Wörth/Heidelberg – Fahrmischer, Betonpumpen und Silozügen auf Basis von Arocs und Actros, damit sind die Berufskraftfahrer von HeidelbergerCement für einen der weltweit führenden Baustoffkonzerne unterwegs und transportieren Zuschlagstoffe, Zement und Transportbeton. Anfang Februar ging es für die knapp 160 Kollegen allerdings nicht ins Zementwerk oder auf die Baustelle, sondern nach Wörth am Rhein. Dort erwartete sie eine zweitägige Schulung nach dem Berufskraftfahrer-Qualifikationsgesetz, verpackt in ein spannendes und abwechslungsreiches Event mit den Experten vom Mercedes-Benz Profitraining und verschiedenen Fach­referenten der Berufsgenossenschaften.

Eco-Training in Theorie und Praxis

Detlef Wisbar, Prokurist bei HeidelbergerCement und zuständig für die Fahrzeug­technik, ist für sein Unternehmen mit vor Ort und erklärt, weshalb es durchaus Sinn macht, für solch eine Veranstaltung das Tagesgeschäft auch mal kurzfristig hintenan zu stellen: „Die Schulungen sind für uns obligatorisch und wir finanzieren sie auch. Das ist eine Form der Wertschätzung, die wir unseren Fahrern entgegen­bringen möchten. Außerdem, und das ist schließlich nicht zu verachten, konnten wir nach ersten Trainings im Bereich Eco in 2015 schon deutliche Veränderungen bei den Verbräuchen erkennen. Davon versprechen wir uns ein Einsparungs­potential von zwei bis acht Prozent.“

Quelle: Daimler AG

Quelle: Daimler AG

Das Eco-Training in Theorie und Praxis steht deshalb auch im Mittelpunkt der zwei Tage. In den Schulungsräumen dreht es sich dabei zuerst um die Grundlagen des wirtschaftlichen Fahrens: Welchen Einfluss haben Faktoren, wie Aerodynamik, Reifen, Drehzahlen und die individuelle Fahrweise, im Allgemeinen auf den Kraftstoffverbrauch? Wie funktioniert das Tool FleetBoard Eco Support? Was genau verbirgt sich eigentlich hinter Predictive Powertrain Control (PPC) und wie wirkt das System mit dem Mercedes PowerShift-3-Getriebe zusammen? In dreieinhalb Stunden erhalten die Fahrer ausführliche Erklärungen und Tipps, wie sie die hilfreiche Technik in ihren Fahrzeugen für sich einsetzen können.

Zur Umsetzung geht es dann direkt mit acht voll ausgestatteten Actros-Zügen der Typen 1842, 1843 und 1845 mit Active Brake Assist 3, Spurhalte-Assistent, Abstandshalte-Assistent und dem vorausschauenden Tempomaten Predictive Powertrain Control des Mercedes-Benz Profitrainings auf die Straße. Die Trainingsrunde führt durch die hügelige Landschaft der Pfalz und die Fahrer erleben, wie das PPC-System mit den GPS-Daten der Topographie arbeitet und der Truck optimal schaltet. Weiter über Bundesstraßen nach Karlsruhe und durch einige Ortschaften mit Abbiegungen und Kreisverkehren. Hier sind die Fahrer gefragt, das anzuwenden, was sie zum Thema „Vorrausschauen“ in den Theoriestunden gelernt haben. Die Profitrainer auf dem Beifahrersitz geben die passenden Hinweise.

„Jeder Teilnehmer erhält von uns außerdem eine individuelle Analyse seiner Fahrt und kann sofort sehen, was ihm die Mercedes-Benz Fahrphilosophie bringt“, erklärt Mercedes-Benz Profitrainer Steffen Martin, der die Veranstaltung leitet und koordiniert.

Nach der On-Road-Tour ist aber noch nicht Schluss mit der Praxis, denn speziell die Fahrer von HeidelbergerCement sind sehr oft auf Baustellen und in verschiedensten Geländen abseits der Straße unterwegs. Deshalb folgt eine weitere Fahrübung auf dem Mercedes-Benz Off-Road-Gelände in Ötigheim.

