Bald ist es wieder soweit: Die fünfte Jahreszeit steht vor der Tür. Doch während manche schon in den Startlöchern stehen, überlegen andere noch, wo sie am besten ein Kostüm finden können.

In den letzten Jahren hat es sich immer mehr etabliert, ganz praktisch Kostüme online zu kaufen und sich so das lästige Schlange stehen und Tüten tragen im Laden zu ersparen. Doch welche Zahlen stecken eigentlich hinter dem Karnevalsgeschäft und welchen Einfluss hat es auf die Wirtschaft?

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Allein in der Karnevalssaison 2010/11 haben die Feierwütigen bundesweit 1,4 Mrd. Euro ausgegeben. Zum Vergleich: Diese Zahl entspricht ungefähr dem Bruttoinlandprodukt einiger karibischer Inselstaaten, wie zum Beispiel St. Lucia. Hiervon entfielen allein 43% auf Nordrhein-Westfalen. Dies ist nicht gerade verwunderlich: Das Bundesland beherbergt mit Köln und Düsseldorf die beiden Karnevalshochburgen schlechthin.

In der Saison 2015/16 machten allein die Kostümhersteller einen Umsatz von 288,9 Millionen Euro. Eine unvorstellbar hohe Summe, welche sich jedoch ganz einfach mit der regelrechten Verkleidungssucht der Deutschen erklären lässt: Man geht allein davon aus, dass circa 1 Mio. Perücken verkauft wurden, ganz zu schweigen von anderen Artikeln, wie beispielsweise Erwachsenen- und Kinderkostümen, Hüten und Schminksets.

Doch nicht nur die Verkleidungsbranche macht in der fünften Jahreszeit das Geschäft ihres Lebens: Auch die Infrastruktur verdient ordentlich mit. Hier sind es vor allem Bus- und Taxiunternehmen, welche ihren Profit mit der Fahruntüchtigkeit alkoholisierter Karnevalsteilnehmer machen. Mit 10.000 bis 12.000 Teilnehmern am Karnevalsumzug lockt die Stadt rund eine Million Besucher jährlich an, und die sind meistens sowohl hungrig als auch durstig. Rund 300 Tonnen Süßigkeiten werden in der Rheinstadt unter die Feiernden geworfen, hiervon allein 700.000 Tafeln Schokolade. Doch auch weniger offensichtliche Ausgaben fallen ins Gewicht, so beispielsweise die Baumaterialien der einzelnen Wägen. Manche Schätzungen sprechen hier von bis zu 4 Kilometer Dachlatten, mehr als 15 Kilometer Draht und fast 2 Tonnen Nägel und Schrauben allein in Köln.

Doch der große Gewinner des Karnevalsgeschäfts ist häufig ein ganz anderer: Die Gastronomie. Kneipen in der Kölner Innenstadt machen in den Tagen zwischen Weiberfastnacht und Karnevalsdienstag teilweise fast ein Drittel ihres Jahresumsatzes. Diese Zahlen stechen sogar die des Weihnachtsgeschäfts aus: Hier sind es Spielwarenhändler, welche circa ein Viertel ihres Jahresgeschäfts im November und Dezember machen.

Aus all diesen Zahlen ist vor allem eins ersichtlich: Die deutsche Wirtschaftskraft wird durch den Karneval stark vorangetrieben. Wir sind nun mal ein feierwütiges Volk – und, was noch wichtiger ist, wir sind „alle jeck“.

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: redaktion@mittelstand-nachrichten.de

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