Frankfurt – Aufgrund nachlassender Produktions- und Beschäftigungszuwächse ist der deutsche Industriemotor zum Start ins 4. Quartal 2015 etwas langsamer gelaufen. Ungeachtet dessen bleibt das Produzierende Gewerbe auf Expansionskurs. Das signalisiert der finale saisonbereinigte Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der im Oktober gegenüber dem Vormonat um 0,2 Punkte auf 52,1 leicht gesunken ist. Damit markierte das viel beachtete Konjunkturbarometer zwar ein Dreimonatstief; gleichzeitig notierte der EMI aber nun schon zum elften Mal hintereinander über der neutralen Wachstumsmarke von 50 Punkten. Der Index spiegelt das Ergebnis der Oktober-Umfrage unter mehr als 500 Unternehmen zur Konjunkturlage in der deutschen Industrie in einem Wert wider.

„Unsere Mitgliedsunternehmen sollten sich angesichts sinkender Einkaufspreise nicht zu sicher fühlen. Der Weltwirtschaft fehlt es nach wie vor an Schwung, so dass der deutsche Aufschwung fragil bleibt“, betonte Dr. Christoph Feldmann, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am Dienstag in Frankfurt.

„Nichts scheint derzeit den EMI und damit die deutsche Wirtschaft erschüttern zu können. Auch im Oktober konnte sich der Index über der 50-Punkte-Wachstumsmarke halten“, sagte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, dem BME. „Und das trotz VW, trotz Flüchtlingskrise, trotz Schwellenlandschwäche und trotz Panikmache der EZB“, fügte die Bankdirektorin hinzu. Noch belaste der starke Einbruch des Rohölpreises aufgrund der Nachfrageausfälle in den Rohstoffangebotsländern, doch es bestünden berechtigte Hoffnungen, dass im Laufe des kommenden Jahres die kostendämpfenden Effekte in den Vordergrund treten und entsprechend die positiven Angebotsfaktoren wichtiger werden. Traud: „Wir sehen somit für 2016 keine konjunkturelle Abschwächung in Deutschland.“

Nach Ansicht von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank „steht der deutschen Wirtschaft für den Rest des Jahres eine leichte Abkühlung ins Haus“. Das komme von der Verlangsamung in der Weltwirtschaft, die durch die gute Euroland-Konjunktur nicht ganz ausgeglichen werde. Die Flüchtlings-Debatte habe noch keinen Einfluss auf die Stimmung der Unternehmen, da sich die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen erst in einigen Jahren zeigen dürften. „Die konjunkturellen Impulse durch mehr Staatsausgaben in diesem Jahr werden relativ gering ausfallen“, ist sich Kater in seinem EMI-Statement für den BME sicher.

„Der Gegenwind nimmt weiter zu. Vor allem der China-Export läuft nicht mehr so rund wie in den vergangenen Jahren“, kommentierte DIHK-Konjunkturexperte Dr. Dirk Schlotböller die aktuellen EMI-Daten. Gerade die Vorleistungsgüterhersteller tun sich seiner Ansicht nach schwer. Das deute auf eine schwächere Entwicklung auch in späteren Stufen der Produktionskette hin. Insgesamt werde die Wirtschaft in den nächsten Monaten das Wachstumstempo nicht mehr halten können. Nach 1,7 Prozent in diesem Jahr reiche es 2016 nur noch für 1,3 Prozent.

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick:

Industrieproduktion: Zur Abarbeitung der Auftragsbestände, aber auch, um den robusten Auftragsschub zu bewerkstelligen, wurde die Produktion im Oktober, wie bereits seit zweieinhalb Jahren, erneut ausgeweitet; aktuell – trotz leichter Verlangsamung gegenüber September – in durchschnittlichem Tempo.

Auftragseingang: Beim Neugeschäft verbuchten sowohl Global Player als auch KMU zum elften Mal hintereinander Zuwächse. Das Plus blieb gegenüber September nahezu konstant. Mehr Neu- und Folgeaufträge vermeldeten die Konsum- und Investitionsgüterhersteller; im Vorleistungsgüterbereich kam es hingegen zu Einbußen.

Das dritte Exportorderplus in Folge fiel wie im Vormonat nur moderat aus. Der Index blieb nahezu unverändert. Nachgelassen hat die Nachfrage aus China und Russland.

Beschäftigung: Der 13. Jobaufbau hintereinander verlangsamte sich gegenüber den drei Vormonaten. Unterm Strich legte die Beschäftigung nur noch im Konsumgüterbereich minimal zu. Bei den Vorleistungs- und Investitionsgüterherstellern kam es hingegen per Saldo zu Entlassungen.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Wegen der Verbilligung von Öl und Energie sank die durchschnittliche Kostenbelastung der Unternehmen trotz leicht verlangsamter Rate gegenüber September ein weiteres Mal markant. Fast ein Viertel der Befragten vermeldeten rückläufige und nur knapp sieben Prozent höhere Einkaufspreise.

Die Verkaufspreise wurden im Oktober zum zweiten Mal hintereinander zwar nur mäßig reduziert, der Rückgang war jedoch der stärkste seit Juli 2013. Ausschlaggebend hierfür waren einerseits die gesunkenen Einkaufspreise, andererseits entsprechende Marktanforderungen.

Der Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Frankfurt. Er wird von der britischen Forschungsgruppe Markit Economics, Henley-on-Thames, erstellt und beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern/Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (Markit U.S.-PMI).

Quelle: Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)

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Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: redaktion@mittelstand-nachrichten.de
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