Stuttgart – Das Geschäftsjahr 2015 stand im Zeichen eines weiter anhaltenden Verfalls der Strompreise an den Großhandelsmärkten bis auf unter 30 Euro gegen Ende des Jahres. Dennoch konnte die EnBW mit rund 2,1 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis (adjusted EBITDA) erreichen, das nur knapp unter Vorjahr liegt. Erneute hohe Abschreibungen auf den Kraftwerkspark sowie erhöhte Drohverlustrückstellungen auf Strombezugsverträge belasteten jedoch das Konzernergebnis in erheblichem Umfang.

„Mit unseren Wachstumsinitiativen und Effizienzmaßnahmen sind wir auch in 2015 gut vorangekommen. Dies hat zu einem relativ stabilen operativen Ergebnis trotz erneut deutlicher Umfeldverschlechterung geführt. Unser Fokus liegt daher weiterhin auf der konsequenten Umsetzung unserer Strategie EnBW 2020“, so der EnBW-Vorstandsvorsitzende Frank Mastiaux anlässlich der Bilanzpressekonferenz. „Mit der Inbetriebnahme des Offshore-Windparks EnBW Baltic 2 und weiteren Onshore-Windparks konnten wir den Ausbau der Erneuerbaren Energien erfolgreich fortsetzen. Durch die geplante Übernahme der Mehrheit am Leipziger Gasversorger VNG haben wir unser Gasgeschäft erheblich gestärkt und einen großen Schritt beim Umbau unseres Unternehmens gemacht. Die EnBW steigt dadurch zum drittgrößten Gasanbieter in Deutschland auf. Das Gasgeschäft wird zukünftig zwischen 15 und 20 Prozent zum Konzernergebnis beitragen und damit zu einer wichtigen Säule des Unternehmens werden.“

Quelle: EnBW Energie Baden-Württemberg AG

Quelle: EnBW Energie Baden-Württemberg AG

Geschäftsentwicklung 2015 und Dividendenvorschlag

Im Geschäftsjahr 2015 erzielte die EnBW mit 20.288 Mitarbeitern (Vorjahr: 20.092) einen leicht höheren Umsatz von 21,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 21,0 Milliarden Euro). Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (adjusted EBITDA) sank um 2,7 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Finanzvorstand Thomas Kusterer: „Damit liegt unser Ergebnis im Rahmen des angekündigten Prognosekorridors zwischen 0 und -5 Prozent. Angesichts des starken Verfalls der Strompreise ist dies ein Erfolg. Dazu haben nicht zuletzt unsere gezielten Effizienzmaßnahmen, die wir nach dem Programm Fokus eingeleitet haben, beigetragen. Speziell in den Bereichen Erzeugung und Verwaltung konnten wir bereits in 2015 spürbare Kostenreduzierungen erreichen. Wir sind sehr zuversichtlich, die insgesamt angestrebte Kosteneinsparung von 400 Millionen Euro bereits vor dem Jahr 2020 erreichen zu können. Um der aktuellen Marktentwicklung Rechnung zu tragen, werden wir diese Einsparziele jedoch anpassen müssen. In welcher Höhe und durch welche Maßnahmen werden wir in den kommenden Monaten festlegen.“

Im Segment Vertriebe lag das adjusted EBITDA bei 255,3 Millionen Euro und damit 10,7 Prozent über dem Vorjahr, insbesondere durch witterungsbedingt höhere Erlöse im Gas- und Wärmebereich. In den kundennahen Vertriebsbereichen stand das Jahr 2015 im Zeichen weiterer Optimierung und Flexibilisierung. Im Contracting-, im Breitband- und im Abwicklungsgeschäft konnten neue Kunden gewonnen werden. Darüber hinaus wurden erste neue Produkte und Geschäftsmodelle aus dem Innovationscampus in den Markt eingeführt. Im wichtigen kommunalen Geschäft wurde die Zusammenarbeit über Beteiligungs- und Kooperationsmodelle intensiviert.
Für das Segment Netze ergab sich ein adjusted EBITDA von 747,4 Millionen Euro und damit ein Minus von 15,7 Prozent. Dies resultierte unter anderem aus der im Rahmen des Netzausbaus erforderlichen und planmäßigen Personalaufstockung, Ausgleichszahlungen für Verlustenergiemengen und einem höheren Aufwand für die dezentrale Einspeisung aus Erneuerbaren Energien. Allein im Gebiet der Netze BW wurden in 2015 rund 3.000 neue dezentrale Anlagen angeschlossen.