Dort stehen nicht nur die verschiedensten Situationen mit Steigungen und Gefällen zur Verfügung, sondern es warten auch elf Trucks der Baureihen Arocs und Atego als Kipperfahrzeuge mit unterschiedlichen Achskonfigurationen und verschiedenen Motorisierungen auf die Teilnehmer. Unter anderem ein Arocs 1845 LS Kippsattel­zug mit Hydraulic Auxiliary Drive (HAD). Durch den zuschaltbaren hydraulischen Radnabenantrieb der Vorderachse verwandelt sich die normale Sattelzugmaschine per Knopfdruck kurzzeitig in einen Allradler. Abstecher in anspruchsvolleres Terrain sind so auch für die Straßenzugmaschine kein Problem. Eindrucksvoll demonstriert auch ein Arocs 4151 AK 8×8/4 mit Turbo-Retarder-Kupplung (TRK) wie die Kombination aus hydrodynamischer Anfahrkupplung und Primärretarder arbeitet. Rückwärts „Abseilen“ an einer ca. 60-prozentigen Steigung, ohne dass auch nur einmal das Bremslicht leuchtet? Mit der Retarder-Bremsleistung von bis zu 720 kW bereits bei niedrigen Geschwindigkeiten die leichteste Übung. Apropos Übung: „Im Gelände steht das sichere und verschleißarme Fahren im Vordergrund“, betont Profitrainer Steffen Martin. „Zum Beispiel informieren wir über den richtigen Einsatz der Motorbremse zur Schonung der Betriebsbremse oder erklären das Sperren­management, sprich in welcher Situation wann man besten Längs-, Quer- oder Differentialsperre Sinn machen.“ So viele nützliche und vor allem alltagstaugliche Informationen kommen bei den Teilnehmern sehr gut an.

In sieben Schritten zu mehr Sicherheit und Gesundheit

Während das Eco-Training die ersten Gruppen beschäftigt, steht im Daimler Kundencenter ein Zirkeltraining mit sieben weiteren Stationen an, die es für die anderen Teilnehmer zu absolvieren gilt.

Sehr eindrücklich wirken dabei der Aufprall- und der Überschlagsimulator des Deutschen Verkehrsicherheitsrates und der Berufsgenossenschaft Verkehr, die für die Nutzung des Sicherheitsgurtes werben. „Leider sitzen trotz Gurtpflicht noch immer rund 50 Prozent der Lkw-Fahrer regelmäßig unangeschnallt in ihrem Fahrzeug“, erklärt Verkehrsmoderator Heinrich Wolf seinem Publikum, während er auf den Startkopf drückt und seinen ersten Testkandidaten „abschießt“. Festge­zurrt im Gurtschlitten können die Fahrer einzeln hautnah spüren, welche Kräfte bereits bei einer Aufprallgeschwindigkeit von lediglich zehn Kilometern pro Stunde wirken und wie der Gurt verhindert, dass die Schwerkraft sie über das Lenkrad hinweg aus dem Sitz gegen die Wand katapultiert. Gleich daneben schickt Jürgen Schöbel weitere Teilnehmer auf einen Schleudergang. Der Überschlags­simulator, ein echtes Actros-Fahrerhaus, dreht sich mit 30 Sachen. Für die beiden, die drin sitzen, steht die Welt auf einmal Kopf und sie baumeln in der Luft. „Viele unter­schätzen das Innenmaß einer großen Kabine. Man hängt quasi an der Deck und fällt von dort herab“ beschreibt Schöbel.

Gerade im Bereich Baustellenverkehr, da sind sich beide Sicherheitsexperten einig, ist Gurt anlegen besonders wichtig. Denn viele Unfälle enden tragisch, wenn Lkw im Gelände umkippen, die Fahrer dabei herausfallen und unter ihr Fahrzeug geraten.

Eine anschauliche Übung in Sachen Fahrpraxis fehlt auch nicht. Im Hütchen-Parcours müssen die Teilnehmer mit einem Tretmobil gezielt bremsen, um enge Kurven steuern und werden an kniffligen Stellen zum Rangieren genötigt. Das Ganze nicht nur auf Zeit, sondern, im zweiten Durchgang, zusätzlich mit einer so genannten Rauschbrille auf der Nase. Die simuliert den gefährlichen Tunnelblick, der sich unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, aber auch bei gesundheitlichen Problemen, einstellen kann. Die völlig ungewohnte Optik bringt einige Kollegen ganz schön von der Strecke ab und verdeutlicht einmal mehr, wie wichtig es ist, im echten Straßenverkehr nur nüchtern, gesund und fit zu fahren.

