Gerade erst hat die Leipziger Buchmesse wieder hunderttausende Besucher in ihren Bann gezogen. Die bereits seit dem 18. Jahrhunderts stattfindende Veranstaltung unterstreicht einmal mehr die Bedeutung Leipzigs als Messestandort. Dabei steht die sächsische Metropole keineswegs alleine da. Deutschland ist ein Messeland – auch im Zeitalter der Digitalisierung.

Tatsächlich kann kein anderes Land der Welt auf eine solche Vielzahl und Vielfalt an international bedeutenden Messen verweisen. Das Messewesen hat bei uns eine lange Tradition. Dabei profitiert Deutschland nicht nur von seiner Wirtschaftskraft und Exportorientierung, sondern auch von seiner zentralen Lage im Herzen Europa.

Ein seit dem Mittelalter bestens etabliertes Format

Messen sind seit jeher Orte, an denen Waren vorgestellt und verkauft werden. Sie bilden eines der ältesten Marketing-Instrumente. Im ehemaligen Heiligen Römischen Reich entstanden die ersten Messen im 12. Jahrhundert im Umfeld der Niederrhein-Region. Aachen, Köln, Utrecht und Duisburg waren die frühen Messestandorte. Bis zum 14. Jahrhundert verlagerten sich die Messeschwerpunkte dorthin, wo sich wichtige Handelswege kreuzten. Damit begann der Aufstieg der Messen in Frankfurt am Main und Leipzig. Beide Städte behaupteten ihre führende Stellung bis zum 2. Weltkrieg. Die anschließende Teilung Deutschlands bedeutete eine Zäsur. Leipzig blieb in der DDR führende Messestadt. In der Bundesrepublik traten neben Frankfurt auch Hannover, Berlin, Düsseldorf und München hervor.

Cebit, IAA, Hannover-Messe und mehr

Foto: Bildarchiv ARKM /Sven Oliver Rüsche

Misst man die Messe-Standorte nach Hallenkapazitäten, ist das Messegeländer Hannover das größte der Welt, gefolgt von Frankfurt am Main. Die Messen Köln und Düsseldorf nehmen die Plätze fünf und sechs im Weltmaßstab ein. Alleine daraus wird die Bedeutung der deutschen Messelandschaft ersichtlich. In Deutschland werden regelmäßig rund 150 Branchenmessen abgehalten, etwa zwei Drittel davon sind die jeweils größten Branchenmessen weltweit. Zu den “Messe-Flaggschiffen” gehören die jedes Jahr staffindende Hannover-Messe (Industrie), die zweijährliche Internationale Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt, die Cebit in Hannover (Informations- und Kommunikationstechnologie) und die Internationale Funkausstellung in Berlin (Elektronik). Ob Messeauftritt in Frankfurt, Hannover, Düsseldorf, Leipzig oder einer anderen deutschen Messestadt – ein Ereignis ist das fast immer. Bis zu 180.000 Aussteller und 10 Mio. Besucher werden jedes Jahr gezählt.

Persönlicher Kontakt und haptische Erlebnisse

Die Messen sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Rund 3,5 Mrd. Umsatz werden per anno erwirtschaftet. Nicht mitgerechnet sind Umsätze, die durch Geschäftsabschlüsse auf den Messen selbst generiert werden. Bei den Ausstellungen kommt auch die Internationalität zum Ausdruck. Im Schnitt stammen 55 Prozent der Aussteller aus dem Ausland. Immer stärker vertreten sind dabei Chinesen und andere asiatische Nationen. Sie machen mittlerweile die größte ausländische Ausstellergruppe aus, gefolgt von den Italienern. Die Anteile schwanken dabei naturgemäß je nach Messethema.

Auch im Zeitalter der Digitalisierung sind Messen offenkundig nicht “out”. Der persönliche Kontakt ist immer noch ein wichtiger “Aufhänger” für Geschäftsanbahnungen und kein Ort eignet sich dafür so gut wie eine Messe. Außerdem wird nach wie vor bei Gütern das haptische Erlebnis geschätzt. Man will Waren “begreifen” und nicht nur virtuell sehen können. Das heißt nicht, dass die Digitalisierung nicht auch Ausstellungskonzepte beeinflusst. Doch um die Messe als Format an sich ist den deutschen Veranstaltern nicht bange.

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Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: redaktion@mittelstand-nachrichten.de

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