In einem Massai-Dorf im Herzen Kenias Freiwilligenarbeit zu leisten und Kinder zu unterrichten, ist ein Traum für viele Jugendliche mit Fernweh.

Zusammen mit seinem Gastvater – einem der ältesten Massai – bewacht Lino Römisch das Getreide der Familie vor Elefanten oder Stachelschweinen. “Wir haben ein Lagerfeuer angezündet und auf Geräusche geachtet. Außerdem habe ich Fallen für Stachelschweine aufgestellt”, berichtet der 24-Jährige, der im vergangenen Jahr acht Wochen lang als Freiwilliger in einem Massai-Dorf in Kenia arbeitete. Hier spielt der Ackerbau nach wie vor eine existenzielle Rolle für die Familien, sodass nächtliches Wacheschieben auf der Tagesordnung steht. Die eigentlichen Aufgaben erledigte er natürlich tagsüber: An einer Schule unterrichtete er Mathe, Sport sowie sozial- und naturkundliche Fächer.

Quelle: VoluNation

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Vorbereitung der Abschlussklasse auf die Mathe-Prüfung

“Der Unterricht fand täglich zwischen 9 und 16 Uhr statt. Jeden Tag habe ich bis zu acht Unterrichtsstunden gegeben”, erzählt er aufgeregt über sein Projekt von VoluNation. Am meisten Spaß hat ihm Mathe mit der 8. Klasse gemacht, da sich die Schüler hier auf ihre Abschlussprüfung vorbereitet haben und äußerst wissbegierig waren. “Die Kinder wollten einfach immer lernen.” Algebra, Konstruktionen und Prozentrechnung standen auf dem Lehrplan. Ein grundlegender Unterschied zu deutschen Lehrplänen ist, dass die Themen jedes Jahr wiederholt, aber immer tiefgehender und intensiver behandelt werden.

Nach dem Unterricht hat Lino mit den Schülern Fußball oder Volleyball gespielt und ab und zu auch Leichtathletik trainiert. Vor Einbruch der Dunkelheit kehrte er zur Hütte seiner Gastfamilie zurück, um noch im Hellen Wasser aus einem Bach zu holen. Tag und Nacht sind hier immer nahezu gleich lang, die Sonne geht um 6 Uhr morgens auf und um 18 Uhr unter.

Männer dürfen nicht in die Küche

Durch das Zusammenleben mit seiner VoluNation Gastfamilie wurde der kulturelle Unterschied erst so richtig bewusst, denn Männer dürfen in der Küche nicht dabei sein, weil die Aufgaben für Männer und Frauen strikt getrennt werden. Für Lino machte die Gastfamilie aber eine Ausnahme. Er durfte abends in die Küche gehen und zuschauen, wie gekocht wurde. Bei den Massai in Kenia ist die Zubereitung der Mahlzeiten die Aufgabe der Frauen, bei deren Verrichtung männliche Gesellschaft strikt abgelehnt wird. Auch beim Essen sitzt man nicht gemeinsam am Tisch, sondern nach Geschlechtern getrennt.

Ein überraschendes Gericht blieb besonders in Erinnerung: Eines Tages servierte die Gastmutter Spinat, der wie zuhause geschmeckt hat. Normalerweise erinnert Spinat in Kenia geschmacklich an Kohl, meint Lino, doch der selbst angebaute Spinat seiner Gastfamilie war anders. Des Rätsels Lösung: Die Pflanzen hatte der Gastvater vor vielen Jahren von VoluNation als Geschenk bekommen. Sie gedeihen prächtig im Land der Massai.

Tanzen mit den Massai – Die Botschaft zu Gast

Ein Höhepunkt seines Aufenthaltes war der Besuch des französischen Botschafters, der eine Geldspende für den Bau eines Schlafsaales für die Schule überbrachte. Eine Woche lang übte er mit den Schülern traditionelle Massai-Tänze. Am Tag des Auftritts durfte Lino mittanzen, in traditioneller Kleidung und mit echtem Massai-Schmuck. Darauf ist er bis heute stolz, und den Schmuck durfte er behalten. “Die Aufführung vor dem Botschafter wurde sogar im Fernsehen übertragen. Darauf wurde ich von fremden Leuten noch Wochen später während meines Urlaubs in Mombasa und Nairobi angesprochen.”

Quelle: VoluNation

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Mit der Taschenlampe Suaheli lernen

Die Zeit vor dem Einschlafen nutzte Lino, um Suaheli im Schein der Taschenlampe zu lernen, denn elektrisches Licht hatte er in seinem Zimmer nicht. “Suaheli ist so ganz anders”, meint er. Die Sprachkenntnisse haben den Kontakt zu den Massai erleichtert. “Viele Ältere sprechen nur Suaheli, aber kein Englisch.” Dank der abendlichen Fortbildung konnte er sich auch mit dem Großvater in der Gastfamilie verständigen.

Quelle: VoluNation

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Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: redaktion@mittelstand-nachrichten.de
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