Innovationsbremse im Kopf: Drei Denkfallen, die unseren Fortschritt blockieren
Jens Möller - Buch: Raus aus der Denkfalle!
Was hindert uns eigentlich daran, genau die Veränderungen herbeizuführen, die wir selbst immer wieder einfordern? Warum gelingt es uns nicht, aus vielversprechenden Ideen echte Innovationen werden zu lassen, die uns wirklich voranbringen? Statt mutige Entscheidungen zu treffen, klammern wir uns an den Status quo und tun weiter das, was wir schon immer getan haben. Die wahre Fortschrittskrise unserer Zeit ist weder technisch noch ökonomisch oder politisch – sie ist kognitiv. Denn in unseren Köpfen lauern unbewusste Denkfallen, die Probleme verdrängen, Chancen zerreden und Nebensächlichkeiten zu Prioritäten erklären. Die unbequeme Wahrheit: Einer der größten Gegner des Fortschritts ist unsere Art zu denken.
Denkfalle 1: Die Truthahn-Illusion
Die Truthahn-Illusion beschreibt den Irrglauben, dass vergangene Erfolge und bewährte Routinen verlässliche Indikatoren für zukünftige Entwicklungen sind. Oder kurz gesagt: Weil etwas lange gut funktioniert hat, glauben wir, dass es auch in Zukunft so weitergehen wird. Wir schalten auf „Autopilot“, fokussieren uns auf das Tagesgeschäft – und werden blind für schwache Signale, neue Trends und strukturelle Brüche. Das Ergebnis ist eine gefährliche Mischung aus Trägheit und Selbstzufriedenheit: Wir reagieren erst dann auf Veränderungen, wenn sie längst stattgefunden haben und wir sie nicht mehr ignorieren können. Genau wie der Truthahn, dem es lange prächtig geht, bis er am Ende doch als Braten endet.
Denkfalle 2: Der Nirwana-Trugschluss
Der Nirwana-Trugschluss wirkt subtiler, aber genauso lähmend. Er beschreibt unsere irrationale – und in Deutschland besonders ausgeprägte – Erwartung, immer perfekte Lösungen finden zu müssen. Ist ein Vorschlag nicht absolut fehlerlos, vollkommen gerecht oder völlig risikofrei, wird er verworfen, zerredet oder endlos vertagt. Lieber tun wir gar nichts, als etwas Unvollkommenes, aber Sinnvolles zu wagen. So blockieren wir uns selbst: Pilotprojekte zur Energiewende scheitern, weil nicht alle Bedenken bis ins letzte Detail ausgeräumt werden können. Digitalisierungsinitiativen werden solange diskutiert, bis sie technisch schon wieder überholt sind. Politische Kommissionen suchen monatelang nach der perfekten Lösung, statt erste konkrete Verbesserungen auf den Weg zu bringen.
Denkfalle 3: Das Gesetz der Trivialität
Das Gesetz der Trivialität sorgt dafür, dass wir uns mit Begeisterung um Nebensächlichkeiten kümmern, während die wirklich wichtigen Aufgaben liegen bleiben. In Unternehmen diskutieren Teams mit erstaunlicher Energie über Themen, die keinerlei strategische Bedeutung haben: das exakte Wording eines internen Leitfadens, die Einhaltung komplizierter Genehmigungsschleifen oder belanglose Statusberichte. Gleichzeitig bekommen zentrale Themen wie die Nutzung künstlicher Intelligenz oder der Umbau von Geschäftsmodellen, die Leidenschaft und Entscheidungsstärke erfordern, kaum Aufmerksamkeit. Wir begehen einen beruhigenden Selbstbetrug. Indem wir viele kleine, vermeintliche Probleme lösen, fühlen wir uns handlungsfähig – drücken uns aber gleichzeitig vor den herausfordernden Themen, die wirklich zählen.
Eine Denkfalle kommt selten allein
Zum Schluss eine schlechte und eine gute Nachricht. Die schlechte zuerst: Diese drei Denkfallen wirken nicht isoliert, sondern verstärken sich gegenseitig. Wir ziehen falsche Schlüsse über die Zukunft (Truthahn-Illusion), warten auf die perfekte Lösung, die es nicht gibt (Nirwana-Trugschluss), richten unsere Aufmerksamkeit auf die falschen Dinge (Gesetz der Trivialität) – und bremsen uns damit selbst aus. Solange wir das nicht erkennen und weiterhin so denken wie immer, werden wir auch genau das bekommen, was wir immer bekommen haben: Stillstand, verpackt in große Ankündigungen und Pläne.
Die gute Nachricht: Sobald wir diese Denkfallen erkennen und überwinden, können wir den Fortschritt entfesseln, den wir selbst immer wieder einfordern. Der Schritt in die Zukunft beginnt nicht mit neuen Technologien, Förderprogrammen oder Gesetzen. Er beginnt in unserem Kopf.
Über den Autor:

Jens Möller, geboren 1978, ist Innovationsexperte, Berater und Redner. Seit vielen Jahren unterstützt er führende Unternehmen und öffentliche Institutionen dabei, festgefahrene Denkmuster zu durchbrechen und innovative Lösungen zu entwickeln.
Vor Kurzem erschien sein neues Buch „Raus aus der Denkfalle! – 10 Denkfehler, die unseren Fortschritt bremsen und wie wir sie überwinden“.



