Seit mehr als fünf Jahren durchlebt Deutschland eine Gründungswelle. Allein im Jahr 2018 wurden 574.000 Unternehmen gegründet. Eine aktuelle Studie des Online-Dienstleistungsportals ProntoPro zeigt, dass es hierbei Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt. Generell wagen immer mehr Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit, während die Zahl der Männer bei Unternehmensgründung abnimmt. Bei der Wahl der juristischen Form haben Frauen und Männer andere Präferenzen. Auch hinsichtlich der Zuversicht in den neuen Lebensabschnitt zeigen sich Unterschiede.

Im Rahmen der Studie wurden 577 KMU-Inhaberinnen und Inhaber sowie leitende Angestellte zum ökonomischen, strukturellen und demographischen Zustand kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland befragt. Die Befragung fand zwischen November 2019 und Januar 2020 statt.

Rechtsformen: Männer bevorzugen GmbH, Frauen Einzelunternehmen

Die Studie zeigt, dass 71 % der Gründungen von Unternehmergesellschaften (UG) auf Frauen zurückzuführen sind. Bei eher klassischen Rechtsformen wie GmbH oder GbR hingegen ist der männliche Anteil stärker ausgeprägt. Weniger groß fällt die Differenz bei der Entscheidung für ein Einzelunternehmen aus: 56 % der befragten Frauen und 43 % der Männer bevorzugen diese Rechtsform. Insgesamt sind bei beiden Geschlechtern die GmbH und Einzelunternehmen die mit Abstand am häufigsten gewählten Rechtsformen.

Prontopro sieht in dem hohen Frauenanteil bei den UGs den Wunsch, das Unternehmen schrittweise zu vergrößern. Die UG ist eine Kapitalgesellschaft, die schon mit einem Euro gegründet und später in eine GmbH umgewandelt werden kann, sobald mehr Stammkapital vorhanden ist. Ein Vorteil gegenüber der GbR ist, dass letztere mindestens zwei Gesellschafter erfordert.

Bildung macht bei Unternehmensgründung keinen großen Unterschied

Die vorhandene Berufserfahrung vor der Unternehmensgründung wird in der Wirtschaftswelt häufig als Unterschied zwischen Frauen und Männern angeführt. Mit Blick auf die vorliegenden Umfrageergebnisse ergab sich aber ein grundsätzlich ausgeglichenes Bild. Durchschnittlich 25 % der befragten Frauen und Männer gaben an, ein Abitur und eine akademische Ausbildung abgeschlossen zu haben. Im Gegensatz zu den befragten männlichen Unternehmern lag der Anteil von Frauen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung aber wesentlich höher.

Abweichungen bei Zukunftsprognosen und Umsatzentwicklung

Bei der Frage nach den Zukunftsaussichten zeigten sich die Frauen generell optimistischer als die Männer. Diese Antwort steht allerdings in Widerspruch zu der Erkenntnis im Global Entrepreneurship Monitor (GEM), bei der die Angst vor dem unternehmerischen Scheitern bei den Frauen mit 42 % etwas höher ausgeprägt war als bei den Männern mit 37 %.

Ein Großteil der befragten Unternehmerinnen gab an, dass sie in den nächsten zwölf Monaten keine Veränderungen im Unternehmensumsatz zum Vorjahr erwarten. Unternehmer hingegen rechnen mit einem leichten Wachstum. Ein Grund für die Diskrepanz kann die voranschreitende Digitalisierung und Automatisierung sein, die sich unverhältnismäßig stark auf traditionell von Frauen besetzte Bereiche auswirkt wie beispielsweise Buchhaltung oder Übersetzung. Zugleich steigt die Anzahl der Wettbewerber innerhalb dieser benannten Industriezweige, während es an weiblichem Fachpersonal im MINT-Sektor und in der IT fehlt.

Quelle: ProntoPro Deutschland

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