Boris Raimicher beschäftigt sich auch außerhalb der Universitätsräume gerne mit wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten. Der folgende Kommentar des Studenten (Studienrichtung: Wirtschaftswissenschaften) handelt vom spannenden amerikanischen Wahlkampf im diesem November.

 

Boris Raimicher: In weniger als zwei Monaten stehen die Präsidentschaftswahlen in den USA an. Obama gegen Romney – für viele allein schon eine ideologische Frage. Denn die Republikaner stoßen in Europa auf wenig Sympathie – zu konservativ bis ethisch fragwürdig die Einstellungen für europäische Verhältnisse; als Beispiel sei hier nur die Diskussion um das Recht auf Abtreibung genannt. Obama erscheint dagegen als sozial orientierter Vorkämpfer, der allein mit der Einführung der Gesundheitsreform eine neue Ära eingeleitet zu haben scheint – jedoch sehr zum Trotz vieler amerikanischer Bürger –  und doch eine hohe Staatsverschuldung nicht wirklich abbauen konnte. Der entscheidende Ring in diesem Wahlkampf ist allerdings nicht wie 2008 ein ersehnter Wandel, der Obama damals in seiner Kandidatur so beflügelte. Es geht in dieser Kandidatur für viele Wähler  um den Punkt Wirtschaft: Wie kann sich Amerika aus der Schuldenkrise befreien? Und Romney hat dafür ein starkes Programm – wenn auch zugunsten der gehobeneren Einkommensklassen. Bei Obama dagegen bleiben viele Fragen offen, wie die desolate Wirtschaftslage verbessert werden soll.

 

Was ist aber noch wichtig in diesem Wahlkampf? Neben den Programmen beider Kandidaten ist es vor allem die Person, die im Zentrum des Interesses steht. Und ungeachtet der Sympathien, die man für beide Kandidaten hegen könnte, ist in den letzten Monaten einiges sehr klar geworden: Romney macht Fehler. Er scheint zu oft persönlich und politisch unsicher, trifft vorschnelle Entscheidungen oder gibt unbedachte Kommentare von sich. Man kann sich daher zu Recht fragen, was er wohl für einen Präsidenten abgeben würde. Alleine schon im Wahlkampf sind diese Patzer teilweise verheerend, was sie jedoch in der Weltpolitik anrichten würden, ist nicht auszumalen.

 

Boris Raimicher zum Thema „Trial-and-Error“-Mentalität

Alleine diese Woche, als er den demokratischen Präsidentschaftskandidaten für die Anschläge im US-Konsulat in Bengasi beschuldigte, wurde dies deutlich. Nicht nur Demokraten reagierten entsetzt, auch Mitglieder der Republikaner verurteilten dieses Verhalten als äußert unangemessen. Romney hat sich seitdem wieder von dem Thema Außenpolitik entfernt, um sich auf sein Steckenpferd Wirtschaft zu konzentrieren. Es entsteht in solchen Szenarien oft ein Bild von einem flatterhaften Romney, der sich auf das stürzt, was ihm als Thema und Meinung gerade gut zu passen scheint. Wenn die Erkenntnis gesackt ist, dass diese Intuition laut Öffentlichkeit falsch war, wird etwas Neues ausprobiert. Unabhängig von der Agenda der Republikaner muss dazu klar gesagt werden: Es wäre katastrophal, wenn Amerika (noch) einen Präsidenten im Amt haben würde, der in der Politik mit der „Trial-and-Error“-Mentalität zu reagieren versucht. Romney hat noch knapp zwei Monate, um ein anderes Bild von sich zu zeichnen. Denn Amerika braucht vieles – aber eine politische Führung, die unbedachte und politisch fragwürdige Entscheidungen fällt, gehört mit Sicherheit nicht dazu.

Boris Raimicher

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