Sprachkompetenz als Kriterium für die Einstellung: Warum mittelständische Unternehmen das Niveau B2 bevorzugen
Der Mangel an Fachkräften beeinflusst die Personalrekrutierung im deutschen Mittelstand erheblich. Laut der Bundesagentur für Arbeit gibt es seit Monaten über 1,7 Millionen offene Stellen, während der Anteil internationaler Bewerber zunehmend steigt. Daher gewinnt die sprachliche Fähigkeit in vielen Unternehmen an Bedeutung und steht nun gleichwertig neben den fachlichen Qualifikationen. Das Niveau B2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) fungiert als maßgeblicher Indikator für qualifizierte berufliche Tätigkeiten.
Was die B2-Stufe konkret bedeutet
Das B2-Niveau stellt die vierte von insgesamt sechs Stufen im GER-System dar, das die Grade A1, A2, B1, B2, C1 und C2 umfasst. Auf dieser Ebene sind Personen in der Lage, komplexe Texte zu vielfältigen Themen sowohl konkret als auch abstrakt zu verstehen, fachliche Inhalte präzise zu kommunizieren und klare Argumente darzulegen. Prüfen lassen sich die vier Kompetenzen Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen, wobei in der Regel für jeden Teilbereich mindestens 60 Prozent erreicht werden müssen. Die Prüfung selbst dauert je nach Anbieter zwischen drei und vier Stunden und kostet in Deutschland zwischen 200 und 300 Euro.
Wer sich strukturiert vorbereiten möchte, findet auf Online-Plattformen B2 Übungen zu den verschiedenen Aufgabenformaten und kann sich somit gut auf die Prüfungssituation vorbereiten. Meistens liegen die Vorbereitungszeiten bei 300 bis 500 Unterrichtsstunden, wobei es natürlich vom vorhandenen Vorwissen und von der Lernintensität abhängt.
Warum Unternehmen den B2-Niveau als Minimum voraussetzen
Der mittelständische Betrieb arbeitet in flachen Hierarchien. Mitarbeiter wechseln öfters zwischen den Abteilungen und haben direkten Kontakt zum Kunden oder arbeiten in Projektteams mit. Da ist es selbstverständlich, dass jeder in der Lage ist, am Telefon zu antworten, sich an der Schichtübergabe zu verständigen, an der Sicherheitsunterweisung teilzunehmen und dem Kunden bei Vertragsgesprächen zu helfen. Umfragen unter den Industrie- und Handelskammern zeigen, dass etwa 60 % der mittelständischen Betriebe Sprachkenntnisse ebenso wichtig erachten wie die fachliche Qualifikation.
In den reglementierten Berufen hat sich B2 auch gesetzlich etabliert. So verlangt das Pflegeberufegesetz für die Anerkennung als examinierte Pflegefachkraft B2, auch viele Kammern und Innungen im Handwerk und in technischen Berufen setzen B2 als Mindestqualifikation für die Eintragung voraus. C1 wird für Ärzte und Apotheker von den meisten Bundesländern verlangt, für Hospitationen und Anpassungslehrgänge gilt B2 jedoch als Eingangshürde. Diese Standards wirken in den Mittelstand hinein. Wer in einem Pflegeheim, einem Maschinenbaubetrieb oder einer Apothekenkooperation arbeiten möchte, muss diese Hürde nachweisbar nehmen.
So prüfen Personalabteilungen den B2-Nachweis
Bei der Auswahl der Bewerber achten die HR-Verantwortlichen auf drei Kriterien: die Prüfstelle, das Ausstellungsdatum und das Punkteprofil. Zertifikate des Goethe-Instituts, der telc gGmbH, des ÖSD und der TestDaF-Stelle sind anerkannt, wobei TestDaF die Stufen B2 bis C1 abdeckt. Zertifikate ohne Ablaufdatum sind formal gültig, viele Arbeitgeber fordern jedoch eine Ausstellung innerhalb der letzten zwei Jahre, um die Aktualität der Sprachpraxis sicherzustellen.
Im Vorstellungsgespräch folgt dann in der Regel die praktische Prüfung. Üblich sind Kurzreferate, das Vorlesen einer Arbeitsanweisung, Rollenspiele zum Kundenkontakt. Manche Unternehmen integrieren standardisierte Online-Testverfahren wie den onSET oder den DTZ-Vortest, um das angegebene Selbstauskunftsniveau auf den Prüfstand zu stellen. Für Geflüchtete und Drittstaatsangehörigen fördert die Bundesagentur für Arbeit die Sprachkurse über das Berufssprachenkurs-Programm. Mittelständische Arbeitgeber können diese Maßnahme aktiv nutzen, indem sie laufende Mitarbeitende zur B2-Prüfung anmelden und sie so dauerhaft an den Betrieb binden.



