Die Digitalisierung wird völlig überschätzt? Oder: In zwanzig Jahren wird keiner von uns mehr einen „normalen“ Job haben? Die Wahrheit liegt sicher irgendwo dazwischen. Die Digitalisierung ist ein Megatrend unserer Zeit, den zu ignorieren dem Versuch gleich käme, Zahnpasta zurück in die Tube zu drücken. Er wird Arbeitsmarkt und Jobprofile in den nächsten Jahren massiv verändern – aber menschliche Kompetenzen und Erfahrungen werden auch weiterhin unverzichtbar bleiben.

Quelle: Orizon GmbH/Accente BizzComm GmbH

Zwischen Paralyse und Panikmache

Die ARD hat zu ihrer Themenwoche „Zukunft der Arbeit“ einen „Job-Futuromat“ aufgesetzt. Dieses Online-Tool gibt Auskunft, in welchem Maße der eigene Job von einem Roboter erledigt werden könnte. Kostprobe? Die Tätigkeiten eines Gabelstaplerfahrers können dem Job-Futuromat zufolge schon heute zu 67 Prozent von Maschinen übernommen werden. Erzieherinnen hingegen wird eine Automatisierbarkeit von – man ahnt es bereits – 0 Prozent attestiert. Zumindest auf absehbare Zeit scheint es absurd, dass Roboter auf unsere Kinder aufpassen und sie zur Toilette begleiten.

Während manche Quellen von deutlich höheren Zahlen von bis zu 47 Prozent bedrohter Jobs sprechen, können die in digitale Panik versetzten Gemüter anhand einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ein wenig beruhigt werden. In Deutschland sind demnach etwa 15 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten „mit einem sehr hohen Substituierbarkeitspotenzial konfrontiert“. Mit anderen Worten: Ihr Job könnte künftig von einer Maschine erledigt werden.

Jobs verschwinden – Jobs entstehen

Keine Frage: Die Digitalisierung wird manchen Job überflüssig machen – dafür aber auch ganz neue Profile entstehen lassen. Das Bundesarbeitsministerium spricht in seiner Arbeitsmarktprognose 2030 davon, dass bei beschleunigter Digitalisierung rund 250.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen könnten. Dass bestimmte Berufe verschwinden und andere entstehen, ist wahrlich nichts Neues. Wer erinnert sich heute noch an „Gasriecher“, „Kohlentrimmer“ oder „Bornmeister“?! Genau. Dafür werden in zwanzig Jahren vielleicht „Big Data Engineer“ oder „Feel-Good-Manager“ – sowie Jobs, für die wir noch gar keine Namen haben – zum regulären Portfolio eines modernen Unternehmens gehören.

Die heutigen Arbeitnehmer sehen der ihnen prophezeiten Zukunft übrigens durchaus positiv und keineswegs resigniert entgegen. Dreiviertel von ihnen trauen sich zu, sich die künftig geforderten digitalen Fähigkeiten aneignen zu können. Aber immerhin etwa jeder Achte fühlt sich bereits heute durch die technologische Entwicklung überfordert. Diese Ängste und Sorgen gilt es ernst zu nehmen. Ob Unternehmen, politische Akteure oder Bildungsinstitutionen: Alle sind gefragt, die Chancen zu erkennen, den Wandel aktiv zu gestalten – und dabei die Menschen stets im Mittelpunkt zu sehen. Hervorragende Ausbildung und lebenslange (Weiter-)Qualifizierung sind der Schlüssel dazu.

Quelle: Orizon GmbH/Accente BizzComm GmbH

Veröffentlicht von:

Despina Tagkalidou

Despina Tagkalidou ist Mitglied in der MiNa-Redaktion und schreibt über Wirtschaftsverbände, Macher im Mittelstand, Produkte + Dienstleistungen, Digitale Wirtschaft und Familienunternehmer.

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