Berlin – Ob Digitalisierung, Industrie 4.0 oder das Internet der Dinge – die stärkere technologische Vernetzung stellt den Mittelstand vor Herausforderungen.

Die intelligente Vernetzung von Geräten und Maschinen über das Internet geht über das, was Industrie 4.0 als smarte Fabriken propagiert, hinaus und bietet für Mittelständler eine Vielzahl neuer Chancen. Allerdings erfordert dies auch eine schnelle Reaktion.

„In dieser Netzwerkwirtschaft geht es nicht mehr um Produkte, sondern um Angebotssysteme, deren Hauptbestandteil Software und Services sind. Jedes Produkt hat einen digitalen Zwilling, der die Tür zu einem Kosmos an Mehrwerten bietet, die von verschiedenen Anbietern stammen.“ Folglich sind alle Marktteilnehmer miteinander verbunden und der B2C und B2B Markt verschmelzen miteinander. Demzufolge müssen Produkte und Services überdacht und neu ausgerichtet werden, Prozesse digitaler gestaltet, Technologien implementiert und Modelle von Führung und Zusammenarbeit an diesen Wandel angepasst werden.

Führung digital in der Netzwerkwirtschaft: Herausforderung für den Mittelstand

Quelle: AVENUE GmbH

Als Organisationsberater und Sparringspartner von Geschäftsführungen und Führungsteams im Mittelstand fokussieren wir uns weniger auf das WAS, als das WIE sich dieser Wandel in mittelständischen Unternehmen gelungen vollziehen kann. Denn aus unserer Erfahrung beginnt ein solcher Wandel nicht mit der Technik, sondern in den Köpfen der Menschen. Es braucht fitte Führungskräfte, um den digitalen Wandel und den damit einhergehenden Kulturwandel im Unternehmen zu realisieren.

Wir kennen den Kampf zwischen Verharrenden („Wir waren immer gut. Wir sind stolz auf unsere Produkte. Es soll bleiben, wie es ist.“) und den dynamischen Veränderern („Wir dürfen die digitale Wende nicht verschlafen.“), der oft zugunsten des Abwartens ausgeht. Laut Wirtschaftswoche „schweigen viele deutsche Mittelständler lieber, wenn sie auf die Digitalisierung angesprochen werden. Angst vor Kosten, fehlenden Strategien und mangelnder Sicherheit gefährden so ihre Zukunft.“

Wenn Sie als Geschäftsführung Ihr Unternehmen auf den digitalen Wandel vorbereiten wollen, gilt es vor allem eine klare Strategie zu haben, die Antworten auf die wesentliche Fragen zur digitalen Transformation gibt. Im Idealfall entwickeln Sie diese Antworten gemeinsam mit Ihrem Führungsteam und nehmen den digitalen Change in die gemeinsame Führungsverantwortung.

Führung digital – Fragen für Ihr Führungsteam:

Auswirkungscheck: Welche Auswirkungen hat der digitale Wandel auf Ihr Geschäft in den nächsten Jahren? Wo sind schon jetzt Anzeichen erkennbar? Wo sehen Sie gute Beispiele in Ihrer (oder benachbarte) Branchen?

Rundumblick: Wie kann die stärkere Vernetzung von Geräten und Maschinen über das Internet Teil Ihrer Geschäfts- und Produktionsprozesse werden? Wie werden Sie in 3-5 Jahren mit Kunden kommunizieren? Wie werden Sie neben Ihren bisherigen Angeboten Geschäft generieren? Was bedeutet das für Ihr Geschäftsmodell? Welche technischen Entwicklungen sollten Sie heute bereits einplanen?

Digitale Strategie: Was ist Ihr größeres Ziel, um Ihr Unternehmen digitaler zu machen? Welche Rolle wollen Sie in der Netzwerkwirtschaft spielen? Wo stehen Sie jetzt und wie wollen Sie diesen Weg gestalten? Wie passt diese in die Entwicklung (und Fußstapfen) Ihres Unternehmens?

Innenblick: Was bedeutet das für Ihre interne Zusammenarbeit? Wie wollen Sie flexibleres Arbeiten ermöglichen und als Arbeitgeber für jüngere Zielgruppen attraktiv bleiben? Wie wollen Sie Ihre Mitarbeiter in diesem Kulturwandel begleiten?

Wandel in der Führung: Welches Umdenken brauchen Sie in der Führung? Welche Muster in der Führung gilt es zu lösen, um mehr Spielräume für Flexibilität zu schaffen? Wie wollen Sie Ihre Führungs-Kollegen darauf vorbereiten, den digitalen Wandel professionell zu begleiten?

Kulturwandel ist ein längerer Prozess, der starken Fokus im Führungsteam und intensive (externe) Begleitung braucht. Als Führungskreis können Sie den digitalen Wandel aktiv unterstützen – beginnend mit kleinen Schritten:

Mutig in Führung gehen und Regeln brechen

Als Führungsteam haben Sie Multiplikatoreffekt: Je offener Sie sich als Führungskräfte dem Neuen gegenüber zeigen, desto leichter wird der Weg sein. Schaffen Sie sich selbst Raum zum Ausprobieren und Experimentieren, das wird auch Ihre Teams anstecken und ins Boot holen. Brechen Sie bewusst Dinge, die sie „schon immer so gemacht haben“.

Offenheit gegenüber neuen Technologien vorleben

Beharrungstendenzen in Ihren Teams neuen Technologien gegenüber sollten Sie gut im Blick behalten: Neues erstmal kritisch zu beäugen ist ganz normal. Wenn es aber dazu führt, ewig im Alten zu verharren, braucht es Ihre offenen Worte und Feedback.

Vertrauens- und dialogbasierte Führung

In einer digitalisierten Arbeitswelt kommt Führungskräften eine veränderte Rolle zu. Da Teams stark eigenverantwortlich arbeiten, wird Führung zum Rahmensetzer und Coach oder Mentor und führt vertrauens- und dialogbasiert. Führungskräfte befähigen und stärken, anstatt anzusagen und zu delegieren. Meetings und Konferenzen finden zum Teil online statt, weil Teams weltweit verteilt sitzen. Aus unserer Erfahrung bringt das ein Plus an unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen und globale Vernetzung mit sich. Doch auf der Kehrseite auch kulturelle Differenzen und eine Unterschiedlichkeit von Charakteren, die es nicht immer leicht macht für alle Beteiligten. Auch müssen Teams lernen mit der physischen Einsamkeit umzugehen. Die Zeiten, in denen Teams sich physisch treffen, sind meist rar. Dies erfordert einen hohen Grad an Selbstführung, Kommunikation und Verbindlichkeit für alle.

Belastbare Beziehungen sind die Basis

Für Führungskräfte heißt digitales Arbeiten Loslassen lernen und Kontrolle abgeben. Aus unserer Praxis wissen wir, dass das der Teil ist, der meist am Schwersten fällt. Diese neue Führungsrolle verlangt ein verändertes Selbstbild als Führungskraft und die Fähigkeit, belastbare Beziehungen im Team und im externen Netzwerk aufzubauen. Daher sollten Führungskräfte gut vorbereitet werden, um den digitalen Wandel zu einer gelungenen Veränderung zu machen.

Quelle: AVENUE GmbH

Veröffentlicht von:

Despina Tagkalidou

Despina Tagkalidou ist Mitglied in der MiNa-Redaktion und schreibt über Wirtschaftsverbände, Macher im Mittelstand, Produkte + Dienstleistungen, Digitale Wirtschaft und Familienunternehmer.

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