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Keine Roaming-Gebühren mehr: Trotzdem gibt es Kostenfallen

Die Roaming-Gebühren innerhalb der EU sind Geschichte. Gespräche und das Surfen im Internet im EU-Ausland dürfen keine höheren Kosten verursachen, als im Heimatland fällig wären. Doch es gibt dennoch Kostenfallen. Vorsicht also in der Luft, auf See oder außerhalb der EU.

Darauf haben viele gewartet: Endlich keine teuren Roaming-Gebühren mehr bezahlen, wenn man unterwegs im EU-Ausland ist. Der kurze Gruß aus dem Urlaubsland, das Foto von der Sehenswürdigkeit – ob aus Rimini oder Oslo: Der Preis ist laut allnetflatvergleich.de derselbe, wie daheim. Es kann also munter drauflos telefoniert und gesurft werden. Doch Vorsicht: Tun Sie das erst, wenn Sie auch wirklich mit einem Mobilfunkmast im Urlaubsland verbunden sind.

Telefon- und Internetverbindungen auf einem Kreuzfahrtschiff werden über Satellit abgewickelt. Das kostet eine ordentliche Stange Geld.
Das kann richtig ins Geld gehen: Wer an Bord eines Schiffes sein Handy benutzt, erlebt mit der nächsten Rechnung eventuell eine böse Überraschung. Quelle: Maridav – 557477050 / Shutterstock.com

Telefonieren und Surfen im Flugzeug: Ein teurer Spaß

Längst vorbei sind die Zeiten, in denen man im Flieger das Smartphone strikt ausstellen oder auf „Flugmodus“ stellen musste. Seit 2014 erlaubt die europäische Aufsichtsbehörde ESA die Nutzung elektronischer Geräte im Flugzeug. Telefonieren ist allerdings nach wie vor verboten, weil sich die Mitreisenden gestört fühlen könnten. Ansonsten muss nur bei Start und Landung das Handy aus- oder auf Flugmodus gestellt werden. In der übrigen Zeit dürfen Passagiere ihre Geräte nutzen. Dazu haben sie zwei Möglichkeiten:

  • über WLAN
  • über Satellit

Surfen im Flieger über WLAN

Das bieten immer mehr Airlines an: WLAN im Flugzeug. Vor allem auf Langstreckenflügen kann das sehr angenehm sein. Die Kosten werden extra berechnet, in der Regel mit der Kreditkarte. Wählen kann man zwischen ganzen Paketen oder der stundenweisen Abrechnung. Die Kosten für diesen Service können Sie bei der Fluggesellschaft nachfragen. Einige bieten es sogar kostenlos an.

Surfen im Flieger über Satellit

Das wird richtig teuer! Die Quittung bekommen Sie am Monatsende auf Ihrer Telefonrechnung. Die Datenverbindungen können bis zu 30 Euro pro Megabyte (!) kosten. Die Roaming-Verordnung der EU gilt nicht wenn man sich über einen Satelliten einwählt. Sie gilt nur für sogenannte „terrestrische Verbindungen“. Da der Satellit jedoch sozusagen „außer-terrestrisch“ ist, kann es im Anschluss zu Schnappatmung kommen, wenn die Rechnung ins Haus trudelt.

Tipp: Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, schaltet sein Handy im Flieger ab oder auf Flugmodus. Ansonsten gilt: Vorher bei der Airline die Preise fürs WLAN checken und dann die Internetverbindung über das bordeigene WLAN herstellen.

Wie die Kreuzfahrt zur Kostenfalle wird

Herrlich. Blauer Himmel, sanfte Wellen, leise Musik und das zarte Brummen der Motoren. Noch schnell ein kurzer Anruf daheim, ein Foto via Internet verschickt, damit alle teilhaben können, wie super es an Bord auf hoher See ist. Zuhause macht dann die Handyrechnung die Urlaubserholung mit einem Schlag wieder zunichte. Denn die Nutzung des Smartphones auf einem Schiff kann dermaßen ins Geld gehen, dass man dafür glatt nochmal verreisen könnte.

Bis zu 5 Euro pro Gesprächsminute und ein Vielfaches mehr für jedes übertragene Megabyte an Daten. Wie hoch diese Preise sind, darüber halten sich die Reedereien und Anbieter bedeckt.

