Auch wenn die Europäischen Währungshüter in der gestrigen Sitzung des EZB-Rates keine neuen Hinweise auf einen Ausstieg aus ihrer Politik des billigen Geldes gegeben haben, gehen inzwischen die allermeisten Beobachter davon aus, dass eine Zinswende alsbald kommt – und auch kommen muss, denn die Nebenwirkungen des von der Notenbank eingeschlagenen Kurses bergen neue Risiken für die Finanzmarktstabilität. Von seinem Tiefstand Ende letzten Jahres hat sich das Zinsniveau bereits weit entfernt. Entsprechend sind auch die Hypothekenzinsen angestiegen. Wer – jetzt oder in Zukunft – Wohneigentum finanzieren möchte, sollte sich deshalb mit dem Thema Zinssicherung beschäftigen.

Zwar ist nicht zu erwarten, dass es kurzfristig zu einem rasanten Zinsanstieg kommen wird. Volkswirte rechnen damit, dass die EZB zunächst ihr Anleihekaufprogramm sukzessive reduziert und dann auch die Leitzinsen langsam wieder anhebt. Dennoch sollte sich jeder, der die Anschaffung oder Renovierung einer Immobilie plant, darauf einstellen, dass die Zeiten extrem niedriger Zinsen bald vorbei sein können. Ein Anstieg der Zinsen hat erhebliche Auswirkungen auf die Kosten einer Baufinanzierung. Deshalb ist die langfristige Zinssicherung mit Bausparen derzeit nicht nur sehr attraktiv, sondern von hoher Bedeutung – gerade für Immobilienfinanzierer, die mit Zusatzbelastungen aus steigenden Zinsen überfordert wären.

Der Bausparvertrag bietet seit jeher neben dem sicheren Ansparen von Eigenkapital und der Möglichkeit, Darlehen zügig tilgen zu können, als Kernnutzen die Absicherung vor steigenden Zinsen. In den zurückliegenden Jahren ist dieser Vorteil kaum mehr sichtbar geworden, weil die Kapitalmarktzinsen stetig gesunken und durch die EZB-Politik weiter künstlich nach unten gedrückt wurden. Das könnte bald vorbei sein. Das Thema „langfristige Zinssicherung“ wird dann noch an Bedeutung gewinnen.

Das Prinzip Kombifinanzierung

Schon jetzt können sich Bauherren und Käufer die heutigen Zinskonditionen über einen Zeitraum von 25 Jahren und mehr sichern. Und zwar mithilfe einer sogenannten Kombifinanzierung der Bausparkassen, bei der Zinsen von der ersten bis zur letzten Rate festgeschrieben sind. Das Prinzip: Parallel zur zunächst tilgungsfrei gestellten Finanzierung wird ein Bausparvertrag angespart. Die Höhe des Bauspardarlehenszinses ist von Vertragsbeginn an fest vereinbart. Bis dieser Bausparvertrag zuteilungsreif ist, das ist meist nach 8 bis 10 Jahren der Fall, wird die komplette Bausparsumme vorfinanziert. Dafür zahlt der Kunde lediglich die aktuell marktüblichen, also sehr niedrigen Zinsen. Bei Zuteilung löst der Bausparvertrag den Vorfinanzierungskredit auf einen Schlag ab. Dann muss nur noch das ebenfalls günstige Bauspardarlehen getilgt werden.

Besonders attraktiv ist eine Kombifinanzierung, wenn sie mit der Förderung durch Wohn-Riester verknüpft werden kann, worauf auch die Stiftung Warentest hinweist. Denn die staatlichen Zulagen können dann nicht nur zur Tilgung des Bauspardarlehens, sondern bereits in der Ansparphase genutzt werden. So lassen sich bei einer Finanzierung oft viele zehntausend Euro sparen.

Steigender Eigenkapitalbedarf

Allerdings darf man eines nicht übersehen: Die Nebenwirkungen der EZB-Nullzinspolitik erfassen natürlich auch den Immobilienmarkt, wo die Preise inzwischen vielerorts kräftig angestiegen sind. Damit steigt auch der Bedarf an Eigenkapital, das in eine Finanzierung einzubringen ist. Trotz verlockend niedriger Zinsen führt deshalb in der Regel kein Weg daran vorbei, schon lange vor dem Erwerbszeitpunkt mit dem Sparen zu beginnen.

Quelle: Bundesgeschäftsstelle Landesbausparkassen im Deutschen Sparkassen- und Giroverband e. V.

Veröffentlicht von:

Despina Tagkalidou

Despina Tagkalidou ist Mitglied in der MiNa-Redaktion und schreibt über Wirtschaftsverbände, Macher im Mittelstand, Produkte + Dienstleistungen, Digitale Wirtschaft und Familienunternehmer.

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