Politik

Seehofer kritisiert Merz und spricht von Glaubwürdigkeitsverlust

Der frühere CSU-Chef Horst Seehofer kritisiert Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und mahnt eine dringende Kurskorrektur an. „Friedrich Merz hat durch den Bruch von Wahlversprechen einen massiven Glaubwürdigkeitsverlust erlitten. Das Sofortprogramm von CDU und CSU versprach an erster Stelle eine Senkung der Stromsteuer für alle – passiert ist nichts“, sagte Seehofer der „Bild am Sonntag“.

Glaubwürdigkeitsverlust sorgte für den Titel „Lügenkanzler“

Der ehemalige Ministerpräsident verlangte eine radikale Kehrtwende in der Arbeitsweise der Regierung: „Wir brauchen deutlich mehr Tempo und deutlich weniger Selbstbeschäftigung.“ Man benötige keine neuen Kommissionen mehr, da ein Spitzenpolitiker selbst Position beziehen müsse. Ein Politiker, der in der Bundesliga spiele, müsse selbst eine Haltung haben – beispielsweise bei der Pflege – und auf dieser Basis Lösungen in der Koalition durchsetzen. Seehofer warnte: „Wenn das Vertrauen einmal angeknackst ist und ständig neue, unerfüllte Versprechen folgen, funktioniert es nicht mehr.“

Lebensrealität der Bürger muss wieder beachtet werden

Seehofer rügte mit Blick auf die Lebensrealität der Bürger, dass die Union die finanziellen Belastungen nicht konsequent genug bekämpfe. „Wir leben in einer Zeit, in der Schulden, Steuern, Abgaben, Mieten und Energiekosten gleichermaßen steigen. Was die Menschen bräuchten, wäre eine echte Entlastung. Stattdessen sorgt die kalte Progression dafür, dass selbst kleine Lohnsteigerungen sofort wieder aufgefressen werden. Aber in der Union sagt niemand mehr: ‚Stopp, so geht das nicht.`“

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Besonders scharf verurteilte der CSU-Politiker Aussagen von Merz über die Arbeitsmoral in Deutschland. „Aussagen, die Deutschen würden zu wenig arbeiten und zu viel krankfeiern, verletzen die Menschen. Was sagen Sie damit einer Krankenschwester, die ohnehin schon Wochenend- und Nachtschichten schiebt? Bei Audi erlebe ich Arbeitnehmer, die gerne mehr arbeiten würden, denen man aber stattdessen Aufhebungsverträge anbietet. Diese pauschale Sprache geht völlig an der Realität vorbei.“

Foto: Horst Seehofer (Archiv) / Bild: via dts Nachrichtenagentur

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