Jung, motiviert, überlastet: Immer mehr Gründer und Unternehmer leiden unter hohem Druck

Beruflicher Stress gilt laut WHO als eine der größten Gefahren des 21. Jahrhunderts. Besonders gefährdet sind Unternehmer. Ein eigenes Unternehmen zu gründen und zu leiten, kostet Kraft und Zeit. Wie gelingt Unternehmenswachstum, ohne den Unternehmer krank zu machen? Welche Warnsignale weisen auf eine drohende Erschöpfung hin? Wie kann eine Therapie helfen? Die Oberbergkliniken liefern Antworten.

Am Anfang steht die Geschäftsidee. Dann kommen die Suche nach Investoren, das Finden geeigneter Räume, die Auswahl von Mitarbeitern und das Festlegen möglicher Vertriebswege hinzu. Kurz: Die Arbeit eines Unternehmensgründers hört nie auf. Eine Zeit lang mag das gut funktionieren. Wer jung und motiviert ist und ein Ziel hat, das er unbedingt erreichen möchte, hält es aus, für einen bestimmten Zeitraum die Grenzen seiner körperlichen Belastbarkeit zu überschreiten.

Balance zwischen Arbeit und Privatleben

Gesundheitliche Probleme treten spätestens dann auf, wenn das Leben zu sehr unter Einseitigkeit leidet, die Balance zwischen der Arbeit und dem Privatleben nicht mehr gegeben ist. Erste Warnsignale kommen meist aus dem privaten Umfeld. Wer nur noch für die Arbeit da ist, Freunde und Familie komplett vergisst und seine Familie oder Partnerschaft vernachlässigt, setzt sich der Gefahr aus, an Burn-out oder Erschöpfung zu erkranken.
Wichtig ist, für Phasen im Leben zu sorgen, in denen der persönliche Akku immer wieder aufgeladen werden kann.

Zur Zielerreichung braucht es Pausen

Dr. med. Bastian Willenborg, Chefarzt der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg und Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, erläutert: “Menschen, die ein neues Unternehmen gründen, haben immer etwas zu tun. Wichtig ist es zu begreifen, dass nicht immer alles sofort getan werden kann. Man muss Phasen einbauen, in denen etwas ganz Anderes gemacht wird, um die Energie, aber auch die Kreativi

tät zu behalten.“

Ohne diese Phasen kann es zu Problemen kommen. Und die Betroffenen brauchen Hilfe. Nicht immer braucht es ein vollausgebildetes Krankheitsbild, um ärztliche Hilfe zu suchen. Erste Erschöpfungszustände sind ein wichtiges Warnsignal.

Warnsignale richtig erkennen

Um die Symptome deuten zu lassen, empfiehlt sich der Weg zum Hausarzt. Bei einer körperlichen Untersuchung wird diagnostiziert, ob andere Erkrankungen für Schlappheit, Konzentrationsstörungen oder Schlafstörungen verantwortlich sind. Nach der Diagnose führt der Weg vieler Selbstständiger und Unternehmensgründer in die Oberbergkliniken. Insbesondere der Standort Berlin/Brandenburg, in dessen Umgebung viele Start-ups beheimatet sind, ist immer mehr eine Anlaufstelle für Betroffene.

Vom Burn-out zur Sucht

„Unsere Klinik liegt in der Nähe von Berlin. Und dort sehen wir vermehrt junge Gründer, die vielleicht noch nicht mit dem Vollbild einer psychischen Erkrankung zu uns kommen, aber sich beraten lassen“, so Dr. Willenborg. Einige merken den Rückgang ihrer Leistungsfähigkeit und wollen das körperlich einmal abchecken lassen. Andere werden auch von ihren Partnerinnen und Partnern geschickt. „Es gibt dann nicht wenige Patienten, die auch leistungssteigernde Substanzen nutzen, um ihren Anforderungen gerecht zu werden. Diesen Übergang zu einer Suchterkrankung in Folge von einem Burn-out erleben wir vermehrt“, so der Mediziner.

Es kann jeden treffen

Für viele Patienten kommt die Burn-out-Diagnose völlig überraschend, weil diese Form der Erkrankung nicht mit ihrem Selbstbild übereinstimmt. Aber leistungsorientierte und leistungsstarke Menschen sind dagegen genauso wenig gefeit wie gegen Depressionen oder Angsterkrankungen. In der Oberbergklinik sind diese Krankheitsbilder nicht selten.

Was eine Therapie leisten kann

Im Rahmen einer Therapie wird besprochen, ob die von den Patienten sich selbst gesteckten Ziele überhaupt erreichbar und sinnvoll gewesen sind. Wer sich beispielsweise den Verdienst einer Million Euro innerhalb eines bestimmten Zeitraums vorgenommen hat, muss sich die Frage stellen, welches Risiko er dafür zu tragen bereit ist. „Fragen wir, ob es nicht auch eine andere Summe zu einem anderen Zeitpunkt tut, sehen die meisten das ein“, erläutert Dr. Willenborg einen möglichen Ansatz. „Wenn die Betroffenen begreifen, dass es nicht nur um die Arbeit geht, sondern auch um Freundschaften, Familie, die Teilnahme an Kultur, an Natur und all die anderen wichtigen Dinge, die es im Leben gibt, ist viel erreicht.“

Quelle: Oberbergkliniken

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Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou ist Mitglied in der MiNa-Redaktion und schreibt über Wirtschaftsverbände, Macher im Mittelstand, Produkte + Dienstleistungen, Digitale Wirtschaft und Familienunternehmer.
Mail: redaktion@mittelstand-nachrichten.de

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