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Neue Rollenbilder in Werbung und Kommunikation

Pam Grossmann (Director, Visual Trends bei Getty Images) stand uns vor wenigen Tagen für ein Interview zur Verfügung:

Mina: Frau Grossman, Sie sind einer der führenden Köpfe des globalen Creative Research-Teams. Seit wann sind Sie in dieser Position beschäftigt und welche Aufgaben liegen auf Ihrem Tagesplan?

Pamela Grossmann - Quelle: LeanIn
Pamela Grossmann – Quelle: LeanIn

Pam Grossmann: Ich bin seit zwölf Jahren bei Getty Images beschäftigt und leite das North American Creative Research Team. In dieser Funktion trage ich die Verantwortung für Untersuchungen zu visueller Kultur und kundenorientierten Prognosemethoden, auf denen die weltweite Planung unseres Angebots an kreativen Bildern auf unserer Website gettyimages.com aufbaut. Einfach gesagt ist es meine Aufgabe, unser internationales Team von Fotografen und Videofilmern anzuleiten, die heute die Bilder von morgen schaffen. Außerdem bin ich für die „Lean In Collection“ von Getty Images zuständig

Sie haben einen Abschluss in Kulturanthropologie. Haben Sie schon immer mit dem Gedanken gespielt, einmal in dieser Richtung tätig zu werden?

PG: Ich würde gerne ja sagen. Aber ehrlich gesagt wusste ich noch nicht einmal, dass es so eine Position gibt, als ich noch eine Studentin an der New York University war. Ich wusste, dass ich mich unheimlich gerne damit befasse, wie sich Bilder auf unser Bewusstsein auswirken, wie sie unsere Gefühle beeinflussen, unsere Wahrnehmung verändern und unsere Ziele und Motivation inspirieren. Ich habe mir also eine ziemlich ungewöhnliche Kombination zusammengebastelt: Kulturanthropologie im Hauptfach sowie Kunstgeschichte, kreatives Schreiben und Religionswissenschaften als Nebenfächer. Für Religionswissenschaften habe ich mich entschieden, um mich mit Mythologie und Sinnbildung in verschiedenen Kulturen auseinandersetzen zu können. Ich hatte großes Glück, dass mir diese seltene Kombination letztlich eine großartige Grundlage für die Art von Arbeit geboten hat, die ich heute bei Getty Images mache. Ich habe gelernt, Symbole und Bilder zu analysieren und zu erkennen, wie Menschen sie in ihrem Leben einsetzen.

Yuri Acures/iStock by Getty Images
Yuri Acures/iStock by Getty Images

Sie und Ihre Kollegin, Frau Jessica Bennet leiten die neue Lean In Collection. Mit wie vielen Fotografien und mit welcher Art von Fotografie beschäftigen Sie sich überwiegend?

PG: Jessica ist Journalistin und Contributing Editor bei LeanIn.Org. Sie ist keine direkte Kollegin, aber jemand, mit dem ich sehr eng am Aufbau der Lean In Collection – mit mehreren Hundert neuen Bildern pro Monat – zusammenarbeite. Wir haben die Kollektion letztes Jahr mit 2.500 Bildern ins Leben gerufen und konnten die Sammlung bislang mehr als verdoppeln. Heute sind wir sehr stolz darauf, dass die Lean In Collection schon über 6.000 Bilder zählt. Seit Kurzem steht die Kollektion jetzt auch auf iStock by Getty Images zur Verfügung. So kann wirklich jeder auf diese Bilder zugreifen, unabhängig vom Budget – es gibt also keinen Grund mehr, sie nicht zu verwenden!

Gremlin/ iStock by Getty Images
Gremlin/ iStock by Getty Images

Was ist die Lean In Collection? Was ist das besondere dieser Bilderauswahl und an wen sind die Bilder gerichtet?

PG: Die Lean in Collection ist eine Sammlung eindrucksvoller Bilder von Frauen, Mädchen und den Gemeinschaften, die sie unterstützen. Sie ist in Zusammenarbeit mit LeanIn.Org entstanden, einer gemeinnützigen Organisation zu Förderung von Frauen, die von Facebook-COO Sheryl Sandberg gegründet wurde. Das Besondere an der Lean In Collection ist, dass sie Bilder zu Tage fördert beziehungsweise ihnen eine Plattform bietet, die uns einen realistischeren Zugang zu heutigen Geschlechterrollen eröffnet. Die Darstellung von Frauen in den Medien ist historisch gesehen ein echtes Problem – und wir haben erkannt, dass wir die Macht haben, einen Wandel dieser visuellen Darstellungen anzustoßen.

Pixdeluxe/ iStock by Getty Images
Pixdeluxe/ iStock by Getty Images

Es ist wirklich spannend zu beobachten, wie viele Unternehmen auf unserer Seite sind. Tausende Bilder aus vielen verschiedenen Branchen wurden im Rahmen der Kollektion lizenziert. Dabei sind Finanz- und Technologieunternehmen mit am stärksten vertreten – zwei Branchen, die sich aktiv bemühen, verstärkt auch Frauen anzusprechen.

