Kolumnistin Svenja Fischer
mittelstand-nachrichten.de stellt zehn Fragen an Svenja Fischer
Svenja Fischer steht für Marketing ohne Fassade: Mit The Brand Office macht sie sichtbar, was Marken wirklich ausmacht – ehrlich, tiefgründig und konsequent authentisch. Hier bei den Mittelstand Nachrichten schreibt sie als Kolumnistin über ihre persönlichen Erfahrungen und sichtweisen in ihrer Kolumne:
„Mensch, komm schon!“
Was beschäftigt Sie derzeit am meisten?
Was treibt Sie in Ihrem beruflichen Alltag um?
Ganz klar: die allgemeine Unzufriedenheit. Das ist etwas, was mich im beruflichen Kontext, aber auch privat sehr beschäftigt. “Money rules the world” ist ein geflügeltes Wort, was so viel aussagt. Aber ich glaube, dass wir uns mittlerweile an einem Wendepunkt befinden. Klar werden die Unternehmen mit dem größten Budget immer die meisten Möglichkeiten haben. Trotzdem sehe ich, dass die Gesellschaft das auch mittlerweile registriert. Viele hinterfragen mittlerweile “das Marketing”. Dabei hat das Wort “Marketing” bei vielen auch seit Jahren einen negativen Beigeschmack – was ich persönlich unglaublich schade finde.
Denn für mich bedeutet “Marketing” Menschen dabei zu helfen, ihren Traum zu verwirklichen und anderen Menschen mit ihrer Dienstleistung oder ihrem Produkt zu helfen. Sichtbar zu machen, wer dahinter steht. Und vor allem: warum.
Wo liegen aktuell die größten Hindernisse des deutschen Mittelstandes?
Vor ein paar Wochen war ich bei einer Veranstaltung der IHK. Dort wurde berichtet, dass aktuell 60 Insolvenzen pro Tag angemeldet werden. Muss ich wirklich noch erklären, was ich als Hauptproblem sehe? Vieles läuft einfach nicht so, wie es laufen könnte. Und es gibt viele “Fronten”, die gegeneinander kämpfen, statt miteinander. Chaos ist dabei vorprogrammiert.
Wo liegen aktuell die größten Chancen des deutschen Mittelstandes?
Deutschland war früher das Land der Dichter und Denker. Und irgendwann einmal wurde Deutschland auch mit “Qualität” verbunden. Wenn wir aufhören, uns selbst zu sabotieren durch unfassbare bürokratische Hürden, dann würden sicher viele Unternehmer in Deutschland bleiben, statt ihr Glück in anderen Ländern zu versuchen. Wenn ich mich als Unternehmer schützen möchte, muss ich erst einmal Wochen damit verbringen, um sämtliche behördliche Auflagen zu erfüllen – DSGVO, Verfahrensdokumentationen, IT-Dokumentationen und so weiter und so fort. Da macht es nicht gerade Spaß, ein Unternehmen zu gründen.
Was muss sich dringend ändern in Deutschland, in Europa, in der Welt?
In Deutschland muss definitiv die Bürokratie deutlich vereinfacht werden. Es kann nicht sein, dass junge, motivierte Unternehmer ins Ausland gehen, weil ihnen Steine in den Weg gelegt werden. Die Welt können wir wohl leider nicht verändern, so, wie es nötig wäre. Ich wünsche mir, dass die Menschen verstehen, dass wir nur sinnvoll wachsen können, wenn wir zusammenhalten. Wir sollten nicht alles als ein immerwährendes Gegeneinander sehen. Das gilt nicht nur in der Politik, sondern auch in den Gesellschaften. Frauen – Männer. Christen – Muslime. Arm – reich. Heterosexuell – homosexuell. Wir sollten Menschen und Gemeinsamkeiten sehen, statt Unterschiede.
Manches darf auch gerne bleiben, wie es ist. Das zumindest lehrt die Erfahrung. Was sollte sich aus Ihrer Sicht keinesfalls ändern?
Der Mut von Unternehmern. Es gibt immer noch viele, die auch jetzt noch ihre Ziele verfolgen, Unternehmen übernehmen oder neu gründen. Die Ideen verwirklichen. Genau solche Menschen muss es immer geben, denn sie bringen Fortschritt, Wachstum, Innovation. Mittlerweile gibt es eine so große Community an Menschen, die wachsen wollen und immer wieder lernen, über ihre Komfortzone hinaus zu wachsen. Das finde ich einfach großartig!
Was bereitet Ihnen persönlich aktuell die größten Sorgenfalten?
Die gesellschaftlichen Entwicklungen und die daraus resultierenden Probleme. Unzufriedenheit ist eine so große Macht. Ich kann sie zum Teil verstehen, diese Unzufriedenheit. Aber wenn man die Veränderung mit Gewalt und Hass durchsetzen möchte, ist das niemals gut. Ein paar Resultate sind Druck und Angst in der Gesellschaft, in der Politik, auf der Welt. Eingesetzte Ellenbögen, Egoismus und Arroganz helfen uns definitiv nicht, ein zufriedenes Leben zu führen, ganz im Gegenteil.
Was hat Sie bewogen, Unternehmerin zu werden beziehungsweise sich selbständig zu machen? Und was von Ihren damaligen Motiven treibt Sie noch heute an?
