Finanzen

Dax schließt bei 25.820 Punkten: 1,9 Prozent Minus nach starken US-Arbeitsmarktdaten

Zum Wochenausklang hat der Dax kräftig nachgelassen. Zum Xetra-Handelsschluss wurde der Index mit 25.820 Punkten berechnet, ein Minus in Höhe von 1,9 Prozent im Vergleich zum Vortagesschluss. Nach einem schwachen Start baute der Dax am Vormittag seine Verluste aus und verharrte anschließend auf diesem Niveau.

„Am Tag nach dem neuen Rekordhoch und den anschließenden, heftigen Kursrückgängen im Halbleitersektor ist der Dax wieder deutlich unter die Marke von 26.000 Punkten gerutscht“, kommentierte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst von CMC Markets. „Fast eintausend Punkte trennen den deutschen Leitindex jetzt bereits wieder von seiner neuen Bestmarke.“

Während sich bei Tech-Aktien erste Erholungstendenzen zeigten, bleibe der breite Aktienmarkt unter Druck, so Lipkow. „Die Anleger konzentrierten sich heute fast ausschließlich auf Unternehmen, die unmittelbar oder mittelbar vom Ausbau der KI-Infrastruktur profitieren. Im Dax präsentierten sich so insbesondere Siemens Energy, RWE, Hochtief und Infineon vergleichsweise stabil“, erklärte der Analyst. „Die Erholung einzelner Technologiewerte konnte die Schwäche des Gesamtmarktes allerdings nicht ausgleichen.“

Zu den politischen Unsicherheiten nach den US-Zwischenwahlen habe sich am Nachmittag ein neuer Belastungsfaktor gesellt, so Lipkow. „Die veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten fielen deutlich stärker aus als erwartet. Mit 165.000 neu geschaffenen Stellen wurde die Prognose von lediglich 65.000 weit übertroffen. Gleichzeitig lag die Arbeitslosenquote bei 4,1 Prozent und damit niedriger als erwartet“, schilderte er. „Besonders aufmerksam dürften die Notenbanker allerdings auf die Lohnentwicklung schauen. Die durchschnittlichen Stundenlöhne sind mit einem Plus von 0,4 Prozent ebenfalls stärker gestiegen als prognostiziert.“

Damit könne die Stärke des US-Arbeitsmarktes zu einem neuen Problem für die Börse werden. Die kräftige Beschäftigungsentwicklung spreche zwar für eine weiterhin robuste US-Konjunktur, gleichzeitig wachse aber das Risiko, dass steigende Löhne den Inflationsdruck dauerhaft hochhalten. „Die von der Bank of England bereits angesprochenen Zweitrundeneffekte könnten damit auch in den USA zunehmend an Bedeutung gewinnen“, so Lipkow. „Wenn Unternehmen höhere Lohnkosten über ihre Verkaufspreise weitergeben, droht sich die Inflation selbst dann zu verfestigen, wenn die Energiepreise zwischenzeitlich wieder nachgeben.“

Für die US-Notenbank werde der geldpolitische Spielraum dadurch erneut enger, warnte der Analyst. „Die Anleger hatten zuletzt auf eine Entspannung an der Inflationsfront und eine entsprechend zurückhaltendere Fed gesetzt. Nun könnten die überraschend starken Arbeitsmarktdaten die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen wieder verstärken.“ Was für die US-Wirtschaft grundsätzlich eine gute Nachricht sei, müsse für die Aktienmärkte deshalb noch lange keine sein, so Lipkow. „Ein starker Arbeitsmarkt stützt zwar Wachstum und Konsum, könnte aber gleichzeitig dafür sorgen, dass die Zinsen länger hoch bleiben oder sogar weiter steigen.“

Auch für den Dax bleibe die Lage damit angespannt. „Die Hoffnung auf eine Jahresendrally ist zwar noch nicht vom Tisch, doch die Hürden werden wieder höher“, erklärte der Marktanalyst. „Die Anleger müssen sich mit dem Gedanken anfreunden, dass eine robuste US-Wirtschaft nicht automatisch steigende Aktienkurse bedeutet. Solange gute Konjunkturdaten neue Zinssorgen auslösen, dürfte die Nervosität an den internationalen Aktienmärkten hoch bleiben.“

Bis kurz vor Handelsschluss standen die Aktien von Siemens Energy, RWE und Fresenius an der Spitze der Kursliste. Das Schlusslicht bildeten die Papiere von BMW und DHL sowie der Rückversicherer Münchener Rück und Hannover Rück.

Unterdessen sank der Gaspreis: Eine Megawattstunde (MWh) Gas zur Lieferung im Dezember kostete 86 Euro und damit fünf Prozent weniger als am Vortag. Das impliziert einen Verbraucherpreis von mindestens rund 13 bis 16 Cent pro Kilowattstunde (kWh) inklusive Nebenkosten und Steuern, sollte das Preisniveau dauerhaft so bleiben.

Der Ölpreis sank ebenfalls: Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete am Freitagnachmittag gegen 17 Uhr deutscher Zeit 97,26 US-Dollar, das waren 1,1 Prozent weniger als am Schluss des vorherigen Handelstags.

Die europäische Gemeinschaftswährung war am Freitagnachmittag schwächer: Ein Euro kostete 1,1149 US-Dollar, ein Dollar war dementsprechend für 0,8969 Euro zu haben.

Foto: Frankfurter Börse / Bild: via dts Nachrichtenagentur

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