Das Segment Erneuerbare Energien erzielte ein adjusted EBITDA von 287,4 Millionen Euro und damit einen deutlichen Zuwachs von 50,2 Prozent. Sowohl bei der Inbetriebnahme als auch bei der Projektentwicklung konnten wesentliche Fortschritte erzielt werden. Mit dem Offshore Windpark EnBW Baltic 2 und weiteren Onshore-Projekten steigerte sich der Anteil der Erneuerbaren Energien an der installierten Gesamtkapazität von 19,1 Prozent im Vorjahr auf 23,6 Prozent.

Die rückläufigen Preise und Spreads auf den Großhandelsmärkten wirkten sich im Segment Erzeugung und Handel stark negativ aus. Durch Stillegungen weiterer Kapazitäten und eine Optimierung der Strukturen konnte dies teilweise aufgefangen werden. Das adjusted EBITDA ging um 13,6 Prozent auf 777,3 Millionen Euro zurück.

Der drastische Verfall der Strompreise machte erneute Wertberichtigungen auf den Kraftwerkspark und eine Erhöhung der Drohverlustrückstellungen auf Strombezugsverträge in einer Höhe von insgesamt rund einer Milliarde Euro notwendig. Trotz dieser Belastungen ergab sich ein auf die Aktionäre der EnBW AG entfallender Konzernüberschuss von rund 125 Millionen Euro nach einem Konzernfehlbetrag von -466 Millionen Euro im Vorjahr.
Dies war insbesondere bedingt durch die Realisierung von Veräußerungsgewinnen bei Wertpapieren im ersten Halbjahr 2015. In der Folge stieg auch der auf die Aktionäre der
EnBW AG entfallende adjusted Konzernüberschuss auf 952 Millionen Euro an (plus 105 Prozent). Kusterer: „Basis für die Ausschüttung an unsere Aktionäre ist grundsätzlich der adjusted Konzernüberschuss. Für die Dividendenberechnung 2015 haben wir allerdings die Gewinne aus unserem Wertpapierverkauf nicht berücksichtigt. Für das Geschäftsjahr 2015 schlagen wir der Hauptversammlung deshalb eine Ausschüttung in Höhe von 0,55 Euro je Aktie vor. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 34,7 Prozent.“

Das Investitionsvolumen des EnBW-Konzerns betrug 1,46 Milliarden Euro. Es lag damit wie erwartet um 25,3 Prozent unter Vorjahr, da Großprojekte wie das Kraftwerk RDK 8 und der Offshore-Windpark EnBW Baltic 2 fertiggestellt wurden. Finanzvorstand Kusterer: „Gut 70 Prozent dieser Investitionen haben wir strategiekonform für Wachstumsprojekte wie den Ausbau der Netze und die Erneuerbaren Energien aufgewendet.“

Ausblick für das Geschäftsjahr 2016 – Prognose im Einklang mit Strategie 2020

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet die EnBW aufgrund eines nochmal deutlich schlechteren Marktumfelds mit einem adjusted EBITDA zwischen -5 und -10 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Im Segment Netze wird für das adjusted EBITDA eine deutliche Ergebnissteigerung um über 20 Prozent erwartet. Damit werden die Netze das ergebnisstärkste Segment sein. Auch das adjusted EBITDA des Segments Erneuerbare Energien wird erwartungsgemäß weiter steigen, voraussichtlich zwischen 10 und 20 Prozent. Für das Segment Erzeugung und Handel geht die EnBW hingegen von einem weiterhin deutlich rückläufigen adjusted EBITDA von mehr als 20 Prozent aus. Ebenso wie im Segment Vertriebe, in dem ein Ergebnisrückgang von mindestens 20 Prozent erwartet wird.

Mastiaux: „Drei klare Prioritäten werden dieses Jahr unser unternehmerisches Handeln bestimmen: Zum einen die weiterhin konsequente Umsetzung unserer Strategie EnBW 2020 mit den bekannten Wachstumsschwerpunkten Erneuerbare Energien, dem Netzgeschäft sowie den kundennahen Vertrieben. Zum zweiten werden wir weitere Maßnahmen der Effizienzverbesserung prüfen, um gegen das erneut verschlechterte wirtschaftliche Umfeld anzukämpfen. Zudem werden wir uns als dritte Priorität mit der Frage beschäftigen, wie wir uns für die Zukunft nach 2020 aufstellen wollen. Dazu gehört auch die Diskussion, wie etwa die zunehmende Digitalisierung des Energiegeschäfts oder das Kundenverhalten die weitere Entwicklung prägen werden. Der konsequente Umbau des Unternehmens und seine Neuausrichtung bleiben auch in 2016 Programm.“

Quelle: EnBW Energie Baden-Württemberg AG

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Veröffentlicht von:

Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou ist Mitglied in der MiNa-Redaktion und schreibt über Wirtschaftsverbände, Macher im Mittelstand, Produkte + Dienstleistungen, Digitale Wirtschaft und Familienunternehmer.
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