Warum mittelständische Einkäufer zunehmend auf inländische Spezialanbieter bei Betriebsmitteln setzen
Lange Zeit war der Preis das ausschlaggebende Kriterium im industriellen Einkauf. Der Anbieter mit dem günstigsten Angebot erhielt den Zuschlag. Doch dieses traditionelle Modell steht nun unter Druck. Angesichts steigender Logistikkosten, längerer Transportzeiten aus dem asiatischen Raum und einer zunehmenden Zahl an Lieferengpässen, rücken Aspekte wie Qualität, Zuverlässigkeit der Lieferung und Fertigungstiefe wieder stärker in den Mittelpunkt. Einer Studie von Bain & Company (2024) zufolge planen 81 % der befragten CEOs und COOs, ihre Beschaffungsaktivitäten näher an ihre Hauptmärkte zu verlagern. Im Jahr 2022 lag dieser Anteil noch bei 63 %.
Veränderung der Beschaffungskriterien: Worauf Einkäufer heutzutage achten
Ein anschauliches Beispiel liefert der schwäbische Sensorenhersteller Balluff: Als das Unternehmen Ende 2001 sein Lieferantenbewertungssystem grundlegend reformierte, war der Preis bis dahin nahezu das alleinige Kriterium für die Auswahl. Im Anschluss wurden Qualität, Logistik und Technologie als gleichwertige Faktoren in die Bewertung aufgenommen. Das Resultat war eine signifikante Kostenreduktion durch die Konzentration auf bevorzugte Lieferanten. Das haben wir heute in vielen mittelständischen Beschaffungen. Die Kriterien, nach denen Lieferanten bewertet werden, lassen sich in drei Gruppen einteilen:
1. Fertigungstiefe, den Eigenfertigungsanteil am Endprodukt. Die Beschaffung Aktuell berichtet, dass die durchschnittliche Fertigungstiefe in vielen Industriebetrieben bei unter 50 % liegt, was bedeutet, dass mehr als die Hälfte der Produktqualität von draußen geliefert wird. Anbieter mit hoher Eigenfertigungsquote können Toleranzen, Materialeigenschaften und Verarbeitungsstandards direkt kontrollieren, anstatt durch Audits bei Sublieferanten kontrollieren zu lassen.
2. Normkonformität und Zertifizierungen. Gerade bei Betriebsmitteln, die in sicherheitsrelevanten Bereichen eingesetzt werden, ist der Nachweis der Normenkonformität (DIN EN ISO 9001) oder der Erfüllung branchenüblicher Normen keine optionale Erweiterung des Angebots, sondern Voraussetzung für die Beschaffung.
3. Lieferzuverlässigkeit. Kurze Transportwege = geringe Störanfälligkeit. Die weltweiten Lieferkettenprobleme der vergangenen Jahre haben gezeigt: Lange Beschaffungsketten verwandeln selbst kleine Probleme schnell in existenzielle Engpässe.
Eigenproduktion als Qualitätssignal: Industriedruckerzeugnisse
Ein Produktbereich, der das gut verdeutlicht, sind industrielle Kennzeichnungsprodukte. Rohrleitungskennzeichnungen, Prüfplaketten, Fließrichtungspfeile, gravierte Betriebsschilder – alles klingt nach Nischenthema. In Wirklichkeit sind sie es aber nicht: Sie sind Teil sicherheitskritischer Betriebsinfrastruktur und müssen deshalb normgerecht, langlebig und individuell anpassbar sein.
Anbieter wie industrielabels.de machen solche Betriebsmittel seit über 130 Jahren in eigener Fertigung in Dresden.
Alle Produkte werden mit eigenen Druck- und Lasersystemen im Haus gefertigt. Keine Qualitätsvarianz durch wechselnde Sublieferanten, kurze Lieferzeiten bei Individualaufträgen, technische Spezifikationen können direkt mit dem Fertigungsteam abgestimmt werden.
Die für Einkäufer definitiv interessante Frage: Wer stellt dieses Produkt tatsächlich her? Stattdessen lieber ein Händler, der mehrere Produzenten im Ausland koordiniert? Oder ein Meisterbetrieb mit eigenem Maschinenpark und auf den letzten holländischen Prüfungsergebnis lückenlos nachweisbarer Fertigungsverantwortung? Der Unterschied macht sich unmittelbar bei Reklamationen, beim Anpassungswillen und bei der Liefersicherheit bemerkbar.
Reshoring ist strategische Beschaffungsentscheidung
Die Renationalisierung von Lieferketten ist nicht kurzfristiger Reflex auf einige Krisen. Sie ist Ausdruck einer strukturellen Neubewertung von Risiken. Handelskonflikte, Zollerhöhungen und steigende Transportkosten haben das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Fernbeschaffung verändert. Laut MIWI-Institut sollen Reshoring-Strategien Transportkosten verringern, Lieferzeiten verkürzen, die Produktqualität erhöhen.
Für den Mittelstand bedeutet das: Bei Betriebsmitteln mit klar definierten Qualitätsanforderungen, die nicht täglich neu ausgeschrieben werden, ist die systematische Bewertung einheimischer Spezialanbieter lohnend. Prüfpunkte dabei sind Fertigungstiefe, Eigentümerstruktur, Produktionsstandort, Zertifizierungsstand nach ISO-Normen, Reaktionsgeschwindigkeit bei technischen Rückfragen usw.
Das soll keineswegs heißen, dass weltweite Beschaffung generell unwirtschaftlich ist. Bei Standardkomponenten mit geringem Differenzierungsgrad ist internationaler Wettbewerb durchaus noch sinnvoll. Bei solchen Produkten, für die Maßgenauigkeit, Normkonformität und Nachbestellbarkeit in der gleichen Ausführung entscheidend sind, sind Herkunft und Eigenproduktion jedoch belastbare Qualitätssignale.
Wer als mittelständische Einkaufsabteilung diese Dimensionen in die eigene Lieferantenbewertung mit hineinführt, sichert sich dadurch nicht nur Stabilität in der Versorgung. Er verringert auch die eigenen Kosten beim Qualitätsprüfen, Reklamationsmanagement und Lieferantenaudits. Das rechnet sich, auch wenn der Einkaufspreis zunächst höher ist.