An Bord nur über Satellit

Telefon- oder Datenverbindungen funktionieren an Bord eines Schiffes ausschließlich über Satellit. Es kommt darauf an, welcher Satellit genutzt wird und welcher Anbieter dahinter steckt. Die Reedereien haben Verträge mit den Satellitenbetreiber geschlossen. Auch die Telefonanbieter unterhalten solche Verträge. Wer also ist zuständig? Das steht spätestens auf der Rechnung.

Vorsicht auch an Land

Die Abschaffung der Roaming-Gebühren gilt nicht für Schiffe. Auch dann nicht, wenn diese in europäischen Gewässern ihre Kreise ziehen. Denn damit die Roaming-Verordnung greift, braucht es eine Verbindung zu einem Mobilfunkmast auf dem Land. Das ist oft nicht einmal in Küstennähe möglich. Selbst bei einem Landgang kann es vorkommen, dass sich Ihr Handy immer noch mit dem Bordnetz verbindet, obwohl Sie schon lange an Land sind. Dann würden die Verbindungen nach wie vor via Satellit stattfinden. Achten Sie also unbedingt darauf, dass Sie auch wirklich das örtliche Mobilfunknetz nutzen.

Schalten Sie an Bord Ihr Smartphone aus

Wenn Sie nicht gerade mit Geld um sich werfen können, ist der einzig vernünftige Rat: Handy an Bord abschalten! Bedenken Sie, dass auch ankommende Gespräche Geld kosten. Oft mehr als 1 Euro pro Minute. Auch die Mailbox sollten Sie ausschalten. Am besten Sie richten eine absolute Rufumleitung während Ihrer Reise ein, damit nur ja nichts bei Ihnen ankommt. Denn Vorsicht: Handys gehen heutzutage selbstständig online, etwa um Daten im Hintergrund zu synchronisieren oder Apps zu aktualisieren. Das kann an Bord eines Schiffes teuer werden.

Zwar bieten einige Reiseanbieter bereits WLAN-Pakete an, diese sind aber ebenfalls so teuer, wie einst, als wir uns noch mit einem Modem einwählen mussten. Auch die Geschwindigkeit ist ähnlich, denn je nach Auslastung des Satelliten kann es schon einmal mehrere Minuten dauern, bis die E-Mail bei Ihnen angekommen ist. Im Schnitt liegen die Preise für die Nutzung des bordeigenen WLAN bei 19 bis 49 Cent. Pro Minute. Auch Stundenpakete zu weit über 10 Euro sind möglich. Volumentarife sind auf dem Meer eher selten. Auf den AIDA-Schiffen werden Datenpakete zwischen 250 MB und 3 GB angeboten. Zum Preis zwischen 25 und 99 Euro.

Roaming-Gebühren außerhalb der EU gelten weiter

Wen es weiter hinauszieht, wer Europa also verlässt, sollte sich ebenfalls auf höhere Handykosten einstellen. Deshalb sollte man sich vorab bei seinem Anbieter informieren, welche Möglichkeiten der Kostenreduzierung es gibt. Einige Provider bieten Tages- oder Wochenpässe für das betreffende Reiseziel an. Damit entstehen, zumindest während dieses Zeitpunkts, keine weiteren Kosten. Behalten Sie aber Ihr Datenvolumen bzw. Telefonverhalten im Blick. Denn wenn Ihr Pass aufgebraucht ist, geht es zu den Konditionen des Providers Ihres Urlaubslandes weiter.

Eine Alternative könnte auch sein, wenn Sie eine Prepaid-Karte am Reiseziel kaufen. Damit telefonieren und surfen Sie zu den Konditionen des Anbieters im jeweiligen Land. Aber Achtung: Wenn Sie im Ausland sind und zuhause anrufen wollen, checken Sie die Preise dafür. Eventuell ist es günstiger, nur die Datenverbindung zu nutzen und Telefonate über Messenger-Dienste abzuwickeln.

Fazit

Die Roaming-Gebühren innerhalb Europas gibt es nicht mehr. So schön das klingt, so kostenintensiv kann das aber auch sein. Denn die Richtlinie gilt nur dann, wenn Sie auch wirklich über einen Mobilfunkmast im Reiseland verbunden sind. Im Flugzeug und auf Schiffen funktioniert das in der Regel nicht, sodass auf Satelliten-Verbindungen zurückgegriffen wird. Und das wird teuer.

Veröffentlicht von:

Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou ist Mitglied in der MiNa-Redaktion und schreibt über Wirtschaftsverbände, Macher im Mittelstand, Produkte + Dienstleistungen, Digitale Wirtschaft und Familienunternehmer.
Mail: [email protected]
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