Ob hart oder weich: Neben den Folgen für Politik, Kultur und Privatleben wird sich der Brexit vor allem auch auf Unternehmen auswirken. Eine Frage drängt sich in diesem Zusammenhang besonders in den Vordergrund: was bewirkt der Ausstieg im Cashflow bestimmter Lieferketten? Und wie können Unternehmen diese Auswirkungen in den Lieferketten abfedern und ihre Betriebsfähigkeit sicherstellen?

Die gesamte Lieferkette in ganz Europa funktioniert im Moment wie folgt: das Freihandelsabkommen der EU-Staaten ermöglicht den Warenverkehr zwischen dem Vereinigten Königreich und den anderen europäischen Mitgliedsstaaten ohne Zollkontrollen, so dass es einen wirtschaftlichen Handelsfluss mit einem physischen Waren- und Materialfluss gibt. Die finanzielle Lieferkette und die physische Lieferkette sind daher miteinander verbunden. Wenn also Unternehmen beispielsweise durch den Brexit keine Lieferung von Rohstoffe erhalten können, können Kundenaufträge nicht erfüllt werden. Und wenn Bestellungen nicht ausgeführt werden können, können Rechnung nicht bezahlt werden. Daher wird jede Störung der physischen Lieferkette schnell zu höheren Anforderungen an den Betriebskapitalbedarf führen.

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Am Beispiel des SAP Ariba Netzwerks lassen sich die Ausmaße der Herausforderung beispielhaft verdeutlichen: über diese B2B Plattform tätigen Unternehmen und Lieferanten aus Großbritannien und dem Rest der EU Geschäfte in Milliardenhöhe miteinander. Das bedeutet, es muss ein tatsächlicher Warenverkehr stattfinden, damit Rechnungen und die Bezahlung dieser auch vollzogen werden können. Wenn die Waren nicht über den Kanal gelangen, dann ist diese Kette unterbrochen und jede Verzögerung in dieser Lieferkette führt zu negativen Auswirkungen auf die Effizienz der Just-in-Time- und Verbrauchernachfrage aus, wie darüberhinaus auch auf die Fähigkeit, die Forderungen und Verbindlichkeiten des Cashflows eines Unternehmens zu managen.

Wie müssen Unternehmen also mit dieser Situation umgehen, wenn es zum Brexit kommt? Folgende fünf Tipps sollen als Hilfestellung dienen:

1. Bargeldreiche Unternehmen können helfen, den Liquiditätsengpass in der Lieferkette zu verringern, indem sie anbieten, Lieferanten frühzeitig oder sogar auf Bestellung zu bezahlen. Selbst Teilzahlungen in der Vorlieferungsphase können für einen Schlüssellieferanten einen handfesten Mehrwert darstellen, insbesondere wenn mit Cashflow-Schwierigkeiten zu kämpfen hat.

2. Günstige Kredite von Banken über PO- oder Rechnungsfinanzierungsprogramme sollten bevorzugt gewählt werden. Schon jetzt kann es sinnvoll sein, die Vorteile der Supply Chain Finance (SCF)-Programme zu nutzen, um eine Rücklage an Bargeld noch vor dem Brexit aufzubauen.

3. Eine weitere Möglichkeit sind Finanzierungsalternativen, also Programme zur Finanzierung von Forderungen (Factoring), die ein Lieferant mit einer Bank abschließen kann.

4. Die Kartenzahlung sollte als bevorzugtes Zahlungsmittel verstärkt eingesetzt werden; obwohl sie häufig noch teurer ist, bietet sie eine vorzeitigen Zahlungsmethode gegenüber der Barzahlung am Ende der Rechnungslaufzeit.

5. Fokussierung auf britische Inlandsprodukte für frühzeitige Zahlungen. Da es keine Unterbrechung zwischen inländischen Unternehmen und Lieferanten gibt, sollten Unternehmen sich mit der inländischen Lieferkette in Verbindung setzen, um entweder Vereinbarungen über frühzeitige Zahlungen oder kostengünstige Frühzahlungsfinanzierungen zu erhalten.

Auch wenn diese Tipps mit Kosten verbunden sind, können wir nicht über die Tatsache hinweg sehen, dass der Brexit – hart, weich oder anderweitig – gravierende Auswirkungen auf die Lieferkette haben wird. Und so sind Unternehmen, die von britischen Importen und Exporten nach Europa abhängig sind, unweigerlich mit Risiken und Kosten konfrontiert. Die tatsächlichen Kosten sind dabei schwer zu messen. Unternehmen sollten daher ihre Lieferkette optimieren und die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Sie sollten sich dabei auf Partnerschaften konzentrieren, die das Cashflow-Risiko minimieren und das Betriebskapital sichern.

Indem es Einkäufern und Lieferanten hilft, eine bessere Transparenz über die Supply Chain zu erhalten, kann ein Cloud-basiertes Geschäftsnetzwerk Unternehmen bei der Wahl des optimalen Lieferanten und einer kostengünstigen Finanzierung helfen. Wie ein altes Sprichwort besagt: „Eine Kette ist nur so gut wie ihr schwächstes Glied“, und die Liquidität ist ein wichtiges Glied dieser Verbindung.

Quelle: Pascal d’Arc

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Annalena Rüsche
Annalena Rüsche
Annalena Rüsche befindet sich aktuell in der Vorbereitung zum Studium. Sie absolviert in unserer Redaktion ihr Jahrespraktikum. Im Anschluss will Sie "Medienmanagement" studieren. In unserer Redaktion ist sie aktuell für den Newsdesk zuständig und hält Ausblick nach aktuellen und für unsere Leser wertvollen Informationen. Sie ist unter redaktion@mittelstand-nachrichten.de direkt erreichbar.
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