Seit 20 Jahren findet jährlich am 9. September weltweit der Internationale FASD Awareness Day statt. Mit Veranstaltungen will man weltweit das Bewusstsein für die Gefahren des Alkoholkonsums während der Schwangerschaft und die Lebenssituation von Einzelpersonen und Familien zu schärfen, die mit dem Fetal Alcohol Spectrum Disorder (FASD) zu kämpfen haben. 

In Deutschland kommen jährlich etwa 10.000 Kinder mit verschiedenen geistigen und körperlichen Schädigungen zur Welt, weil ihre Mütter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben. Bis zu 4000 Neugeborene pro Jahr leiden unter dem FASD, einer besonders schwerwiegenden, vorgeburtlich entstandenen Schädigung des Kindes.

Der kindliche Organismus, der sich in der Entwicklung befindet, ist alkoholbedingten Schädigungen während der Schwangerschaft schutzlos ausgeliefert. Über die Nabelschnur gelangt der Alkohol über die Mutter direkt zum Kind und bleibt dort bis zu zehnmal länger als im mütterlichen Blut.

Alkoholkonsum in der Schwangerschaft ist die häufigste Ursache für nicht genetisch bedingte, frühkindliche Fehlbildungen

Je nach Schwere der Ausprägung kämpfen die Kinder ihr Leben lang mit einer Vielzahl von körperlichen und geistigen Einschränkungen, wie zum Beispiel Wachstumsstörungen, Herzfehlern, Sprachstörungen, Hyperaktivität, Konzentrationsbeschwerden und einer verstärkten Aggressivität. Manchen Neugeborenen ist es ins Gesicht geschrieben: Typische Merkmale sind ein kleiner Kopfumfang, schmale Oberlippen sowie eine fehlende Nasenrinne. Andere Kinder sind körperlich unauffällig und kämpfen dennoch mit kognitiven und psychischen Problemen.

Die meisten dieser Schädigungen sind bleibend, sodass viele Betroffene ein Leben lang auf fremde Hilfe bei allen Dingen des täglichen Lebens und im Sozialverhalten angewiesen sind. Im Erwachsenenalter kann sich das FASD durch weitere Störungen wie Depressionen, Angststörungen, Störungen der Impulskontrolle, Suchterkrankungen, Auffälligkeiten im Sexualverhalten, leichte Beeinflussbarkeit und Ausbeutbarkeit bis hin zu deutlich häufigerer Delinquenz äußern, was zu massiven Einschränkungen bei der Wohnungs- und Jobsuche und in sozialen Beziehungen führt.

„Diese schwere Schädigungen können vollständig dadurch verhindert werden, dass die Mutter während der Schwangerschaft keinen Tropfen Alkohol trinkt. Am besten sollte die Frau mit Kinderwunsch schon von dem Moment an, in dem sie die Verhütung weglässt, bis zum Ende der Stillzeit keinen Alkohol trinken“, fordert der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) Dr. med. Christian Albring. „Der BVF unterstützt die Petition der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung und des FASD-Netzwerks Nordbayern zur verpflichtenden Kennzeichnung aller alkoholischer Getränke, wie es bereits in anderen Nationen üblich ist.“

Quelle: Berufsverband der Frauenärzte (BVF) e.V.

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