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Deutsche Industrie wächst mit angezogener Handbremse

Frankfurt/Main – Die deutsche Industrie hat auch im Juli zugelegt. Allerdings verharrte die Produktionsleistung annähernd auf dem Vormonatsniveau. Das zeigt der finale saisonbereinigte Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der gegenüber Juni um 0,1 Punkte auf 51,8 nachgab und sich damit auf dem Niveau des Langzeit-Durchschnittswertes (51,9) bewegt. Trotz des jüngsten Rückgangs notiert das wichtige Industriebarometer bereits den achten Monat in Folge über der neutralen Marke von 50, ab der Wachstum angezeigt wird.

„Die aktuellen EMI-Daten deuten darauf hin, dass der deutsche Konjunkturmotor etwas ins Stocken gerät. Sowohl Produktion als auch Auftragseingang mussten im Juli, wenn auch nur marginal, Einbußen hinnehmen“, betonte Dr. Christoph Feldmann, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am Dienstag in Frankfurt. Erfreulich sei dagegen, dass die Einkaufspreise nur mäßig zulegten.

„Der EMI zeigt sich weiter relativ stabil. Weder Griechenland noch China können ihm derzeit viel anhaben“, sagte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, dem BME. Dies liege maßgeblich daran, dass die Inlandsnachfrage sich so stetig entwickle. Entgegen den oft noch zu hörenden Vorurteilen werde die deutsche Wirtschaft von der Binnenkonjunktur getrieben. Bau und Konsum bilden nach Trauds Ansicht die Basis. Es fehle nur noch eine starke Investitionstätigkeit. „Ein kleiner Makel, der aber langfristig zur großen Belastung werden könnte. So ist die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen zu verbessern“, betonte Traud.

„Die deutsche Wirtschaft befindet sich in Abwartehaltung. Nachdem weitere Rückwirkungen aus Griechenland in letzter Sekunde abgefangen werden konnten, müssen nun die Auswirkungen der Abkühlung in China beurteilt werden“, kommentierte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, die aktuellen EMI-Daten. Dabei laufen seiner Ansicht nach die Geschäfte insgesamt gar nicht schlecht, wie die Einkaufsmanagerindizes zeigen. Das spiegele sich auch in den aktuellen Quartalsberichten der Aktiengesellschaften wider, die insgesamt ordentlich ausgefallen seien. Die deutschen Unternehmen zeigten keine Euphorie, aber auch keine Angst vor der wirtschaftlichen Zukunft. „Angesichts der Daten, die uns aus der Weltwirtschaft erreichen, ist dieser nüchterne Optimismus zurzeit angemessen“, so Kater gegenüber dem BME.

„Angesichts der internationalen Krisen schlägt sich die deutsche Konjunktur derzeit wacker. Aufs Jahr gesehen dürfte es auf ordentliche 1,8 Prozent Wachstum hinauslaufen, vor allem dank der günstigen Energie- und Rohstoffpreise“, so DIHK-Chefvolkswirt Dr. Alexander Schumann auf Anfrage des BME.

Der schwache Euro hingegen verteuere die Importe; die Exporte bringe er noch nicht richtig in Schwung. Dazu seien zu viele Volkswirtschaften in den Schwellenländern derzeit mit sich selbst beschäftigt.

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick:

Industrieproduktion: Da die Nachfrage nach Industrieerzeugnissen „Made in Germany“ im Berichtsmonat intakt blieb, konnten die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes ihre Produktion zum 27. Mal hintereinander ausweiten. Allerdings hat sich der Teilindex gegenüber Juni mit 53,5 (Vormonat: 53,6) kaum verändert.

Auftragseingang: Das achte Auftragsplus in Folge fiel wieder etwas niedriger aus als im Juni und blieb damit auch im historischen Vergleich unterdurchschnittlich. Dass der Teilindex mit 51,5 gegenüber dem Vormonat (51,7) leicht sank, war vor allem darauf zurückzuführen, dass bei den Auslandsbestellungen der Global Player und KMU erstmals seit Januar 2015 wieder ein geringfügiges Minus zu Buche schlug. Der Teilindex „Auftragseingang Export“ rutschte deshalb auch unter die neutrale 50-Punkte-Marke.

Beschäftigung: Der 10. Beschäftigungszuwachs in Folge fiel im Juli zwar etwas stärker aus als in den beiden Vormonaten, unterm Strich hielt sich der Jobaufbau jedoch in Grenzen. Zu den meisten Neueinstellungen kam es im Konsumgüterbereich.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Vor allem aufgrund von Währungseffekten aber auch wegen der Verknappung einiger Rohstoffe legten die Einkaufspreise im Berichtsmonat zum vierten Mal hintereinander zu.

Die Verkaufspreise wurden im Juli abermals nur leicht erhöht. Der Teilindex notierte exakt auf dem Niveau der vergangenen beiden Vormonate. Begründet wurden die Preisanhebungen mit den gestiegenen Einkaufspreisen oder Qualitätsverbesserungen. Die Mehrzahl der befragten Unternehmen konnte jedoch vor allem wegen der Wettbewerbssituation keine höheren Preise durchsetzen.

Der Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Frankfurt. Er wird von der britischen Forschungsgruppe Markit Economics, Henley-on-Thames, erstellt und beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern/Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (Markit U.S.-PMI).

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected]
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