Köln/London – Das Recht zum Austritt aus der EU steht jedem Mitgliedstaat zu. Als erste Nation hat Großbritannien gestern in einem Referendum entschieden, sich aus der Gemeinschaft zu lösen. Aktuell sind mehr als 90 Prozent der Wahlkreise ausgezählt. Sowohl die BBC als auch ITV und Sky News erklären am frühen Morgen die EU-Gegner mit mehr als 51 Prozent der Stimmen zum Sieger des Referendums. Das knappe mehrheitliche “Ja” der 46,5 Millionen wahlberechtigten Briten hat nicht nur politische Konsequenzen. Viele Unternehmen arbeiten länderübergreifend und stehen jetzt vor großen Herausforderungen. So auch in diesem Fall: Die inhabergeführte Digital Agentur Zone hat ihre Standorte in London, Bristol, Denver und Köln. Gegründet 2000 unterstützt die in vielen Märkten führende Agentur mit mehr als 200 Mitarbeitern bekannte Marken bei ihrem erfolgreichen Auftritt in der digitalen Welt, darunter Weltmarktführer wie Coca Cola, Maersk oder Pernod Ricard. Agenturgründer James Freedman muss sich mit seiner Mannschaft nun auf neue Rahmenbedingungen einstellen: „Wir bedauern das Ergebnis. Die Wut und Enttäuschung der Bürger hat über die Vernunft und wirtschaftliche Interessen gesiegt.“ Er prognostiziert: „Im internationalen Wettbewerb ist es entscheidend, dass Europa geschlossen und ohne Grenzen auftritt, um sich gegenüber anderen Märkten und Freihandelszonen zu behaupten. Hier wirft uns der Brexit leider stark zurück. Wir hoffen, dass die nun zu erarbeitenden Freihandelsabkommen und Verträge so gestaltet sind, dass UK nicht den Anschluss an den internationalen IT-Markt verliert.“

Quelle: Rossner Relations

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Agentur und Auftraggebern bleibt allerdings noch Zeit, sich auf mögliche Veränderungen einzustellen. Denn nach dem Sieg der Brexit-Befürworter muss das Vereinigte Königreich die EU zunächst über seinen Austrittswunsch offiziell informieren. Anschließend sind die EU und die Briten nach dem EU-Vertrag verpflichtet, über die Einzelheiten des Austritts und das zukünftige Verhältnis zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich Verhandlungen aufzunehmen. „Zölle, Auflagen, Steuern. Es ist noch vieles im Unklaren. Wir müssen abwarten, welche Veränderungen überhaupt auf uns zu kommen“, betont Freedman.

Der CEO von Zone in Deutschland, Felix Holzapfel, ist ebenfalls zwiegespalten: „Der EU- Austritt sorgt gesamtwirtschaftlich für viel Unruhe. Die Weltwirtschaft wird die weiteren Auswirkungen deutlich zu spüren bekommen. Schade, dass uns das nicht erspart geblieben ist. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Welt gerade digital immer näher zusammenrückt.

Der digitalen Welt ist der Brexit nämlich im Prinzip egal“. Für ihn ist entscheidend, dass Strategie, Technologie und Content aus einer Hand gesteuert werden und international skalierbar sind: „Nur so können sich Marken und Unternehmen in Zukunft behaupten“, bekräftigt Holzapfel. „Denn Konsumenten denken nicht in politischen Räumen. Ländergrenzen haben im Netz und bei der digitalen Kommunikation fast keine Bedeutung mehr.“

Holzapfel appelliert deshalb an die Politik: „Nun ist definitiv ein schnelles und konsequentes Handeln innerhalb der EU gefragt, damit das Beispiel Brexit keine Schule macht.“ Freedman ergänzt: „Wir hoffen, dass moderate Übergangsregelungen getroffen werden und auch langfristig eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den EU-Ländern möglich ist.“

Quelle: Rossner Relations

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Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou ist Mitglied in der MiNa-Redaktion und schreibt über Wirtschaftsverbände, Macher im Mittelstand, Produkte + Dienstleistungen, Digitale Wirtschaft und Familienunternehmer.
Mail: redaktion@mittelstand-nachrichten.de
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