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Eldorado für Wirtschaftsspione – Vor allem Russen und Chinesen spähen deutsche Spitzentechnologie aus

Bonn. Die deutsche Spitzentechnologie lockt sie an wie das Licht die Motten: Die Bundesrepublik ist zum Eldorado besonders für russische und chinesische Wirtschaftsspione geworden. «Deutschland liegt im Fokus dieser Spione», berichtete der Leiter der Abteilung «Spionageabwehr» des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), Burkhard Even, auf einem Sicherheitsforum in Bonn. Studien beziffern den Schaden durch Wirtschaftsspionage von ausländischen Geheimdiensten und Konkurrenzausspähung in Deutschland jährlich auf rund 50 Milliarden Euro.

In Deutschland leben nach Angaben von Even schätzungsweise 80 000 Chinesen. Viele von ihnen würden «gezielt» für die Spionage eingesetzt. Zunehmend kauft sich China auch in deutsche Unternehmen ein oder übernimmt diese ganz, um in den Besitz fortschrittlicher Technik und des Marketingnetzes zu gelangen. Risiken gingen von eingeschleusten Praktikanten, Wirtschaftsdelegationen oder Werksbesuchern aus, die heimlich in den Firmen Daten kopieren oder mit verdeckten Minikameras Fotos machen, erläuterte Even. Die Chinesen sind hauptsächlich auf dem elektronischen Sektor aktiv.

Nach ddp-Informationen spionieren in der Bundesrepublik sechs Nachrichtendienste aus dem Reich der Mitte. Im Rennen um Marktanteile sind Chinas Geheimdienste Weltmeister. Rund eine Million Agenten verfolgen das ehrgeizige Ziel, China spätestens bis 2020 wirtschaftlich wie militärisch auf das Niveau der Amerikaner zu bringen.

Nach Erkenntnissen der deutschen Geheimdienste sind von den etwa 500 Angehörigen der russischen Botschaft in Berlin mindestens 150 als Agenten tätig. Sie sind als Diplomaten oder Journalisten getarnt. Inzwischen leben nach den Hinweisen der Verfassungsschützer weit über vier Millionen zugewanderte Russen in Deutschland. Es sei nicht möglich, auch nur annähernd einen Überblick darüber zu gewinnen, wie viele Agenten Moskaus darunter sind. Auch unter den Touristen aus Russland und China, die ständig in Deutschland einreisen, werden Spione vermutet.

Die drei russischen Nachrichtendienste SWR (Auslandsaufklärung), GRU (militärischer Aufklärungsdienst) und FSB (Inlandsgeheimdienst) haben nach Darstellung von Verfassungsschützern eine nicht zu überschauende Zahl von Mitarbeitern. Nach Anweisung der Regierung in Moskau müssen sich russische Firmen vor Vertragsabschlüssen mit ausländischen Partnern mit den Diensten abstimmen. Ihnen biete sich dadurch eine gute Möglichkeit, die Kontrolle über ausländische Investoren und Geschäftspartner auszuüben.

Die russischen Geheimdienste haben von ihrer Regierung per Gesetz den Auftrag, durch Spionage im Ausland, vor allem in Deutschland, die eigene Wirtschaft mit modernstem Know-how zu versorgen. Das spare Geld bei der Entwicklung eigener Produkte, erläuterte ein Verfassungsschützer.

Die russischen und chinesischen Geheimdienste spähen auch «bevorzugt» verschuldete deutsche Betriebe aus. Als Kaufleute getarnt machen die Spione den Firmeninhabern, die in der Kreide stehen, günstige Vertrags- und Übernahmeabschlüsse schmackhaft, wenn diese oder jene Bitte um Mitteilung aus dem Hightech-Bereich erfüllt werde. Welcher Geschäftsmann erfülle angesichts drohender Insolvenz nicht «erfreut» eine solche Bitte, gab ein Geheimdienstexperte zu bedenken.

Even wies auf dem Bonner Forum darauf hin, dass besonders kleine und mittelständische Firmen in Deutschland vor den Spionageangriffen meist schlecht geschützt seien. Sie hätten nur mangelnde Schutzmaßnahmen getroffen und könnten sich kaum gegen die Attacken aus dem Internet wehren. Die kleineren Firmen würden sich oft nur auf die IT-Sicherheit beschränken. Eine der größten Schwachstellen sei darüber hinaus der Leichtsinn der Mitarbeiter.

Der Verfassungsschutz bietet den Unternehmen ständig einen «Service» zum Schutz ihrer elektronischen Einrichtungen an. «Dringend» empfehlen die Verfassungsschützer den kleinen und mittelständischen Firmen, bei Verdachtsfällen eines Spionageangriffs umgehend den Verfassungsschutz zu kontaktieren, um einen illegalen Informationsabfluss zu verhindern.

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