Unternehmerwissen

Wegzugssteuer bei der Firmengründung im Ausland: Was Mittelständler vor dem Wegzug wissen müssen

Ein Unternehmer gründet eine Gesellschaft im Ausland und geht davon aus, damit sei die deutsche Steuerfrage erledigt. In der Praxis entscheidet häufig eine andere Weichenstellung: der private Wohnsitz, die Beteiligungsstruktur und der Zeitpunkt des Wegzugs. Wer Anteile an Kapitalgesellschaften hält und Deutschland verlässt, kann von der sogenannten Wegzugsbesteuerung nach § 6 Außensteuergesetz (AStG) betroffen sein – mit einer Steuerforderung, die entsteht, ohne dass auch nur ein Euro Verkaufserlös geflossen ist. Für mittelständische Gesellschafter lohnt daher ein genauer Blick auf die Voraussetzungen, bevor Koffer gepackt werden.

Auslandsgründung und persönlicher Wegzug sind zwei verschiedene Fragen

Das verbreitetste Missverständnis betrifft den Auslöser: Nicht die Gründung einer Gesellschaft im Ausland löst die Wegzugsbesteuerung aus. § 6 AStG knüpft an die Person des Gesellschafters an – genauer an die Beendigung der unbeschränkten Steuerpflicht in Deutschland, etwa durch die Aufgabe des Wohnsitzes, oder an eine sonstige Einschränkung des deutschen Besteuerungsrechts an den Anteilen.

Wer also eine Auslandsgesellschaft gründet, aber weiterhin in Deutschland wohnt und hier unbeschränkt steuerpflichtig bleibt, gerät durch die Gründung allein nicht in die Wegzugsbesteuerung. Umgekehrt kann ein Wegzug steuerliche Folgen haben, auch wenn die betroffene Beteiligung an einer durchaus deutschen GmbH besteht. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus persönlichem Wohnsitzwechsel, Beteiligungshöhe und der bisherigen Dauer der Steuerpflicht. Auch eine unentgeltliche Übertragung an eine im Ausland lebende Person kann den Tatbestand auslösen.

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Wann § 6 AStG für Gesellschafter relevant wird

Zwei Schwellen müssen zusammenkommen, damit die Wegzugsbesteuerung ins Blickfeld rückt. Erstens muss der Gesellschafter zu irgendeinem Zeitpunkt innerhalb der letzten fünf Jahre vor dem Wegzug zu mindestens einem Prozent an einer Kapitalgesellschaft beteiligt gewesen sein – bemessen nach den Regeln des § 17 Einkommensteuergesetz. Dabei zählen unmittelbare und mittelbare Beteiligungen, was insbesondere bei Holding-Strukturen eine sorgfältige Prüfung der gesamten Eigentumskette erfordert.

Zweitens muss die Person innerhalb der letzten zwölf Jahre vor dem Wegzug mindestens sieben Jahre in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig gewesen sein. Beide Voraussetzungen ergeben sich unmittelbar aus dem im Internet veröffentlichten § 6 AStG. Eine Befassung mit dem Gesetzestext lohnt sich frühzeitig, denn die Fristen lassen sich im Nachhinein nicht mehr rückwirkend heilen. Wer die einzelnen Merkmale im Detail nachvollziehen möchte, findet eine übersichtliche Darstellung der Tatbestandsvoraussetzungen der Wegzugsbesteuerung als ergänzende Lektüre zum Gesetzestext.

Weil die Kombination aus Beteiligungsquote, Fristen und Bewertungsfragen im Einzelfall schnell komplex wird, setzen viele Unternehmer auf eine frühzeitige strukturelle Prüfung. Anbieter wie Goodbye Taxes haben sich auf genau diese Schnittstelle spezialisiert; der Ratgeber des Unternehmens zur Wegzugssteuer bei der Firmengründung im Ausland ordnet die wichtigsten Schwellen und Planungsschritte ein. Eine solche Prüfung ersetzt keine individuelle steuerliche Beratung, hilft aber, die richtigen Fragen vor dem Wegzug zu stellen.

Ein fiktiver Verkauf ohne Geld auf dem Konto

Die Rechtsfolge des § 6 AStG ist für viele Betroffene überraschend: Das Finanzamt behandelt die Anteile so, als wären sie zum Zeitpunkt des Wegzugs verkauft worden. Besteuert wird ein fiktiver Veräußerungsgewinn – die Differenz zwischen dem gemeinen Wert der Anteile zum Wegzugszeitpunkt und den Anschaffungskosten. Über das Teileinkünfteverfahren wird dieser Gewinn mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zuzüglich Solidaritätszuschlag erfasst.

Das eigentliche Problem liegt in der Liquidität: Es fließt kein Verkaufserlös, mit dem die Steuer bezahlt werden könnte. Gerade bei gewachsenen mittelständischen Unternehmen, deren Wert über Jahre gestiegen ist, können so erhebliche Forderungen auf einen Buchgewinn entstehen. Hinzu kommt, dass die Bewertung der Anteile häufig zum Streitpunkt wird, weil der gemeine Wert einer nicht börsennotierten Gesellschaft regelmäßig geschätzt werden muss. Umso wichtiger ist es, Unternehmensbewertung und Finanzierung einer möglichen Steuerlast vor dem Wegzug zu klären – und nicht erst, wenn der Steuerbescheid im neuen Heimatland eintrifft.