Ich habe eine große, klare Vision davon, wie ich gerne arbeiten möchte. bzw. nicht arbeiten möchte. Denn ich lebe nach dem Zitat von Konfuzius: “Wer liebt, was er tut, muss nie wieder arbeiten.”. Ich liebe es, Menschen dabei zu helfen, sichtbar zu werden, ihre Träume zu verwirklichen. Und ich möchte mit Menschen arbeiten, die ebensolchen Spaß an ihrer “Arbeit” haben. Gemeinsam mit meinem Team lebe ich meinen Traum.
Was würden Sie heute anders machen als damals? Und: Wie würden Sie die Entscheidung heute treffen, wenn man Sie nochmals fragen würde, ob Sie sich selbständig machen wollen würden?
Ich würde mich jederzeit wieder selbstständig machen. Und anders machen? Theoretisch wäre ein Mentor an meiner Seite toll gewesen, der mich vor einigen Fehlern hätte bewahren können. Aber wahrscheinlich wäre ich heute nicht die, die ich bin und auch nicht dort, wo ich bin. Und das ist beides schon ganz fein so.
Was treibt Sie an, sich jeden Tag Ihren Aufgaben und Herausforderungen zu stellen?
Die Menschen, mit denen ich jeden Tag arbeiten darf, sowohl mein Team, als auch unsere Kunden und Partner.
Was tragen Sie und Ihr Unternehmen zur Gesellschaft bei? Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Gemeinwohl in Ihrer Tätigkeit?
Eine sehr große Rolle, denn ich glaube fest daran, dass jedes Unternehmen und jeder Unternehmer Verantwortung trägt. Das beginnt zuerst einmal gegenüber den Mitarbeitern. Darüber hinaus sind Werte für mich etwas unglaublich wichtiges. Passend zu seinen Unternehmenswerten sollte jedes Unternehmen im Rahmen seiner Möglichkeiten versuchen, die Welt ein kleines Stück besser zu machen. Dabei geht es nicht unbedingt um monetäre Zuwendungen an Vereine oder Organisationen. Es können auch eigene Dienstleistungen sein, Müllsammel- oder Verschönerungsaktionen oder andere Unterstützungen, die nicht zwangsläufig Geld kosten.
Wir unterstützen bereits seit vielen Jahren die Helfenden Hände Oberberg und den Nick & Co-Cup. Mittlerweile sind wir seit ein paar Jahren Premium-Sponsor des Cups und tragen das stolz nach außen. Nicht, weil wir uns damit schmücken wollen, sondern weil es mein persönliches Signal an all die großen Firmen ist, die so viel tun könnten … es aber nicht tun. Die Arbeit der Helfenden Hände und des Teams des Nick & Co-Cups macht mich jedes Mal aufs Neue sehr demütig! Denn der Umgang mit Familien und ihren schwerkranken Kindern ist unglaublich belastend! Was diese Menschen hier leisten, um zu helfen und Freude zu bereiten, ist einfach unfassbar!
Da ist das, was wir tun, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber einer, den wir aus vollstem Herzen gerne geben.
Autorenprofil:
Svenja Fischer ist Inhaberin von The Brand Office (TBO) – einer Marketingagentur, die sich dem Echten verschrieben hat. Nicht dem Hochglanz. Nicht dem Konstruierten. Sondern dem, was wirklich da ist.
Ihr Weg dorthin war alles andere als geradlinig. Mathematik, Grafikdesign, Journalismus, Projektmanagement – und heute Wirtschaftspsychologie. Eine Kombination, die ungewöhnlich klingt, aber genau das erklärt, warum sie Menschen und Marken so versteht, wie sie es tut. Sie denkt in Strukturen, fühlt in Geschichten und fragt immer: Was steckt wirklich dahinter?
TBO ist nicht einfach eine Agentur. Es ist ein Versprechen. An Unternehmer und Führungskräfte, die spüren, dass ihre Marke noch nicht zeigt, wer sie wirklich sind. Die nach außen funktionieren – aber innen noch keine klare Antwort haben auf die Frage: Wofür stehen wir eigentlich?
Svenjas Kernüberzeugung ist so einfach, wie sie radikal ist: Authentizität ist kein Soft Skill. Sie ist die härteste Währung im Markt. Marken, die wirklich zu sich stehen, ziehen an. Marken, die Fassaden bauen, werden irgendwann entlarvt.
Mit ihrem Team und dem proprietären DEEP-Modell legt TBO frei, was in Unternehmen wirklich da ist – und macht es sichtbar. Nicht lauter. Echter.
Ihre Vision geht dabei über einzelne Marken hinaus. Svenja Fischer glaubt daran, dass eine Welt, in der Menschen und Unternehmen wirklich sie selbst sind – eine bessere ist. Weniger Fassade, weniger Erschöpfung durch das Aufrechterhalten von Bildern, die nicht stimmen, mehr echte Verbindung zwischen Menschen. Das klingt groß. Aber es beginnt klein – mit der einen Frage, die sie jedem stellen möchte: Weißt du eigentlich, wer du bist?
Svenja Fischer schreibt über Markenidentität, Menschlichkeit, authentische Führung, Glück und die Kraft des Echten – im Business und im Leben.
Weitere Informationen unter https://thebrandoffice.de/



