Brühl. Renaults Billigtochter Dacia gehört zu den Stars in der Autoszene, war unter den strahlenden Gewinnern der Abwrackprämie und muss inzwischen sogar als Hoffnungsträger für die wirtschaftlich schwächelnde Mutter Renault herhalten. Weniger glanzvoll fällt aber die Rolle des Dacia Logan im TÜV Report 2010 aus. Hier schlägt sich der radikal niedrige Preis in einer für ein junges Fahrzeug hohen Mängelquote nieder: In fünf von sieben bewerteten Mängelgruppen schneidet der Dacia Logan schlechter ab als der Durchschnitt der zwei bis drei Jahre alten Fahrzeuge. Das beschert ihm Platz 115 von 125 bewerteten Fahrzeugen.

Offizieller Verkaufsstart war in Deutschland 2005. Bislang wurden hierzulande mehr als 75 000 Logan verkauft. Weltweit waren es 1,5 Millionen. Die beliebteste Variante auf dem deutschen Markt war der Logan MCV (Kombi) in der Version Ambiance.

Antiquiertes Design, mäßige Verarbeitung und eine aus alten Renault-Modellen zusammengestöpselte Technik: Als Renault vor fünf Jahren mit diesen Zutaten die rumänische Marke Dacia reanimierte, um diese als Billigmodell in den Markt zu schicken, herrschte unter Branchenkennern hohe Skepsis, ob die Rechnung der Franzosen aufgehen könne. Fünf Jahre später schaut die Autowelt anders aus.

Mit dem Schritt, Dacia als Billigmarke zu platzieren, hat Renault einen Trend gesetzt. Inzwischen versuchen alle großen Hersteller mit Billigmarken bei jenen Autofahrern zu punkten, die beim Autokauf hauptsächlich auf den Preis schauen oder schauen müssen. Renault schickt sich unterdessen an, um den Dacia herum eine Modellfamilie aufzubauen, die sehr gut vom Markt aufgenommen wird, die Kombi-Variante des Dacia Logan.

Die bisherige Bewertung bezüglich der Qualität fällt zwiespältig aus. In einschlägigen Web-Foren zeigen sich Dacia-Fahrer in hohem Maß zufrieden. In dieser Zufriedenheit spiegelt sich wohl ein ausgeprägter Realitätssinn der Besitzer wider. Angesichts der extrem günstigen Preisgestaltung des Dacia Logan (die Basisversion startet bei 7200 Euro) erwarten die Käufer in Sachen Verarbeitungsqualität offensichtlich keine Wunderdinge. Der Dacia fährt ganz ordentlich, und auch in verschiedenen Tests wird dem Fahrzeug durchaus Robustheit bescheinigt.

Diesen positiven Bewertungen stehen allerdings die Fakten der Hauptuntersuchungen entgegen, die für den TÜV-Report 2010 ausgewertet wurden. «Sowohl bei der Lenkung, der Beleuchtung wie bei der Auspuffanlage schneidet der Dacia Logan teils deutlich schlechter ab als der Durchschnitt der zwei- bis dreijährigen Fahrzeuge», kritisiert TÜV-Süd-Autoexperte Hans-Werner Wormer.

Bei dieser Bewertung muss man allerdings berücksichtigen, dass Neufahrzeuge generell in den vergangenen Jahren besser geworden sind, Qualitätsausreißer sich mithin heftiger in der Statistik niederschlagen. So beträgt die Mängelquote im Kapitel Lenkung bei den Dreijährigen durchschnittlich 0,6 Prozent. Dacia macht hier mit 2,1 Prozent aller untersuchten Fahrzeuge auf sich aufmerksam. Statistisch betrachtet, heißt das «überdurchschnittlicher Verschleiß» an der Vorderachse. Zum Thema Beleuchtungsmängel sollte man wissen, dass bei einem Dacia immer wieder die vorderen Glühlampen ihren Dienst quittieren. Warum auch immer. Ein bisschen Kummer bereitet Dacia-Besitzern ab und an auch die Fußbremse. Solide stehen Dacia in den Kapiteln Motor, Antrieb und Ölverlust.

Keine Wunderdinge kann man beim Dacia Logan in den Kapiteln Verbrauch, Umwelt und Sicherheitsausstattung erwarten. Da sich Renault hier fast durchgängig bei älteren Modellen bedient, sind die Dacia-Modelle nicht auf dem neuesten Stand. So ist beispielsweise ESP bis heute nicht erhältlich. Auch lassen die Kampfpreise des Modells keinen Platz für variable Raumlösungen zu, beispielsweise beim Kofferraum. Das ist allerdings auch nicht nötig, weil es dem Logan an Platz eh nicht mangelt.

Angesichts der günstigen Neuwagenpreise rät der TÜV Süd zur Vorsicht bei Gebrauchtkäufen. Zum einen werden selbst Fahrzeuge mit Laufleistungen über 100 000 Kilometer zu – im Vergleich zum Neupreis – relativ hohen Preisen gehandelt, zum anderen kommt der Großteil der am Markt angebotenen Fahrzeuge aus Rumänien, Polen oder Litauen, und deshalb ist insbesondere bei solchen Offerten ein penibel geführtes Serviceheft ein Muss.

ddp.djn/nom/hoe

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