Es ist offiziell. Die Jungen zeigen im Hinblick auf Unternehmensgründungen mehr Elan als die Erwachsenen. Laut einem neuen Forschungsbericht zum Unternehmergeist von Jugendlichen ‘Future Potential – a GEM perspective on youth entrepreneurship 2015’, der im vergangenen Monat vom Global Entrepreneurship Monitor (GEM) veröffentlicht wurde, zeigen Jugendliche deutlich stärkere unternehmerische Ambitionen und sind 1,6 Mal häufiger an einer Unternehmensgründung interessiert als Erwachsene, so das Studienergebnis für die fünf untersuchten Regionen subsaharisches Afrika (SSA) Naher Osten und Nordafrika (MENA), Süd- und Ostasien (S & EA), Lateinamerika und die Karibik (LAK) und die European Culture Countries (ECC).

Der Bericht analysiert von 2012 bis 2014 gesammelte Daten und beleuchtet die wichtige Frage, was junge Menschen zur Unternehmensgründung antreibt und welche Faktoren den Erfolg oder Misserfolg ihres Business beeinflussen.

Ein Fokus auf die Jugend ist nach Mike Herrington, Executive Director des GEM, unumgänglich: „Ein Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten, von dem vor allem Jugendliche betroffen sind, stellt ein schwerwiegendes weltweites Problem dar, das durch die Finanzkrise und den globalen wirtschaftlichen Abschwung noch verschärft wurde. Die Förderung aussichtsreicher Unternehmensaktivitäten von Jugendlichen wird als Entwicklungsstrategie verstanden, sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren und zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung beizutragen.“

Ein erhebliches Hindernis für die Entwicklung junger Unternehmensgründungen stellte bislang ein Mangel an zuverlässigen und aktuellen Daten sowie deren Analyse dar. Der GEM-Bericht schließt diese Lücke, indem er einen Einblick in die Unternehmenspraxis der jungen Menschen zwischen 18 und 34 Jahren liefert und dabei drei Hauptvariablen berücksichtigt: generationenübergreifende, geschlechtsspezifische und regionale Unterschiede.

Quelle: Noir sur Blanc

Quelle: Noir sur Blanc

Charakteristika junger Unternehmer

Zwar sind junge Menschen hinsichtlich einer Unternehmensgründung in allen Regionen ambitionierter als Erwachsene, doch nicht alle jungen Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, so Thomas Schøtt, Professor für Entrepreneurship und Relationship Management an der University of Southern Denmark und Leiter des Studienreports. So handelt es sich laut der Studie bei 73% der Unternehmen, die von unter 24-Jährigen gegründet wurden, um 1 Personen-Unternehmen. Zudem sei es für junge Unternehmer auch weniger wahrscheinlich, dass ihr Business über die ersten dreieinhalb Jahre hinaus überlebt, während die über 34 Jahre alten Erwachsenen 1,7 Mal häufiger längerfristig gesunde Unternehmen führen.

Junge Männer gründen 1,3 Mal häufiger Unternehmen als Frauen und die Wahrscheinlichkeit, dass diese Unternehmen erfolgreich sind, ist 1,6 Mal größer. Im Vergleich zu von jungen Frauen geführten Unternehmen schaffen Unternehmen junger Männer doppelt so häufig Arbeitsplätze für mehr als fünf Personen.

Der Bericht zeigt auch erhebliche Unterschiede in unternehmerischer Ambition und Aktivität zwischen den einzelnen Regionen. So äußern junge Menschen im subsaharischen Afrika viel eher ihre Absicht, ein Unternehmen zu gründen (52%) und zudem ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass sie tatsächlich eine Unternehmensgründung umsetzen (28%), als die jungen Menschen der European Culture Countries. Nur 19% der jungen Menschen in dieser Region bringen unternehmerische Ambitionen zum Ausdruck und nur 8% üben tatsächlich eine unternehmerische Tätigkeit aus (gemessen in Prozent der erwachsenen Bevölkerung).

Schøtt betont die zentrale Botschaft der GEM-Forschung, dass Strategien entwickelt werden müssen, jungen Unternehmen aus den verschiedensten Sektoren zu mehr Nachhaltigkeit zu verhelfen sowie erfolgsversprechende Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen, zu identifizieren und zu fördern: „Wir müssen Wege finden, die Motivation junger Menschen zu nutzen, die zwar begeistert von der Idee einer Unternehmensgründung sind, aber nicht über die Fähigkeiten und Netzwerke verfügen, um diese erfolgreich umzusetzen.“

Was hilft und was hemmt junge Unternehmer?

Im Laufe der letzten 16 Jahre hat die GEM Forschung eine entscheidende Rolle bei der Förderung des Verständnisses für die Vielfalt des Unternehmertums in der ganzen Welt gespielt und geholfen, geeignete Strategien zu identifizieren, Unternehmer verschiedener Sektoren zu fördern.

Die Studie zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen allgemeiner Bildung, speziellen Unternehmensgründungs-Trainings und den Unternehmeraktivitäten. Dies verdeutlicht, dass Jugendliche aller Regionen jetzt gebildeter sind, als Erwachsene. Spezifische Fortbildungen in Entrepreneurship haben sich von einer Generation zur nächsten mehr als verdoppelt.

Doch obwohl einige positive Entwicklungen zu verzeichnen sind, schließt der Report, dass noch viel mehr getan werden muss, um global ein günstiges Umfeld für junge Unternehmer zu schaffen, vor allem, was den Zugang zu Finanzmitteln und IT-Infrastruktur betrifft. Die Daten zeigen mit Ausnahme der Region ECC und in gewissem Maße der MENA-Region, dass das Internet als Handelsraum längst nicht ausgeschöpft wird, mit nur 16% der jungen Menschen in SSA, die den Online-Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen nutzen.

„Angemessene Strategien und Programme zur Unterstützung des Unternehmertums werden helfen, dass die Ambitionen der Jugend, die derzeit hauptsächlich durch die schleppende globale Wirtschaft gehemmt werden, umgesetzt werden können“, schließt Herrington.

Quelle: Noir sur Blanc

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Veröffentlicht von:

Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou ist Mitglied in der MiNa-Redaktion und schreibt über Wirtschaftsverbände, Macher im Mittelstand, Produkte + Dienstleistungen, Digitale Wirtschaft und Familienunternehmer.
Mail: redaktion@mittelstand-nachrichten.de
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