München. SAP-Vorstandssprecher Jim Hagemann Snabe hat den US-Konkurrenten Oracle für dessen strategische Entscheidungen kritisiert. “Oracle rennt technologisch in die völlig falsche Richtung”, sagte Snabe dem “Focus” (Montagausgabe) laut Vorabbericht. Hintergrund ist die Akquisition des Hard- und Softwareherstellers Sun Microsystems durch Oracle. Oracle versuche, alles zu integrieren. “Das ist ein Rückschritt.”

Software-Unternehmen wie SAP oder Oracle bräuchten keine eigene Hardware, da die Rechenleistung zunehmend von Dienstleistern aus dem Internet komme. Oracle wolle andere ausschließen. SAP sei hingegen eine offene Plattform, auf deren Basis auch Menschen außerhalb von SAP Software-Lösungen entwickeln und anbinden könnten.

Derweil heizt SAP-Mitgründer Klaus Tschira nach der Berufung des im Februar bei SAP geschassten Vorstandschefs Léo Apotheker auf den Chefposten des US-IT-Konzerns Hewlett-Packard die Übernahmedebatte bei SAP an. “Da gäbe es schon denkbare Käufer”, sagte er der “Wirtschaftswoche”. Tschira hält zusammen mit seiner Stiftung fast zehn Prozent am Walldorfer DAX-Konzern. Vorstellbar sei eine Übernahme von SAP durch unterschiedliche US-Konzerne.

Als möglichen Vorteil einer Verbindung mit Microsoft nannte Tschira, dass der US-Softwareriese “Programme, die in Konkurrenz zu SAP-Software stehen, nach einem möglichen Kauf von SAP bestimmt nicht weiterführen würde”. Dies wäre “ja erst einmal nicht schlecht”. Dabei bestätigte Tschira die Übernahmegespräche, die Microsoft-Chef Steve Ballmer 2003 mit ihm und den anderen SAP-Gründern geführt hatte. Das Vorhaben war seinerzeit unter anderem wegen Kartellrechtsproblemen aufgegeben worden.

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