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Kreislaufwirtschaft als Zukunftsmodell von den Rohstoffen her gedacht

Müllvermeidung und Klimaschutz sind hehre Ziele, aber mit der derzeitigen Ausrichtung der Wirtschaft kaum erreichbar. Wenn Konsum und Rohstoffverwertung als Endziel dargestellt werden, wo der Umsatz ohne nachhaltiges Wachstum maximiert wird, bleiben wir am Ende in einer Wüste aus Müll und Profit zurück.

Die Idee der Kreislaufwirtschaft

Ursprünglich entstand das Konzept aus der Beobachtung heraus, dass unsere Wirtschaft linear funktioniert: Ressourcen werden ausgebeutet, zu Produkten umgeformt und landen am Ende auf dem Müll. Von diesem Punkt gibt es keine Rückkehr der verwendeten Materialien mehr. Leicht zu verstehen, dass dieser Prozess nicht endlos weiterlaufen kann, da Bodenschätze, Naturräume und auch menschliche Ressourcen allesamt begrenzt sind. Wenn man auch den Verbrauch an fruchtbarem Land, sauberem Wasser und unbelasteter Luft mit in die Betrachtung aufnimmt, erkennt man, dass wir nicht nur unsere Wirtschafts- sondern auch Lebensgrundlage langfristig zerstören. Jeder verantwortungsvolle Unternehmer kann heutzutage ein Lied davon singen, wie wichtig es ist, sein Arbeitskapital zu schonen, warum also nicht auch die Ressourcen?

Kreislaufwirtschaft ist die zu Ende gedachte Idee des Recyclings: Nicht nur brauchbare Ressourcen sollen wiedergewonnen werden. Am Anfang eines jeden Produktes, schon in der Konzipierung, soll das Ziel stehen, möglichst 100% der Ressourcen nach Ablauf der Lebenszeit aus der Ware wiederzugewinnen.

Zukunftsfähige Materialien

Schnell setzte sich die Erkenntnis durch, dass nicht nur das Produktdesign und die Kundenmentalität gigantischen Herausforderungen gegenüberstanden, sondern auch die Materialwissenschaften. Denn hochverarbeitete Ressourcen haben nach Ablauf ihrer Haltbarkeit das Problem, dass sie nicht ohne weiteres wieder zurückgewonnen werden können. Der Aufwand an Energie und Zeit, um den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen, ist z.B. bei vielen Kunststoffen riesig, gerade wenn in einem einzelnen Gegenstand mehrere Komponenten aus unterschiedlichem Material bestehen, das miteinander verbunden, verwoben oder sogar vermischt wird. Besonders mittelständige Unternehmen stehen hier vor gewaltigen Herausforderungen: Die Kapitaldecke ist dünn und die Produktionslinien nur schwer umzustellen, ohne mit Aufträgen ins Hintertreffen zu geraten.

Natürlich gibt es auch prinzipielle Grenzen des Konzeptes Kreislaufwirtschaft, die durch Energieerhaltung und Entropie schon rein physikalisch nur ein Ideal ist, dem man nachstreben kann, ohne es jemals vollständig zu erreichen.

Am einfachsten kann man entsprechende Systeme in der Nahrungserzeugung einsetzen, wo simple Kreislaufmechanismen z.B. in der Kompost- und Güllewirtschaft etabliert sind. Moderne Werkstoffe und komplexe technische Produkte mit langer Lebenszeit und optimierter Leistung sind dagegen weitaus problematischer. Gerade der Technologiestandort Deutschland hat hier noch sehr viel Potential.

Herkömmliche Kunststoffe als Erdölprodukte lassen sich zum Beispiel durch Bioplastik, aufbereitetes Altmaterial oder rein biosynthetische Stoffe ersetzen, um den ökologischen Fußabdruck der Werkstoffe zu minimieren. Immer mehr Betriebe setzen auf das Erschließen erneuerbarer Energien, um sich einerseits unabhängig und andererseits auch zukunftsfähig zu machen. Hier kommt es sogar zu Synergieeffekten, wenn z. B. verrottbare Komponenten als Biomasse in entsprechenden Kraftwerken verwertet werden können oder wenn als Nebenprodukt von Faulgasanlagen Schlämme entstehen, aus denen wertvoller Dünger gewonnen wird. Der Mittelstand steht vor der Herausforderung, kooperative Projekte anzuschieben, bei denen Energieerzeuger, Zulieferer, Endmontage und Abfallverwerter an einem Strang ziehen. Förderprojekte der Politik wären hier enorm hilfreich.

Kreislaufwirtschaftsgesetz vs. Selbstverpflichtung der Industrie

Die Bundesregierung hat mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz schon Anreize und Steuerimpulse gesetzt, um vor allem zu Müllvermeidung, Recycling und Energieeffizienz aufzurufen. Ergänzt durch weitere Rahmengesetze dient es dazu, Industrie und Bevölkerung zu zwingen, Schritte in Richtung ressourcenschonenden Handelns zu gehen. Eine nachhaltig und auf langfristiges Wachstum ausgerichtete Industrie muss erkennen, dass durch Verebben von Ressourcen nicht nur Kostenfaktoren entstehen, sondern das Überleben ganzer Produktionszweige auf der Kippe steht.

Aus diesem Grund ist Innovation der entscheidende Faktor, um aus linearen Produktionsgewohnheiten auszubrechen und vorbildhaft in die Zukunft zu wirken. Ein Unternehmen, das sich entschieden hat, die Verpflichtung einzugehen, sich vollständig auf Kreislaufwirtschaft auszurichten, ist der Werkstoffhersteller Covestro. Ein entsprechendes Programm wurde 2019 aufgelegt und stellt dem Unternehmen überprüfbare Ziele, die es mit Hinblick auf ressourcenschonendes Agieren erfüllen muss.

Fazit

Mit modernen Werkstoffen ist es möglich, Konzepte zu erarbeiten, die Kreislaufwirtschaft als Designelement in der Unternehmensstruktur etablieren. Aus diesem Grund sollten sich noch weitere Mittelständler in dieser Richtung orientieren, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben.

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