Wir freuen uns wirklich sehr, diese Kollektion nun auch auf iStock bereitzustellen. In den letzten drei Jahren haben wir beobachtet, dass Anfragen mit dem Suchbegriff „weibliche Führungskraft“ gewaltig angestiegen sind – genauer gesagt um das 22-fache! Die Nachfrage nach diesen Bildern spricht für sich und unterstreicht ihre Bedeutung. Deswegen ist es so wertvoll, dass wir das Bildportfolio nun einem größeren und vielfältigeren Pool an Nutzern zur Verfügung stellen können. Die Lean In Collection auf iStock umfasst über 1.000 exklusive Signature-Bilder, die mit kreativem Know-how und unter der künstlerischen Leitung von Getty Images produziert und von Jessica und mir sorgfältig zusammengestellt wurden. Wir werden die Kollektion ständig erweitern und haben in einem weltweiten Aufruf alle dazu aufgefordert, uns ihre persönlichen Lean-In-inspirierten Bilder für unsere Sammlung zur Verfügung zu stellen.

Welchen Trends bedient sich die Lean in Kollektion verglichen mit konventionellen Stock Bildern? Warum gibt es die Kollektion jetzt auf iStock?

PG: Im Gegensatz zu einem Großteil der bereits im Markt und in den Medien verfügbaren Bildern zeigt die Lean In Collection Frauen, die nicht passive Nebendarsteller oder schmückendes Beiwerk sind, sondern im Mittelpunkt ihrer eigenen Geschichten stehen. Diese Bilder sind authentisch, eindrucksvoll und haben keinen offen sexualisierten Charakter. Sie porträtieren Frauen als vielseitige und dynamische Persönlichkeiten.

Wir haben außerdem darauf geachtet, auch andere positive Geschlechtertrends zu berücksichtigen. Dazu zählt z.B. die zunehmende Präsenz von Frauen in MINT-Branchen, geschlechtsneutrales Spielzeug für Kinder, Transgender-Menschen und alternative Familienkonstellationen einschließlich Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern.

People Images/ iStock by Getty Images
People Images/ iStock by Getty Images

Was macht die Bilder der Lean In Kollektion so interessant für den Mittelstand? Können Sie uns ein paar Tipps geben, wie man die richtige Bildsprache für sein Unternehmen findet?

PG: Die Lean in Collection ist besonders wichtig für kleine und mittelständige Unternehmen, welche die hochwertigen, relevanten und eindrucksvollen Bilder nutzen können, um sich positiv von größeren, weniger inspirierenden Kampagnen abzuheben. Die Verbraucher sind schlau. Sie haben kein Interesse an überholten Bildern und bevorzugen Marken, die sich einer modernen visuellen Sprache bedienen. Bei der Bildauswahl sind zwei Dinge essentiell: Sie müssen authentisch sein und ein Zugehörigkeitsgefühl vermitteln. Die Kunden von heute wollen keine perfekten Models, die alle gleich aussehen. Es ist wichtig, dass Marken in Ihren Kampagnen und Projekten Menschen aller Altersgruppen und verschiedener Geschlechter, Figurtypen und Hintergründe zeigen.

Ich empfehle außerdem, Bilder auszuwählen, welche die Betrachter emotional berühren und in ihren Bann ziehen. Es stehen einem heutzutage so viele wunderschöne Bilder zur Verfügung, mit großer Detailtiefe und interessanten Winkeln, Farben und Perspektiven. Sie wollen die Sinne der Betrachter ansprechen, ihre Aufmerksamkeit fesseln und eine Verbindung zwischen dem Bild und den Betrachtern herstellen.

Andrew Rich/ iStock by Getty Images
Andrew Rich/ iStock by Getty Images

Zu guter Letzt: Momentan läuft ein weltweiter Wettbewerb zum Thema. Wer kann hier beitragen und was für Bilder werden gesucht?

PG: Jeder kann Bilder einschicken! Wir freuen uns auf Bilder, die zeigen, wie Frauen heute in der Werbung dargestellt werden sollen.

Hier sind ein paar Beispiele für die Art von Bildern, die wir gerne zugeschickt bekommen würden:

  • Frauen jeden Alters und mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, die Unternehmen führen, Sitzungen leiten, Reden halten und die im Berufsleben in der ersten Reihe und im Zentrum des Geschehens stehen
  • Aktive, souveräne und selbstbewusst Frauen
  • Frauen oder Mädchen in MINT-Bereichen
  • Sportlerinnen, die stark und erfolgreich sind
  • Mädchen, die Geschlechterstereotype überwinden, laute Instrumente spielen, Roboter bauen, im Unterricht aufzeigen, Sport treiben und dabei selbstbewusst wirken und sich in ihrer Haut wohlfühlen
  • Männer, die zu Hause und bei der Arbeit hilfsbereit sind, die zuhören, sich um die Kinder kümmern, Hausarbeiten erledigen, sanft und liebevoll sind

Die Welt verändert sich – und wir wollen Bilder sehen, die diese Veränderungen widerspiegeln. Denn man kann nicht sein, was man nicht sehen kann!

Ein Ausblick auf den Fotowettbewerb finden Sie hier: http://competitions.gettyimages.com/de

Yuri Acures/iStock by Getty Images
Yuri Acures/iStock by Getty Images

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected]
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