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Brandenburger Öko-Bauern profitieren vom steigenden Bio-Bedarf in Berlin!

Von Katharina Wiechers

Berlin. Stolz zeigt Bio-Landwirt Sascha Philipp auf die kleinen Hörner der schwarz-weißen Kühe in seinem Stall. «Weil die Tiere bei uns genug Platz haben, müssen wir ihnen nicht die Hörner abschneiden», sagt Philipp. In konventionellen Mastanlagen sei das wegen der großen Verletzungsgefahr üblich. In Pretschen im Unterspreewald betreibt der 38-Jährige einen Bauernhof nach den biologisch-dynamischen Regeln des Demeter-Verbandes. Er ist einer von über 760 Bio-Bauern in Brandenburg, die von der steigenden Nachfrage nach ökologischen Produkten in Berlin profitieren.

Seine Eltern hätten in den 1980ern zu den Ersten im Ruhrgebiet gehört, die auf Demeter-Landwirtschaft umgestiegen seien, sagt Philipp. Damals seien Bio-Produkte noch was für «Hippies und Leder-Sandalen-Träger» gewesen. Mittlerweile ist Bio seiner Ansicht nach längst «in der Gesellschaft angekommen». Während der Lebensmitteleinzelhandel stagniere, wachse die Biobranche seit Jahren an. Allein in Brandenburg gab es nach Angaben der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) im vergangenen Jahr 990 verarbeitende und erzeugende Bio-Betriebe, 89 mehr als 2008.

Vor elf Jahren verließen Philipp und seinen Eltern ihre Heimat Witten (Nordrhein-Westfalen) und kamen nach Pretschen – ein Örtchen mit 270 Einwohnern nördlich von Lübben. Heute hat er selbst Familie. Seine Frau, die er in Brandenburg kennengelernt hat, kümmert sich um die beiden Töchter und hilft auf dem Hof. Eine anthroposophische Stiftung hat ihm das Landgut verpachtet unter der Voraussetzung, dass er nach den Regeln des Philosophen und Esoterikers Rudolf Steiner produziert.

Philipp nimmt diese Bedingung offenbar ernst: Mit Christoph Willer hat er eigens einen Experten eingestellt, der sich mit der Herstellung der biologisch-dynamischen Kompost-Präparate beschäftigt. Die Hörner des Milchviehs werden nach dem Schlachten aufgehoben und mit Kuhmist gefüllt. «Im Winter grabe ich die vollen Hörner in den Acker ein«, erklärt Willer. Wenn dann die Felder mit Kuhmist gedüngt werden, mischt er den «Hornmist» in homöopathischen Mengen darunter. Den Boden «verlebendigen», heißt das im Anthroposophen-Jargon.

Vor allem die Stadtbevölkerung in Brandenburg und die Berliner seien die Abnehmer von Ökoprodukten, sagt Philipp. «Das Bewusstsein für gesunde Ernährung wächst.» Immer mehr Menschen litten unter Allergien und griffen daher auf unbehandeltes Obst und Gemüse zurück. Manche behaupteten sogar, die Milch von Kühen mit Hörnern sei verträglicher als jene von konventionell gehaltenen Tieren. Angeblich könnten auch Menschen mit Laktoseintoleranz, also einer Milchzuckerunverträglichkeit, sie unbedenklich trinken. Ihm sei vor allem eine artgerechte Haltung der Tiere wichtig, sagt er.

Gleichzeitig will Philipp auch «soziale Verantwortung für die Region übernehmen». Er versuche, alle Arbeitsplätze das ganze Jahr über zu halten, anstatt zur Ernte Saisonkräfte einzustellen. Die Traktor-Fahrer würden im Winter in der Chicorée-Treiberei eingesetzt, während die Frauen für das Putzen des Gemüses zuständig seien. «Das Selbstbewusstsein der Brandenburger Landbevölkerung ist oft stark verkümmert», findet der Landwirt. Er will ihnen nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern auch die Motivation zurückgeben: «Das hier ist meine Lebensaufgabe.»

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