Neuenhaus. Mit exakt 169.728 Spindeln arbeitet die weltweit größte Ringspinnerei im indischen Anjar. Bei der Automatisierung der riesigen Betriebsstätte des Welspun-Konzerns, einem multinationalem Unternehmen in den Sparten Stahl, Energie und Textil, hat ein deutsches Unternehmen aus Niedersachsen superlative Spuren hinterlassen: die im VDMA engagierte Neuenhauser Maschinenbau GmbH aus dem gleichnamigen Ort an der niederländischen Grenze.

55 Schienenkilometer wurden allein für den Flyerspulen-Transport montiert, ausgestattet mit 944 Weichen, auf denen sich 872 Spulenzüge, geführt und überwacht von mehr als 1.000 Sensoren, bewegen. Über 15 Kilometer Kabel sowie zwei Kilometer Lichtwellenleiter sind verbaut, um die riesige Anlage über ein zentrales Terminal zu steuern. Hier lässt sich ahnen, wie sich das Projekt Industrie 4.0 – die Verschmelzung von Informationstechnologie und Maschinenbau – auf die zukünftige Industrieproduktion auswirken wird. Wer eine von Neuenhauser mitprojektierte Spinnerei betritt, wähnt sich in einer Maschinenwelt wie aus einem Science-Fiction-Film: In riesigen, fast menschenleeren Hallen verrichten Automaten völlig selbstständig unterschiedlichste Arbeiten. Auch das Bestücken und Entladen der Maschinen, der Transport sowie das Verpacken der Spulen erfolgen ganz ohne menschliches Zutun.

Quelle: Neuenhauser

Quelle: Neuenhauser

Trotz aller Automatisierungsfortschritte: „Zu Industrie 4.0 ist es noch ein weiter Weg“, sagt Geschäftsbereichsleiter Wilhelm Langius. „Mit dem Einzug der Internet-Technologien werden die Daten die Fabrik verlassen müssen. Hier muss die Sicherheit ganz oben stehen.“ Wenn diese Problematik gelöst sei, werden die vernetzten Produkte, Geräte und Anlagen direkt untereinander interagieren können und die Produktion deutlich effizienter und flexibler machen, ist Langius überzeugt.

In immer mehr Spinnereien übernehmen Automaten die für Menschen schweren, unhandlichen Arbeiten. Bei Handhabung, Transport und Verpackung der gewichtigen Natur- und Chemiefaser-Garnspulen kommt die innovative Technik der 1955 gegründeten Firma ins Spiel. Das Unternehmen ist international führend in der automatisierten Handhabung und dem Transport von Natur- und Chemiefaser- Garnspulen sowie deren Verpackung. Neuenhauser-Technik ist weltweit in vielen Anlagen zu finden; 80 Prozent gehen in den Export. Die Unternehmensgruppe beschäftigt derzeit insgesamt ca. 2.500 Mitarbeiter an mehr als 25 Produktionsstätten sowie Service- und Vertriebsgesellschaften. 2014 erwirtschaftete sie einen Umsatz von 380 Mio. Euro.

Auf der Textilmaschinen-Fachmesse ITMA im November in Mailand werden neue Automatisierungslösungen für den automatischen Abtransport von Kreuzspulen von Spulmaschinen sowie für Palettierung und Verpackung präsentiert.

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Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected]
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