Biberach – Es gibt Branchen, da lautet die Gleichung: je höher der Preis, desto besser der Ruf und umso erstrebenswerter das Produkt. Bei der Pharmaindustrie ist es das Gegenteil. Je höher der Preis eines Arzneimittels, umso schlechter scheint die Reputation des Unternehmens zu sein. Fragt man Patienten, zum Beispiel diejenigen, die von ihrer Hepatitis-C endgültig geheilt sind, dann sieht das Bild allerdings anders aus. Die Verdienste der Pharmaindustrie bei der erfolgreichen Behandlung und Heilung von immer mehr, auch sehr seltenen, Krankheiten ist unbestritten.

Ein respektabler Anteil an unserer deutlich gestiegenen Lebenserwartung ist ebenfalls der Pharmaindustrie geschuldet. Der Niedergang der Reputation der Pharmaindustrie scheint parallel zu der Preisgestaltung einiger in dieser Industrie zu verlaufen. Selbst der 119. Deutsche Ärztetag im Jahr 2016 sieht Handlungsbedarf und beschließt: “Die derzeit freie, ausschließlich am Markt orientierte Preisfestlegung für Arzneimittel im ersten Jahr nach der Markteinführung durch den pharmazeutischen Unternehmer muss abgeschafft werden.”

Nutzen und Innovation
Seit geraumer Zeit wird in Deutschland nach dem Nutzen eines neuen Arzneimittels gefragt, bevor es von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden kann. Häufiger Streitpunkt ist der herangezogene Vergleich zwischen „bisher” und „innovativ”. Das Etikett „Innovation” reicht jedenfalls nicht mehr. Für einen höheren Preis muss mehr Nutzen im Vergleich zur derzeitigen Standardtherapie nachgewiesen werden. Demnächst wird hinterfragt werden, ob ein zusätzlicher Nutzen nur akademisch in eng geführten Studien beweisbar ist oder ob er für betroffene Patienten im Alltag spürbar und erfahrbar ist. Zunehmend wird es um Zugewinn an Lebensqualität gehen. Im besten Fall wird dann die Preisbildung der Pharmaindustrie nachvollziehbar. Sie wird verstehbar und damit für die Solidargemeinschaft und Gesellschaft akzeptabel.

Quelle:  Innov8 GmbH

Quelle: Innov8 GmbH

Den Kosten für Arzneimittel wird dann ein vom Patienten bestimmter Nutzen gegenüberstehen. Damit kann sich Reputation positiv entwickeln. Das bisherige Geschäftsmodell der Pharmaindustrie steht in jedem Fall auf dem Prüfstand. Es gibt akuten Handlungsbedarf. Mit InteractiveMedica als Sponsor wurde das Pharma-Colloquium von den HealthcareShapers als Katalysator neuer Geschäftsmodelle konzipiert. Entscheider und Gestalter sind herzlich eingeladen, in der DenkWerkstatt mit zu überlegen, wie Fähigkeiten und umfassendes Wissen von Pharmaunternehmen für eine bessere Patientenversorgung eingesetzt und daraus zukunftsrobuste Geschäftsmodelle begründet werden können.

Quelle: Innov8 GmbH

ANZEIGE:

Veröffentlicht von:

Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou ist Mitglied in der MiNa-Redaktion und schreibt über Wirtschaftsverbände, Macher im Mittelstand, Produkte + Dienstleistungen, Digitale Wirtschaft und Familienunternehmer.
Mail: redaktion@mittelstand-nachrichten.de
Veröffentlicht am: