Berlin. Im Zugverkehr ist es am Mittwochmorgen in großen Teilen Ostdeutschlands wegen eines Streiks der Lokführer des privaten Bahnbetreibers ODEG zu Verspätungen gekommen. Insgesamt hätten sich an dem von 3.00 bis 10.00 Uhr befristeten Ausstand rund 40 Beschäftigte der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (ODEG) beteiligt, sagte Frank Nachtigall, Vorsitzender des Bezirks Berlin-Sachsen-Brandenburg der Lokführergewerkschaft GDL. Betroffen war der Nahverkehr in Teilen Berlins, Brandenburgs und Sachsens.

Grund für den Streik ist nach Gewerkschaftsangaben die Weigerung der Arbeitgeber, die Tarifgespräche für die rund 100 Lokführer fortzusetzen. Beim vergangenen Treffen habe die Arbeitgebervereinigung Öffentlicher Nahverkehr (AVN) die Verhandlungen abgebrochen, da die ODEG für die Forderungen keinen Spielraum gesehen habe, sagte Nachtigall. Die Gewerkschaft fordert die ODEG auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und keine «Scheinangebote» mehr vorzulegen. Zugleich kündigte die GDL künftig auch «längere Streiks mit größerer Dichte» an.

Die Geschäftsführung der ODEG reagierte mit Unverständnis auf den erneuten Streik. Die GDL mache ihre Verhandlungsbereitschaft von Vorabzusagen des Arbeitgebers abhängig und stelle überhöhte Forderungen, die Lohnsteigerungen von bis zu 40 Prozent beinhalten. Dies übersteige die finanziellen Möglichkeiten der ODEG deutlich und gefährde den zukünftigen Wettbewerb bei der Vergabe von Schienenpersonennahverkehrsleistungen.

Nach GDL-Angaben liegen die Löhne der ODEG-Beschäftigten rund 30 Prozent unter dem Niveau bei der Deutschen Bahn. Das bedeute jährlich rund 10 500 Euro weniger. Die GDL fordert einen Fahrpersonaltarifvertrag auf dem Tarifniveau, das bereits 90 Prozent des Fahrpersonals in Deutschland erhält.

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