Frankfurt am Main – Mit dem “Tag der Aktie” am 16. März möchten die Deutsche Börse und die teilnehmenden Banken ein Zeichen setzen und die Popularität der Aktie in der Bevölkerung weiter steigern. Vorstandsmitglied Hauke Stars erklärt im Interview, warum immer noch wenige Deutsche in Aktien Geld anlegen, weshalb mehr Finanzwissen dringend nötig wäre und wie der moderne Börsenhandel funktioniert.

Frau Stars, die Deutsche Börse hat zum zweiten Mal den “Tag der Aktie” ausgerufen. Wie stehen die Deutschen heute zur Aktie?

Nach wie vor leider sehr skeptisch. Auch wenn nach einer Studie des Deutschen Aktieninstituts die Zahl der Aktionäre im letzten Jahr gestiegen ist. Immerhin 560.000 Aktionäre und Aktienfondsanleger sind hinzugekommen. Das ist erfreulich und ist der höchste Stand seit drei Jahren. Andererseits besitzen aber nur 14 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahren Aktien. Eine Erklärung dafür ist sicherlich, dass die Deutschen ein Volk der Sparer sind und ihr Sparbuch lieben. Nach Angaben der Bundesbank liegen weit über 500 Milliarden Euro auf den Sparbüchern. Hier wird ein realer Vermögensverlust in Kauf genommen, denn die Inflation ist höher als die derzeitigen niedrigen Zinsen. Für einen langfristigen Vermögensaufbau eignet sich ein Sparbuch also kaum -Aktien hingegen schon. Mit dem Tag der Aktie wollen wir weiter die Aktie als Investitionsinstrument bekannter machen – gleichzeitig leisten wir Aufklärungsarbeit, wie eine Aktie funktioniert.

Quellenangabe: "obs/Deutsche Börse AG"

Quellenangabe: “obs/Deutsche Börse AG”

Scheuen viele Deutsche auch das Risiko, das mit Aktien verbunden ist?

Ich denke, das ist einer der Gründe. Aber das Risiko wird häufig falsch eingeschätzt. Während der Dotcom-Ära um die Jahrtausendwende haben sich viele Anleger am Aktienmarkt die Finger verbrannt. Nur wenige Jahre später wurden die Anleger dann durch die Turbulenzen der Finanzkrise enttäuscht. Das hat Skepsis gegenüber Wertpapieren hervorgerufen. Der deutliche Aufschwung an den Aktienmärkten der letzten Jahre ist deshalb leider an vielen Deutschen vorbei gegangen. Briten, US-Amerikaner und ausländische Staatsfonds haben dagegen sehr stark in deutsche Aktien investiert.

Was muss ihrer Meinung nach passieren?

Schon im Schulunterricht müsste die Funktion von Wertpapieren und von Börsen viel besser erklärt werden. Denn ohne gesundes Basiswissen ist es kaum möglich, vernünftige Entscheidungen zur eigenen Geldanlage oder zur Absicherung zu treffen. Wir möchten unseren Teil dazu beitragen, für Aufklärung und für ein besseres Verständnis von Aktien zu sorgen. Zu wenige Menschen wissen, dass Aktien für die Finanzierung der Wirtschaft eine sehr wichtige Funktion haben. Sie dienen keineswegs nur zum Vermögensaufbau eines Einzelnen. Für Unternehmen sind sie ein Grundpfeiler für Wachstum, Innovationen und Beschäftigung. Und natürlich sind Aktien für viele Deutsche Teil der Altersvorsorge, wenn man beispielsweise an Pensions- oder Investmentfonds denkt, die zum Teil in Aktien investieren.

Frau Stars, erklären Sie doch bitte mal, wie der aktuelle Börsenpreis einer Aktie zustande kommt?

Hier an der Börse wird Tag für Tag fortlaufend ein Preis ermittelt. Preise entstehen durch Handelsabschlüsse: Einer kauft, der andere verkauft. Preise entstehen also aus Angebot und Nachfrage und werden keinesfalls von den Börsenhändlern nach Belieben festgesetzt. Als Börse erfüllen wir bei diesem Prozess eine wichtige volkswirtschaftliche Funktion: Wir stellen den Marktplatz zur Verfügung, auf dem fairer, transparenter und überwachter Handel stattfinden kann. Wir organisieren den Markt, wir stellen die Infrastruktur bereit – also die Computertechnik und die Leitungen – und wir sorgen dafür, dass im Handel alle Regeln eingehalten werden. Die Verlässlichkeit der Systeme spielt dabei eine große Rolle. Denn wenn ein Anleger eine Order aufgibt, muss er sich darauf verlassen können, dass diese ordnungsgemäß ausgeführt wird.

Welches Angebot machen Sie zum Tag der Aktie?

Ein besonderer Tag verdient eine besondere Aktion, die von der Börse Frankfurt gemeinsam mit der Initiative “Pro Aktie” und teilnehmenden Banken angeboten wird: Am “Tag der Aktie” zahlen Privatanleger beim Kauf von DAX-Aktien und ausgewählten DAX-ETFs über die Börse Frankfurt keine Gebühren. Die Börse verzichtet auf die Berechnung üblicherweise anfallender Transaktions- und Handelsentgelte. Und auch die beteiligten Banken erlassen sämtliche Handelskosten.Das Angebot gilt für Kauforders ab einem Mindestvolumen von 1.000 Euro bei allen teilnehmenden Banken. Im letzten Jahr haben viele Anleger dieses Angebot angenommen, was die deutlich höheren Handelsvolumina an diesem Tag zeigten.

Quelle: ots

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Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected]
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