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Digitale Plattformen sind die Zukunft im verarbeitenden Gewerbe: Ein Interview mit Plattformexperten Gerd Bart

Das verarbeitende Gewerbe ist eines der wichtigsten Säulen der Wirtschaft: Rund 5,5 Millionen Beschäftigte in mehr als 200.000 Unternehmen erzielen einen Umsatz von fast 500 Milliarden Euro. Auch diese zentrale Branche hat im Bereich Digitalisierung noch viel Arbeit vor sich, so Gerd Bart, Gründer und Geschäftsführer von Transaction-Network.

Mit welchen Herausforderungen wird die Branche aktuell konfrontiert?

Eine der größten Herausforderungen betrifft die grundsätzliche Voraussetzung für alle erfolgreichen Digitalisierungsprojekte: Die Bereinigung und Harmonisierung von Daten. Dies wird oft unterschätzt, ist aber die nötige Grundlage für alle dann kommenden Anforderungen. Dazu kommen zum Teil hohe zeitliche und finanzielle Investitionen, die Digitalisierungsprojekte mit sich bringen können. Und natürlich ist es auch entscheidend, ob für herausfordernde Projekte intern die nötige Kompetenz vorhanden ist.

Welche Entwicklungen haben in den vergangenen Jahren zu der jetzigen Situation geführt?

Angesichts der vergangenen, wirtschaftlich sehr unruhigen zwei Jahre haben sich viele Unternehmen schlicht zu wenig mit den drängenden Digitalisierungsfragen beschäftigen können, was ja nachvollziehbar ist. Aber darüber wurde vielerorts der Aufbau von digitalen Organisationen im Unternehmen versäumt. Und auch die Chefetagen haben keinen ausreichenden Fokus auf dieses Thema gelegt.

Welche Lösungen gibt es für Hersteller und Industrieunternehmen, die durch die aktuellen Krisen unter Liquiditätsdruck stehen?

Es gibt mehrere Ansatzpunkte, um die sicher noch länger unruhig bleibenden Zeiten zu meistern: Auch wenn es nicht blitzschnell umsetzbar ist, sollten aber doch die Möglichkeiten geprüft werden, zusätzlich neue Geschäftsfelder zu erobern. Man kann aber auch das Geschäft auf subscription-fee umstellen, was mehr Sicherheit bringt. Und auch der Verkauf digitaler Lösungen und Mehrwertdienste wird sicher noch lange vielversprechend sein. Das immer mehr Kunden mehr und besseren Service erwarten ist für Anbieter eine gute Positionierungs- und Verkaufschance. Service muss schließlich bezahlt werden.

Weshalb sind der After-Sales-Prozesse im Hinblick auf Optimierung und Digitalisierung besonders interessant?

Weil hier mit digitalen Möglichkeiten die größten Benefits erreicht werden können. Ein Beispiel: Condition Monitoring. Durch die Zustandsüberwachung von Maschinen kann permanent optimiert werden.

Welche Aspekte bergen das meiste Potenzial für eine Effizienzsteigerung?

Ganz entscheidend ist es Plattformen zu entwickeln und anzubieten, auf denen mit Kunden gemeinsam in digital Prozessen gearbeitet wird. Ich kann heute problemlos eine Stahlwalz-Straße in Indien vom Homeoffice in Bayern aus monitoren oder die Anpassung von Produkten noch während des Herstellungsprozesses mit dem Kunden zusammen vornehmen. Solche schlanken und digitalen Prozesse im Customer-Service werden langsam zum Standard: Ziel sollte es sein, eine Informationsplattform mit allen Informationen für alle am Prozess beteiligte (Hersteller, Kunde, Servicemitarbeiter) vorzuhalten. Damit können Informationen immer so an den Anwender geliefert werden, so dass diese zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Und letztlich die Zustandsüberwachung von Maschinen und die vorausschauende Wartung um Geschäftsprozessen anzustoßen.

Wie können Unternehmen ihre Nachhaltigkeit durch digitale Lösungen spürbar verbessern?

Ein Beispiel: Durch ein „digital only Concept“ kann auf Tonnen von Papier für Dokumentation verzichtet werden. Aber es kann natürlich nicht nur Papier eingespart werden: Durch digitale gemeinsame Prozesse auf Plattformen entfallen Wegstrecken per Auto oder Flugzeug und so reduziert sich massiv der CO2 Ausstoß. Und bei vielen Bauteilen zum Beispiel können Lösungen wie 3D-Druck dazu beitragen, dass Equipment-Teile gar nicht per LKW oder Flugzeug versendet werden müssen.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Branche für die kommenden Jahre ein?

Es wird ein massives Umdenken geben. Die Unternehmen, die anfangen konsequent zu digitalisieren und dies als strategische Komponente verstehen werden langfristig überleben. Dazu gehört die Fokussierung auf die Digitalisierung an der Maschine und an der Anlage. Gleichzeitig wird die Nutzung von „Software as a service“ für Geschäftsprozesse immer wichtiger, weil dies ein Höchstmaß an Flexibilität bringt und kein Kapital bindet. Plattformen als solche SaaS-Angebote werden den Herstellern massiv helfen. Zusammen mit dem Kunden werden immer mehr solcher digitaler Ökosysteme entstehen.

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