nach Rechtsschutz. Für 2026 erwartet der GDV ein Beitragswachstum von 4,5 Prozent. 2025 gab es rund 26,2 Millionen Rechtsschutzverträge und etwa 5,1 Millionen Schadenfälle. Der Schadenaufwand lag bei rund 4,1 Milliarden Euro. Zehn Jahre zuvor waren es rund 2,7 Milliarden Euro. Rund 60 Prozent der Haushalte in Deutschland verfügen über eine Rechtsschutzversicherung.

Foto: Büros (Archiv) / Bild: via dts Nachrichtenagentur

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