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217 Millionen verlorene Arbeitsstunden in Deutschland

Brüssel – Täglich könnten in der EU eine Million mehr Beschäftigte zur Arbeit gehen, wenn sie Zugang zu frühzeitiger Behandlung bei Muskel- und Skeletterkrankungen (Musculoskeletal Disorders, MSDs) hätten. Für Deutschland allein lassen sich die Verluste aufgrund verspäteter Interventionen auf 217 Millionen Arbeitsstunden beziffern. Dies sind Ergebnisse einer Studie der Work Foundation, die auf dem 5. Fit for Work Kongress in Brüssel vorgestellt wurden. Unter der Schirmherrschaft der litauischen EU-Ratspräsidentschaft diskutierten am 16. Oktober über 100 Gesundheitsexperten aus verschiedenen Mitgliedsstaaten die neuesten Entwicklungen im Bereich MSDs.

Quellenangabe: "obs/Fit for Work Europe"
Quellenangabe: “obs/Fit for Work Europe”

Muskel- und Skeletterkrankungen gelten als die EU-weit häufigste Ursache für krankheitsbedingte Ausfälle: 44 Millionen Beschäftigte leiden an MSDs wie Rückenschmerzen oder Verspannungen in Nacken, Schultern oder Armen. Die Fehlzeiten und Produktivitätsausfälle verursachen jährlich Kosten in Höhe von bis zu 240 Milliarden Euro. Das entspricht 2 Prozent des EU-weiten Bruttoinlandprodukts. Die Studie “Reducing Temporary Work Absence Through Early Intervention: The case of MSDs in the EU” fordert deshalb die EU-Mitgliedsstaaten dazu auf, zwischen Regierungsbehörden, Arbeitgebern und Medizinern koordinierte Maßnahmen zu ergreifen, um das Problem anzugehen. Dadurch könnten Kosten in Milliardenhöhe eingespart und die Leiden von Millionen Betroffenen verringert werden.

“Unsere Analyse hat ergeben, dass der Zugang zu frühzeitiger medizinischer Intervention für Beschäftigte mit MSDs derzeit keine Priorität hat”, sagte Professor Stephen Bevan, Gründungspräsident der Fit for Work Koalition, die sich für gesundheitsfördernde Bedingungen für Arbeitnehmer einsetzt. Mitglieder in der Koalition sind praktizierende Ärzte, Patientenverbände, Ökonomen und Forscher. “Tausende Beschäftigte sind unnötig lange krank oder fallen dauerhaft aus, obwohl bewährte Maßnahmen dabei helfen könnten, ihre Genesung zu beschleunigen und sie früher an den Arbeitsplatz zurückzubringen”, fügte Bevan hinzu.

An einer Klinik für frühzeitige Interventionen bei MSD in Madrid wurde ein zweijähriger Modellversuch erfolgreich durchgeführt. 13.000 Betroffene wurden nach fünf Krankheitstagen untersucht und behandelt. Dadurch gelang es der Madrider Klinik, die temporären Fehlzeiten der Arbeitnehmer um 39 Prozent und Fälle dauerhafter Arbeitsunfähigkeit um 50 Prozent zu reduzieren. Auf Grundlage der hier gewonnenen Daten hat die Fit for Work Europe Koalition eine Hochrechnung erstellt, die einen vergleichbaren Erfolg für zwölf EU-Mitgliedstaaten in Aussicht stellt.

“Wenn dieses Vorgehen in der gesamten EU wiederholt würde, könnten unseren Schätzungen zufolge täglich bis zu einer Million Beschäftigte, die derzeit ausfallen, am Arbeitsplatz zur Verfügung stehen”, sagte Bevan. “Dies würde zu einem deutlichen Produktivitätsschub führen sowie Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall spürbar reduzieren. Und das zu einer Zeit, in der die Mitgliedsstaaten gezwungen sind zu sparen und ihr Wirtschaftswachstum anzukurbeln.”

Die Studie unter Federführung von Prof. Juan Jover hat gezeigt, dass bei einer Implementierung des Madrider Modells in Deutschland, wo jährlich 217 Millionen Arbeitsfehltage aufgrund von MSD verzeichnet werden, bis zu 480.000 Menschen mehr pro Tag als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen könnten (39 Prozent).

Die vollständigen Untersuchungsergebnisse der Studie wurden am 16. Oktober 2013 auf dem 5. Fit for Work Kongress im Europäischen Parlament vorgestellt. Der litauische Gesundheitsminister, Vytenis Povilas Andriukaitis sowie internationale Delegierte aus Sozial- und Gesundheitsministerien, Unternehmen und Gesundheitsverbänden nahmen an dem Kongress teil.

Tabelle mit Daten aus zwölf EU-Mitgliedstaaten (entspricht 70 Prozent der in der EU Beschäftigten)

Da die Kategorisierung von Patienten bei Frühinterventionsdienstleistungen in den Ländern erheblich variiert, basieren die hier erhobenen Daten auf einer vorsichtigen Schätzung zur Verbesserung der Gesamtsituation um 25 Prozent, statt um die in der Madrider Klinik erzielten 39 Prozent. Nichtsdestoweniger wäre die Zahl verhinderter Ausfälle auch bei dieser konservativen Schätzung erheblich und zeigt die signifikante Wirkung, die ein breiterer Zugang zu früher EU-weiter Intervention erzielen würde.

Quelle: ots

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected]
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