Düsseldorf . Rückschläge bei der Erneuerung des Kraftwerksparks nähren bei der Deutschen Energie-Agentur (Dena) Sorgen vor einer Stromlücke. Dena-Geschäftsführer Stephan Kohler sagte dem Düsseldorfer «Handelsblatt» (Montagausgabe) laut Vorabbericht: «Die Lage stellt sich deutlich schlimmer dar als noch vor einigen Monaten.» Im Dezember waren in Deutschland drei Kohlekraftwerksprojekte abgesagt worden.

Die Dena hatte im Frühjahr 2008 gewarnt, in Deutschland würden 2020 voraussichtlich 15 konventionelle Großkraftwerke fehlen. «Seitdem hat sich viel getan«, sagte Kohler. »Die Gefahr, dass es zu einer Stromlücke kommt, wächst.» Die Agentur gehört zur Hälfte dem Bund, zur anderen Hälfte der staatlichen KfW, der Allianz, der Deutschen Bank und der DZ Bank.

Kohler warnte davor, bei der Stromversorgung zu sehr auf den europäischen Verbund zu setzen. «Darauf ist kein Verlass. Die Versorgungssicherheit muss zu einem hohen Prozentsatz im eigenen Land gewährleistet werden», sagte der Dena-Chef.

Kohler mahnte zudem eine rasche Entscheidung zu den Kernkraftwerkslaufzeiten an. Die Politik dürfe diese Frage nicht erst im Zusammenhang mit ihrem energiepolitischen Gesamtkonzept beantworten, das im Sommer vorliegen soll. «Das muss innerhalb der nächsten Wochen geklärt werden», forderte Kohler.

Laut dem von der rot-grünen Bundesregierung im Jahr 2000 mit der Energiewirtschaft erzielten Atomkompromiss sollen die letzten Kernkraftwerke in Deutschland bis 2021 abgeschaltet werden. Union und FDP haben sich in ihrem Koalitionsvertrag bereiterklärt, die Laufzeiten zu verlängern.

ddp/roy

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