Berlin – „Der Preisanstieg bei den Industriemetallen hat mittlerweile absurde Züge angenommen und ist unseres Erachtens schon lange übertrieben“, sagte Eugen Weinberg, Leiter Commodity Research der Commerzbank AG, am Donnerstag auf dem Solution Forum „Stabil statt volatil – Wie entwickeln sich die Rohstoffpreise?“. Die Fachveranstaltung ist Teil des 52. BME-Symposiums Einkauf und Logistik in Berlin, das noch bis Freitag andauert.

Die Preise seien zu einem Großteil spekulativ getrieben und der Anstieg stehe daher auf wackeligen Beinen. „Wir erwarten deshalb in den nächsten Monaten eine deutliche Preiskorrektur“, fügte Weinberg hinzu.

Es habe in den vergangenen Monaten durchaus spezifische Nachrichten gegeben, die einen Preisanstieg bei den Metallen rechtfertigten. Diese Nachrichten seien auch konsequent zu Käufen genutzt, preisbelastende Nachrichten dagegen bis zuletzt ignoriert worden. Das Ausmaß des Preisanstiegs halte er daher für überzogen. Zu den wesentlichen Preistreibern zählte laut Weinberg der hohe Risikoappetit der Marktteilnehmer, der sich bis in den August hinein auch in steigenden Aktienmärkten widerspiegelte. Zudem habe der schwache US-Dollar den Preisen Auftrieb gegeben.

Die Nachfrage nach Industrierohstoffen sei in den vergangenen Monaten sehr gut gewesen. Das dürfte auch so bleiben. Problematisch sei dabei, dass das Wirtschaftswachstum in den westlichen Industriestaaten nicht zu einer stärkeren Nachfrage nach Rohstoffen, insbesondere Metallen, führe. Dafür seien diese Länder zu sehr dienstleistungsorientiert. Wenn, dann komme der zusätzliche Rohstoffbedarf aus den Emerging Markets. Allerdings ergeben die Konjunkturdaten ein gemischtes Bild. „So können die chinesischen Wirtschaftszahlen der vergangenen drei Quartale zwar als sehr gut bezeichnet werden. Die nähere Zukunft sieht dagegen nicht so günstig aus. In anderen Schwellenländern sind ebenfalls Wachstumsdellen deutlich erkennbar. Nationen wie Russland, Brasilien oder Türkei sind von den zuvor prognostizierten BIP-Anstiegen weit entfernt“, betonte Weinberg.

Angesichts steigender Datenmengen und immer unberechenbarer werdender Märkte laufen insbesondere Rohstoffeinkäufer Gefahr, den Überblick zu verlieren. Wie aber lassen sich Rohstoffmärkte optimal scannen? Eugen Weinberg meint dazu: Es gibt keinen Königsweg. Dafür agieren die Marktteilnehmer zu unterschiedlich. So lesen beispielsweise die großen OEMs tagtäglich die Rohstoffberichte der Bankenanalysten. Dagegen suchen kleinere Mittelständler, die von einem einzigen Rohstoff abhängig sind und diese Analysen bekommen, immer gezielt in den Schlagzeilen nach ihrer Commodity. Wichtig sei, dass sich Rohstoff-Einkäufer ständig weiterbilden und das Marktgeschehen kontinuierlich verfolgen. Die Kenntnis über die Inhalte täglicher, wöchentlicher und monatlicher Marktberichte, hilft ihnen nicht nur, den richtigen Kaufzeitpunkt für ihre Rohstoffe zu finden. Es stärkt auch ihre Position in Verhandlungen mit Lieferanten.

Quelle: Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)

Veröffentlicht von:

Despina Tagkalidou

Despina Tagkalidou ist Mitglied in der MiNa-Redaktion und schreibt über Wirtschaftsverbände, Macher im Mittelstand, Produkte + Dienstleistungen, Digitale Wirtschaft und Familienunternehmer.

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