Mit dem Thema Fitness und Gesundheit beschäftigt sich auch die Station Rücken­gesundheit, an der die Fahrer bei Physiotherapeut Andreas Mederer verschiedene Übungen für Muskulatur und Wirbelsäule lernen. „Diese Berufsgruppe sitzt ja hauptsächlich und leidet schnell an einer verkrümmten Wirbelsäule, inklusive verkümmerter Muskeln“, beschreibt der Trainer. Wie der ganze „Apparat“ Mensch aufgebaut ist und die Kollegen ihren individuellen Problemen gezielt entgegen wirken können, erklärt Mederer im Anschluss an die Übungen in einer Frage-Antwort-Runde.

Im nächsten Schulungsbereich, der Arbeitssicherheit, klären die Referenten ihre Gruppen über das Thema Arbeitsunfälle auf. Rutschgefahr, Absturzgefahr, sichere Arbeitsmittel und -kleidung und nicht zuletzt das eigene Verhalten in alltäglichen Situationen im Beruf werden besprochen und an Beispielen verdeutlicht. Für die Fahrer aus dem Baustellenbereich ganz besonders interessant ist die Abstiegs-Sprungwaage. Ein Sensor im Boden misst, mit welchen Gewichten ein Fahrer, der aus der Kabine oder von den oberen Trittstufen am Lkw springt, seine Gelenke malträtiert. Ja, schon ein Sprung von der untersten Stufe auf 40 cm Höhe ergibt für einen Mann mit einem Körpergewicht von rund 100 kg das Dreifache an Belastung. Es immer eilig zu haben lohnt also auf Dauer nicht, mal ganz abgesehen von der Sturzgefahr die dabei stets im Spiel ist. Einige Kollegen, die schon mal unsanft landeten, bestätigen das.

Die letzte Station im Zirkeltraining ist die Erste-Hilfe-Auffrischung bei Peggy Wenk und Detlef Fröhlich vom Deutschen Roten Kreuz. Nach einem kurzen Lehrfilm geht es ums richtige Einschätzen von Unfallsituationen, den richtigen Ablauf der Maßnahmen und das Üben der Wiederbelebung durch die Herz-Druck-Massage. Außerdem stellen die beiden Notfall-Experten den automatisierten externen Defibrillator, kurz AED, vor und nehmen den Teilnehmern die Skepsis vor der richtigen Handhabung. Die modernen kompakten Geräte zur Hilfeleistung im Fall eines Herzstillstandes werden in immer mehr Unternehmen eingeführt, da der plötzliche Herztod jährlich über 100 000 Opfer fordert und schnelles Reagieren, gerade am Arbeitsplatz, lebensrettend sein kann.

Erfolgreiche Fortbildung im großen Stil

Für die 21 mitwirkenden Trainer vom Mercedes-Benz Profitraining ist die Groß­veranstaltung mit 160 Teilnehmern ein willkommener Anlass, zu zeigen, wie effektiv Schulungen auch in einem solchen Umfang ablaufen können – das bestätigt das gute Feedback der Fahrer. Auch Detlef Wisbar als Vertretung des Kunden ist vom Verlauf der drei Tage beeindruckt: „Mit Mercedes-Benz als Dienstleister sind wir sehr zufrieden. Für unser Unternehmen ist die Weiterbildung so vieler Angestellten auch eine Kostenfrage. Da muss das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen. Das tut es bei Mercedes-Benz, großes Lob!“

Die Fahrer nehmen Bescheinigungen der Module I (Eco Training) und III (Training Arbeitsplatz Fahrer) mit nach Hause und der nächste Termin steht 2017 an. Insgesamt werden bis 2018 deutschlandweit 600 Fahrer von HeidelbergerCement durch das Mercedes-Benz Profitraining geschult.

Quelle: Daimler AG

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Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected]
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