Die Kreuzfahrtbranche erlebte in den letzten Jahren einen Aufschwung wie nie zuvor. Doch trotz neuer Passagierrekorde sind die Verantwortlichen nicht zufrieden. Schlechte Bedingungen in europäischen Häfen bremsen das Wachstum der Branche – so die Veranstalter.

Die Schiffsreise erlebt ein Comeback. Was große Namen wie AIDA schon vor Jahren geschafft haben, gelingt mittlerweile auch dem Rest der Branche: Der Imagewandel der Kreuzfahrt zum Rundum-Sorglos-Familienpaket, das auch für den Urlauber mit mittlerem Reisebudget bezahlbar ist. Nicht zuletzt dank praktischer Online-Anbieter wie Seereisedienst.de ist die Schiffsreise vom angestaubten Rentnerparadies zum erschwinglichen Traumurlaub geworden. Und diesen Traumurlaub gönnen sich immer mehr Urlauber. Noch nie zuvor haben sich so viele Deutsche auf ein Kreuzfahrtschiff gewagt wie im vergangenen Jahr. Ganze 1,77 Millionen Passagiere zählte der europäische Branchenverband CLIA (Cruise Line International Association). Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von circa 5 Prozent. In keinem anderen europäischen Land waren Reisen auf hoher See so beliebt wie bei den Deutschen. Für das laufende Jahr rechne man damit, die Zwei-Millionen-Grenze zu überschreiten, so Michael Ungerer, Deutschland-Chef von CLIA.

Das Wachstum ist rückläufig

Die steigenden Passagierzahlen sind zwar erfreulich, ganz zufrieden ist die europäische Kreuzfahrtbranche jedoch mit der aktuellen Situation nicht, so Stimmen auf der Fachmesse Seatrade Europe, die vom 9. bis 11. September 2015 in Hamburg stattfand. Ein Sprecher der CLIA erklärte, man fühle sich trotz des regelrechten Booms im Wachstum gebremst. Zu den möglichen Gründen äußerte sich der Chairman des Kreuzfahrtverbandes ebenfalls. Neben einer nicht ausreichend entwickelten Hafen-Infrastruktur nannte er die unterschiedliche Umsetzung der EU-Umweltgesetze in den europäischen Häfen.

Die Kapazitäten der europäischen Häfen müssen möglichst zeitnah an eine äußerst schnell wachsende Industrie angepasst werden – so die Forderung der CLIA. Denn die Flotten der Reedereien wachsen weiter. Bis 2018 sind 29 neue Kreuzfahrtriesen in europäischen Werften in Auftrag gegeben. Um diesem Mehraufkommen gerecht zu werden, ist für die europäischen Häfen ein angepasstes Infrastruktur-Konzept zu entwickeln. Eine weitere Hürde sind die Umweltgesetze der EU. Kreuzfahrtlinien investieren beispielweise hohe Summen, um technische Verfahren zur Abgaswäsche in ihrer Flotte zu integrieren – so, wie es der Gesetzgeber vorschreibt. Doch nicht jeder Hafen ermöglicht es dem Betreiber, diese Techniken auch zu nutzen.


Bildrechte: Flickr Carnival Cruise Ship Splendor Arrives at Port of San Diego Port of San Diego CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

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Sven Oliver Rüsche
Sven Oliver Rüsche
Sven Oliver Rüsche ist Gründer der Mittelstand-Nachrichten und schreibt über Wirtschaftsverbände, Macher im Mittelstand, Produkte + Dienstleistungen, Digitale Wirtschaft und Familienunternehmer. Er ist als Journalist Mitglied im DPV Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V. / Mitgliedsnummer: DE-537932-001 / Int. Press-Card: 613159-537932-002. Er ist unter redaktion@mittelstand-nachrichten.de in der Redaktion erreichbar.
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