Ratenzahlung und Rückkehrregelung sind nicht dasselbe

In der öffentlichen Diskussion werden zwei Instrumente häufig vermischt, die sauber getrennt werden müssen.

Bei der Ratenzahlung handelt es sich um eine Zahlungsmodalität: Auf Antrag kann die festgesetzte Steuer in sieben gleichen Jahresraten entrichtet werden, in der Regel nur gegen Sicherheitsleistung. Grundsätzlich gilt die Ratenzahlung unabhängig vom Zielland; für bestimmte europäische Wegzüge können zusätzliche europarechtliche Stundungsfragen zu prüfen sein. Die Ratenzahlung setzt keine Rückkehr voraus. Sie ändert nichts an der Höhe der Steuer, verteilt aber die Belastung über mehrere Jahre.

Die Rückkehrregelung betrifft dagegen den Bestand des Anspruchs selbst: Kehrt der Wegziehende innerhalb von sieben Jahren tatsächlich nach Deutschland zurück und wird hier wieder unbeschränkt steuerpflichtig, kann der Steueranspruch entfallen – auf Antrag ist eine Verlängerung dieser Frist auf bis zu zwölf Jahre möglich. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Anteile zwischenzeitlich nicht veräußert wurden und keine wesentlichen Gewinnausschüttungen erfolgten. Wer einen befristeten Auslandsaufenthalt plant, sollte diese Bedingungen vor der Abreise dokumentieren; eine nachträgliche Reparatur ist kaum möglich.

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Was Mittelständler vor dem Wegzug klären sollten

Die wichtigsten Fragen lassen sich in einer festen Reihenfolge prüfen, die sich im Beratungsalltag bewährt hat:

  • Beteiligungs- und Eigentumskette: Welche unmittelbaren und mittelbaren Beteiligungen bestehen, auch über Holding-Gesellschaften?
  • Dauer der Steuerpflicht: Waren es mindestens sieben Jahre unbeschränkte Steuerpflicht innerhalb der letzten zwölf Jahre?
  • Bewertung und Anschaffungskosten: Welcher gemeine Wert liegt den Anteilen zugrunde, und welche historischen Anschaffungskosten sind dokumentiert?
  • Zeitpunkt und Wohnsitz: Wann genau endet die unbeschränkte Steuerpflicht, und wie ist die Wohnsitzsituation im Zielland ausgestaltet?
  • Zahlungsweg und Sicherheiten: Ist die Steuer aus laufenden Mitteln finanzierbar, oder kommt die Ratenzahlung samt Sicherheitsleistung in Betracht?
  • Rückkehrszenario: Ist ein befristeter Aufenthalt realistisch, und können die Bedingungen der Rückkehrregelung eingehalten werden?
  • Anzeigepflichten und Zielland: Welche Mitwirkungspflichten gegenüber dem Finanzamt bestehen, und welche steuerlichen Regeln greifen im Zielland?

Diese Reihenfolge hat ihren Grund: Sie verhindert, dass eine nachträgliche Strukturentscheidung – etwa die Zwischenschaltung einer Holding nach dem Wegzug – fälschlich als automatische Korrektur eines bereits verwirklichten Tatbestands missverstanden wird. Was einmal ausgelöst ist, lässt sich durch spätere Umstrukturierungen in der Regel nicht mehr ungeschehen machen. Deshalb zählt bei jeder Planung vor allem der zeitliche Vorlauf: Je früher Beteiligungsstrukturen, Bewertungen und Wohnsitzfragen auf den Prüfstand kommen, desto mehr Gestaltungsoptionen bleiben realistisch verfügbar.

Internationale Strukturierung bleibt Einzelfallarbeit

Die Wegzugsbesteuerung zeigt exemplarisch, warum Wohnsitz, Gesellschaftsstruktur, Unternehmensbewertung und Zielland nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Pauschale Versprechen – etwa die Behauptung, eine bestimmte Auslandsgründung mache die deutsche Steuerfrage automatisch hinfällig – halten der Realität des § 6 AStG nicht stand. Ebenso wenig hilft es, den Wegzug kurzfristig zu verschieben, ohne die zugrunde liegenden Tatbestandsmerkmale zu prüfen.

Als Ansprechpartner für solche grenzüberschreitenden Fragen hat sich Goodbye Taxes mit Vivien Saint-Clair, LL.M. International Taxation, positioniert. Der Fokus liegt auf der strukturierten Prüfung von Steuer-, Holding- und Wohnsitzfragen im internationalen Kontext. Für mittelständische Unternehmer bleibt die zentrale Erkenntnis nüchtern: Wer frühzeitig prüft, ob Beteiligung, Fristen und persönliche Pläne den Tatbestand erfüllen, verhandelt über Zahlungswege und Rückkehrbedingungen aus einer Position der Kenntnis – und nicht erst, wenn der Bescheid da ist.

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