Berlin – Die meisten Transaktionsgeschäfte im weltweiten Handel werden digital getätigt. Schwere Koffer voller Banknoten haben längst ausgedient. Unterschiede zwischen den wichtigsten Volkswirtschaften der Erde gibt es dennoch: So setzen einige von ihnen immer noch stärker auf Bargeld als andere. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Finanzdienstleisters Vexcash (www.vexcash.com). Dafür wurde der Wert des umlaufenden Bargelds von 20 Währungen ermittelt und in Bezug zum BIP der Währungsregionen gesetzt. Die Euro-Zone hat demnach vergleichsweise viel Bargeld im Umlauf.

Rechenbeispiel am Euro:

Der Gesamtwert aller Euro-Banknoten liegt bei rund 1,11 Billionen Euro. Der Euro-Raum hat ein BIP von 10,73 Billionen Euro. Der Anteil des Bargeldes an der Wirtschaftsleistung entspricht somit 10,34 Prozent.

Schnelle Fakten:

  • Der Euro führt 10,34 Prozent seines BIPs in Bargeld. Bei dem US-Dollar sind es 8,37 Prozent.
  • Die Schwedische Krone misst mit einer Quote von 1,24 Prozent den geringsten Wert der Untersuchung.
  • Südafrikas Wirtschaft setzt mit dem Rand und einem Anteil am BIP von knapp 30 Prozent am stärksten auf Bargeld.
  • Im Durchschnitt liegt der Bargeldanteil am BIP bei 8,65 Prozent.

Skandinavische Länder Vorreiter für bargeldlose Volkswirtschaften, Indien überrascht

In der Debatte um das Ende des Bargeldes nehmen vor allem die skandinavischen Volkswirtschaften eine Vorbildfunktion ein. Die Ergebnisse der Untersuchung bestätigen dies. Schweden und seine Krone setzen am stärksten auf digitale Transaktionen. So liegt der Bargeldanteil der schwedischen Krone gemessen am BIP bei 1,24 Prozent. Die norwegische Krone reiht sich mit einem Anteil von 1,38 Prozent dicht dahinter. Den dritt niedrigsten Wert der Untersuchung misst ist die indische Rupie. Mit einem Gegenwert von ca. 32 Milliarden Euro entspricht das Bargeld Indiens nur 1,71 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, welches mit rund 1,9 Billionen Euro zu Buche schlägt. Zurückzuführen ist dieser niedrige Wert allerdings auf die Währungsreform Indiens Ende 2016.

Südafrika setzt auf sein Bargeld

Die Währungsmitglieder des südafrikanischen Rand (Südafrika, Lesotho und Namibia) führen 29,16 Prozent ihrer gesamtwirtschaftlichen Leistung in Form von Bargeld – Höchstwert der Untersuchung. Auch Japan und sein Yen setzen noch auf die haptischen Zahlungsmittel und führen mit rund 858 Milliarden Euro in Bargeld knapp 22 Prozent ihres BIPs in Scheinen. Mit etwas Abstand belegt der Hongkong-Dollar mit einem Anteil rund 17 Prozent den dritt stärksten Platz.

Gedankenspiel: Der digitale Fallout – Wenn nur noch das Bargeld bleibt

Digitale Übergriffe wie Wannacry und Petya führen immer wieder vor Augen, in welche Abhängigkeit sich Gesellschaft und Wirtschaft im digitalen Raum begeben. Vexcash hat berechnet, wie viel Tage die Volkswirtschaften in einem Worst-Case-Sze­na­rio ihre Wirtschaftsleistung nur mit Bargeld erhalten können – mit interessanten Ergebnissen:

Der südafrikanische Rand könnte ganze 106 Tage die Wirtschaftsleistung seines Währungsgebietes kompensieren – vorausgesetzt jeder Schein wird nach dem Bezahlen dem Wirtschaftskreislauf entzogen. Der japanische Yen reichte in dem Gedankenspiel 80 Tage lang. Deutlich schlechter stünde es dabei schon um den Euro und den US-Dollar, die nur 38 bzw. 31 Tage ihre Volkswirtschaften am Leben erhalten könnten. Die Skandinavier um Schweden und Norwegen stünden sogar bereits nach nur 5 Tagen vor dem Aus.

Quelle: Vexcash AG

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Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou ist Mitglied in der MiNa-Redaktion und schreibt über Wirtschaftsverbände, Macher im Mittelstand, Produkte + Dienstleistungen, Digitale Wirtschaft und Familienunternehmer.
Mail: redaktion@mittelstand-nachrichten.de

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