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Gute Voraussetzungen für Kooperationen

Stefan Wagner, TÜSIAD/TCCI Chair in European Economic Integration, ESMT European School of Management and Technology

Im Jahr 2013 haben deutsche Unternehmen Güter über mehr als 21 Milliarden EUR in die Türkei exportiert, eine Zahl, die höher liegt als beispielsweise der deutsche Export nach Schweden. Zwar gehört die Türkei noch nicht zu den zehn größten Handelspartnern Deutschlands, aber sie liegt bereits auf Platz 14, immerhin noch vor den skandinavischen Staaten, auch vor Japan, Brasilien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Überdies können wir davon ausgehen, dass ihre Rolle als Handelspartner aufgrund des immer noch dynamischen türkischen Wirtschaftswachstums von derzeit 3% zunehmen wird. Aus türkischer Sicht wiederum ist Deutschland bereits jetzt der größte Abnehmer türkischer Waren und nach Russland und China die drittwichtigste Quelle von Einfuhren.

Diese Bedeutung der deutsch-türkischen Handelsbeziehungen wurde auch von den für Bildung und Forschung zuständigen Stellen in beiden Ländern erkannt. Folgerichtig wurde das vergangene Jahr, in einer Kooperation des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung und dem türkischen Ministerium für Wissenschaft, Industrie und Technologie, zum „Deutsch-Türkischen Jahr der Forschung, Bildung und Innovation“ ausgerufen. Unter dem Motto „Science Bridging Nations“ hat dieses Jahr der Stärkung deutsch-türkischer Kooperationen gedient, unter anderem durch die Schaffung von Innovationsnetzwerken. Die thematischen Schwerpunkte beinhalteten u.a. Schlüsseltechnologien wie Produktionstechnologien, Nanotechnologie, chemische und physikalische Technologien, Mobilität, Transport, Logistik, Gesundheitsforschung und Biotechnologie wie auch Umweltfragen in Form von erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, Nahrung und Landwirtschaft, Umwelttechnologien und Klimaschutz.

Diese Förderung deutsch-türkischer Forschungskooperationen geht auch mit den strukturellen Verschiebungen im produzierenden Gewerbe der Türkei einher. Im Augenblick nimmt die Textil- und Bekleidungsindustrie mit ihren über 3 Millionen Beschäftigten dort noch den mit Abstand höchsten Stellenwert ein. Nicht zu übersehen sind jedoch die starken Wachstumsraten in den Bereichen der Automobil- und den ihr zugehörigen Zulieferindustrien, ebenso wie der Energiewirtschaft und der Elektroindustrie. Da die türkischen Textilunternehmen zunehmend unter dem Wettbewerbsdruck asiatischer Konkurrenten leiden, sollte man die Bedeutung dieser neuen Wachstumsbranchen auf keinen Fall unterschätzen.

Insbesondere das Beispiel der Automobilindustrie verweist darüber hinaus auf ein Phänomen, das wir schon aus Deutschland kennen, sprich, dass der wirtschaftliche Erfolg unter anderem aus kleinen, mittleren Betrieben und Familienunternehmen resultiert. Kooperationen zwischen deutschen und türkischen Betrieben dieser Art bieten sich daher an und kämen beiden Seiten zugute: Die deutschen Betriebe gelten als innovativ, suchen jedoch neue Wachstumsmärkte; die türkischen Unternehmen müssen in puncto technisches Know-how noch aufholen und könnten ihre Wettbewerbsfähigkeit auf globalen Märkten stärken.

Hinzu kommt, dass Deutsche und Türken seit den 1960er Jahren einen Teil ihrer Entwicklung gemeinsam zurückgelegt haben, seit der ersten Welle der sogenannten Gastarbeiter und der in den siebziger Jahren einsetzenden Reisewelle der Deutschen in die Türkei. Woher, wenn nicht aus diesen Begegnungen und Gemeinsamkeiten, können erfolgreiche Kooperationen entstehen, ganz gleich, ob auf wirtschaftlichem oder wissenschaftlichem Gebiet. Nicht zuletzt sollen sie außerdem dazu führen, dass auf beiden Seiten Botschafter entstehen, die auch auf den komplexeren soziokulturellen und politischen Ebenen das längst überfällige Verständnis und den Respekt für die „Anderen“ wecken.

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: redaktion@mittelstand-nachrichten.de

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