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Mercedes-Benz feiert Richtfest der weltweit modernsten Crashtestanlage

Sindelfingen. Etappenziel erreicht: Nach dem Baustart im Juli 2013 wurde vor rund 350 Gästen heute Richtfest für die modernste Crashtestanlage der Welt gefeiert. Das neue Testzentrum hat eine Dimension von 270 mal 170 Metern mit einer innen liegenden, stützenfreien Versuchshalle – das Herzstück der Crashanlage – von 90 mal 90 Metern, um zukünftig auch vielfältige Kreuzungs- und Vorunfallsituationen nachstellen zu können. Damit ist die Fläche der Versuchshalle deutlich größer als ein herkömmliches Fußballfeld. Die Investitionssumme beläuft sich auf einen dreistelligen Millionenbetrag, der Startschuss für den Versuchsbetrieb ist für den Herbst 2016 geplant.

Richtfest Crashtestanlage Sindelfingen - Quelle: Daimler AG
Richtfest Crashtestanlage Sindelfingen – Quelle: Daimler AG

„Als Sicherheitspionier hat Mercedes-Benz entscheidend dazu beigetragen, dass Crashtests in der Automobilindustrie heute weltweit etabliert sind. Auch im Zeitalter der Computersimulation bleiben sie unverzichtbar und stellen das hohe Niveau an Passiver Sicherheit unserer Fahrzeuge sicher“, so Thomas Merker, Direktor für Karosserie und Sicherheit bei der Mercedes-Benz Cars Entwicklung. „Mit dem neuen Technologiezentrum Fahrzeugsicherheit (TFS) knüpfen wir an diese Vorreiterrolle an. In der weltweit modernsten Crashtestanlage werden wir künftig alle Crashtests intern durchführen können – sowohl mehr Crashtests aufgrund des steigenden Produktportfolios als auch Crashtests mit zukünftigen, neuen Konfigurationen.“

Kollisionen mit unterschiedlichsten Aufprallwinkeln bis hin zur Kreuzungskollision wurden bei der Konzeption der Anlage ebenso berücksichtigt wie die besonderen Anforderungen, die Fahrzeuge mit alternativem Antrieb im Crashfall stellen. Ferner möchte Mercedes-Benz im TFS die Potenziale von PRE-SAFE® und Assistenzsystemen bei einem Crash weiter erforschen. Um dabei die Vorunfallphase darstellen zu können, ist in der Crashanlage ein automatisiertes Fahrsystem für diese Fahrzeuge geplant. Auch für Crashtests mit großen Nutzfahrzeugen ist die Anlage ausgelegt. In einem Schlittenprüffeld sind zudem Tests einzelner Komponenten wie Rückhaltesysteme möglich.

Insgesamt wird das TFS über eine Fläche von 55.000 Quadratmetern verfügen. Herzstück ist die 90 mal 90 Meter große Versuchshalle, bei der komplett auf Stützen verzichtet wurde. Zu den baulichen Besonderheiten zählt ebenso die Temperierung mit Hilfe der Abwärme der benachbarten Klimawindkanäle. Drehbare Crashblocks, die an jeder Seite eine andere feste Barriere für eine besondere Crashtestkonfiguration besitzen, verkürzen künftig die Umrüstzeiten und gestalten den Crashtestbetrieb noch effizienter. Das gilt auch für die Fahrzeugvermessung, die in Zukunft teilautomatisiert abläuft, indem sich das Fahrzeug auf einem Drehteller vor der Kamera bewegt. Die neue digitale Messtechnik der Dummys mit nur noch einer Datenleitung löst die analoge Crashmesstechnik der Dummys ebenfalls demnächst ab.

Das Unternehmen investiert für die gesamte Baumaßnahme einen Eurobetrag in dreistelliger Millionenhöhe. Das neue TFS ermöglicht künftig eine noch engere Verzahnung zwischen Forschung, Entwicklung, Planung und Produktion am Standort Sindelfingen. In unmittelbarer Nähe wurden 2010 der neue Fahrsimulator, 2011 die neuen Klimawindkanäle und 2013 der neue Aeroakustik-Windkanal in Betrieb genommen.

Crashtests seit 55 Jahren: Sicherheitspionier Mercedes-Benz

Am 10. September 1959 findet der erste Crashtest in der Geschichte von Mercedes-Benz statt – auf einer Freifläche in der Nachbarschaft des Werkes Sindelfingen. Ein Versuchswagen wird frontal gegen ein festes Hindernis gesteuert. Damit tritt die Sicherheitsforschung der Marke in eine neue Ära ein. Denn nun lässt sich das Verhalten von Fahrzeugen und Insassen bei Autounfällen anhand der Testwagen und Versuchspuppen realitätsnah untersuchen. Bei diesen Arbeiten setzt Mercedes-Benz in den nachfolgenden Jahrzehnten immer wieder Standards, die branchenweit Gültigkeit haben und somit die Fahrzeugsicherheit zum Wohle aller Verkehrsteilnehmer nachhaltig verbessern.

Bleibt es in den ersten Jahren noch bei wenigen Unfallversuchen, etabliert sich das Verfahren seit den 1960er Jahren zunehmend als zuverlässiges Werkzeug zur Optimierung und Prüfung der Fahrzeugsicherheit. Neben Personenwagen werden bei Mercedes-Benz auch Transporter und Nutzfahrzeuge bis hin zum Reisebus gründlichen Crashtests unterzogen. Die erste Crashanlage unter einem Dach weiht Mercedes-Benz im Jahr 1973 ein.

Bei den Unfallversuchen geht Mercedes-Benz immer über die Zahl und den Aufwand der gesetzlich vorgeschriebenen Tests hinaus: Zum aktuellen Entwicklungsprogramm eines neuen Modells bis zur Serienreife gehören zirka 15.000 wirklichkeitsgetreue Crashtest-Simulationen und über 150 Crashtests. Dazu zählen außer den rund 40 verschiedenen Aufprallkonfigurationen, die für Ratings und die weltweite Zulassung eines Fahrzeugs vorgeschrieben sind, auch besonders anspruchsvolle Crashversuche wie der Dachfalltest, die das Unternehmen ergänzend durchführt.

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected]
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