Migräne, Regelkrämpfe, Muskelkater – noch immer greift die Mehrheit der Deutschen regelmäßig zur Schmerztablette. Keine andere Art von Medikament verkauft sich so gut, laut Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen nimmt jeder Mensch durchschnittlich rund 50 Tabletten im Jahr ein. Mehr als zwei Drittel davon machen nicht verschreibungspflichtige Medikamente aus. Die werden von vielen vergleichsweise unbedacht eingenommen, teilweise in großen Mengen. Ungefährlich ist das nicht.

Nebenwirkungen oft unterschätzt

Auch weit verbreitete Schmerzmittel wie Ibuprofen und Aspirin können zu physischer Abhängigkeit führen. Zu den häufigsten Folgen einer solchen Abhängigkeit gehören chronische Schmerzen – so geraten Betroffene nicht selten in einen Teufelskreis. In Extremfällen drohen Organschäden, auch das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöht sich. Generell warnen Experten: Es gibt kein wirksames Medikament ohne potenzielle Nebenwirkungen. Wann immer möglich, sollte die Einnahme darum vermieden werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass Schmerz einfach ertragen werden muss. Stattdessen gilt es, herauszufinden, welche schonenden Alternativen den persönlichen Leidensdruck mindern können.

Alternativen nutzen

Foto: Thomas Kinto/Unsplash

Alternative Heilmethoden zur sanften Schmerzbekämpfung gibt es viele. Hier empfiehlt sich eine Beratung und die Erarbeitung eines Therapieplans durch einen Experten. Im Münchener manutherapeuticum ZAPFF beispielsweise werden Beschwerden mittels Osteopathie behandelt. Auch klassische Hausärzte verweisen zunehmend auf schonendere Optionen, je nach Präferenz wenden sich viele Patienten aber selbstständig an einen Fachmann ihres Vertrauens. Manche der Alternativen, auf der Einnahme von Wirkstoffen und Heilmitteln basierenden Behandlungsmethoden – wie etwa die Homöopathie – gerieten in letzter Zeit in den Fokus von Kritikern. Bessere Ergebnisse lassen sich mit physischen Therapien erzielen, beispielsweise mit Osteopathie, Akkupunktur oder therapeutischen Massagen. Bei kleineren Beschwerden lohnt sich der Einsatz von Hausmitteln. Die sind leicht zugänglich und jederzeit ohne Hilfe eines Therapeuten anwendbar. Pfefferminz und Teebaumöl wirken Kopfschmerz entgegen, Nelkenöl wird bei Zahnschmerzen auf die betroffene Stelle getupft und ein warmes Salzbad lindert Rückenschmerzen. Sind die Schmerzen allerdings chronisch oder ist der Leidensdruck sehr groß, stoßen auch solche schonenden Mittel an ihre Grenzen. Die Behandlung bei einem Schmerztherapeuten ist meist wirkungsvoller und langanhaltender als Hausmittel, wird aber im Zweifelsfall wegen des höheren Zeitaufwands vermieden. Auf lange Sicht ist das wenig sinnvoll – werden die Schmerzen lediglich kurzfristig unterdrückt, kann das später zu größeren Ausfällen führen.

Ursachen werden zu oft nicht bekämpft

Dass Menschen ihren Schmerz und seine Behandlung nicht ernst nehmen, hat viele Gründe. Viele geben an, beruflich oder privat unter Druck zu stehen, funktionieren zu müssen und fürchten, sich Fehlzeiten nicht leisten zu können. Anderen fehlt das Bewusstsein für die möglichen langfristigen Folgen. Liegen die Ursachen in der Psyche, kann es noch mehr Überwindung kosten, sich mit der Problematik zu befassen. In anderen Bereichen wird Schmerz als normal akzeptiert und zu selten als Krankheitsbild adressiert. Besonders Frauen sind hier betroffen – extreme Beschwerden zur Zeit der Menstruation beispielsweise sind weitgehend normalisiert. Wer keine hormonelle Verhütung nutzen möchte, greift auf Schmerztabletten zurück. Dass hinter starken Schmerzen oftmals ernstzunehmende Krankheiten wie Endometriose liegen können, wird nur selten Betracht gezogen. Stattdessen nehmen Betroffene über Jahre regelmäßig nicht verschreibungspflichtige Medikamente ein. Kein Wunder also, dass sich die Pharmaindustrie mit der Verkaufsprognose zufrieden zeigt. Experten rechnen damit, dass der Umsatz für Schmerztabletten noch steigen wird: von rund 532 Mio. € im Jahr 2019 auf 573 Mio. bis 2023. Das entspräche einem Pro-Kopf-Umsatz von 6,45€. Schmerzmittel sind eine nützliche Erfindung und verbessern die Lebensqualität vieler Leidtragende immens – der Umgang mit Selbstmedikation darf aber durchaus kritisch reflektiert werden. Tendenziell steigt das Bewusstsein dafür bereits – die Zahlen zeigen jedoch, das hier noch viel Aufklärungsbedarf zu tun ist. Besonders Ärzte stehen in der Pflicht, besser über die Gefahren von Schmerzmitteln und ihre Alternativen zu informieren.

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Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: redaktion@mittelstand-nachrichten.de
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