Die sind nach wie vor selten und dennoch von großem allgemeinen Interesse: Frauen in Führungspositionen. Kaum ein Thema heizt die Diskussion um Gleichstellung in der Arbeitswelt aktuell mehr an. Frauen haben bei Beförderungen häufig das Nachsehen – vor allem, wenn es um die Besetzung der oberen Ränge geht. Dabei stellen aktuelle Studien sogar einen positiven Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Erfolg und einem hohen Frauenanteil her. Worauf ist die geringe Repräsentanz also zurückzuführen? Sind Unternehmen in ihren Strukturen zu eingefahren? Oder bringen weibliche Chefs nicht die nötigen Eigenschaften mit? Kommunikationsexperte Peter Kleinau  geht geschlechtsbezogenen Vorurteilen in der Arbeitswelt auf den Grund.

Mythos 1: Frauen sind zu emotional

„Im Allgemeinen lassen sich divergente Verhaltensmuster bei Männern und Frauen beobachten“, berichtet Kommunikationsexperte Peter Kleinau. „Bei Frauen dominiert die Tendenz zur ganzheitlichen Wahrnehmung. Das heißt, sowohl emotionale als auch rationale Kompetenzen fließen in ihre Entscheidungsfindung mit ein. Dabei werden Handlungen überwiegend im Interesse der Firma abgewogen. Im Vergleich dazu zeigen sich Männer überwiegend rational. Wenn es darum geht, für Entscheidungen einzustehen und diese zu diskutieren, sind Frauen demnach besser aufgestellt.“

Mythos 2: Weiblichen Vorgesetzten fehlt es an Durchsetzungsvermögen

„Wenn es um Organisationsstrukturen geht, spielen Machtgefüge immer eine große Rolle“, weiß Peter Kleinau. „Egal, wie flach die Hierarchien in einem Unternehmen gedacht werden, Zuständigkeiten und Verantwortungen erfordern unterschiedliche Handlungsspielräume. Frauen in führenden Positionen nutzen den eigenen Entscheidungsrahmen vorsichtiger aus, was ihnen unter Umständen als Führungsschwäche ausgelegt wird. In leitender Funktion zu agieren und nicht länger Teil des Teams zu sein, fällt aber nicht nur weiblichem Führungspersonal schwer. Hier helfen spezielle Coachings, das Selbst- und Fremdbild zu justieren und gewohnte Handlungsmuster anzupassen.“

Mythos 3: Frauen fehlt es am nötigen Selbstbewusstsein

„Wer generell viel reflektiert und seine Entscheidungen von allen Seiten durchdenkt, stellt auch sein eigenes Handeln, die eigenen Kompetenzen sowie die eigene Position immer wieder aufs Neue auf den Prüfstand. Von der Außenwelt wird reflexives und kooperatives Verhalten – wie es Frauen häufig an den Tag legen − jedoch häufig als Unsicherheit ausgelegt“, weiß der Kommunikationsexperte. „Keiner wird als Chef geboren, daher erfordert die mit dem Wechsel in eine Führungsposition einhergehende Machtverschiebung eine Reflexion und Anpassung eingefahrener Handlungsweisen. Die neue Rolle innerhalb des Führungsteams sowie gegenüber den Mitarbeitern muss erst verortet werden.“

Mythos 4: Kind statt Karriere

„In der schnelllebigen Arbeitswelt spielt Flexibilität eine immer größere Rolle“, weiß Peter Kleinau. „Stehen berufliche Herausforderungen an, die großen Einsatz fordern, werden bevorzugt Männer für diese Aufgabe rekrutiert. Frauen hingegen wird allgemein eine Fokussierung auf Familienplanung unterstellt. Diese geschlechterbezogene Anschauung widerspricht jedoch dem Streben vieler Frauen nach einer beruflichen Karriere. Gleichzeitig zeigen Männer eine wachsende Bereitschaft, ihre Frauen zu unterstützen und beispielsweise die Elternzeit ganz oder teilweise zu übernehmen. Die Forderung nach mehr Flexibilität richtet sich im Umkehrschluss an die Unternehmen, die sich nachhaltig von starren Strukturen lossagen müssen.“

Mythos 5: Frauen wollen die Karriereleiter nicht erklimmen

„In der Fläche lässt sich beobachten, dass Mitarbeiterinnen häufig unter ihren Möglichkeiten bleiben“, berichtet der Kommunikationsexperte. „Entweder werden ihre Fähigkeiten unterschätzt oder sie sagen selbst: ,Das traue ich mir nicht zu.ʻ Auch zeigt sich der Eifer nach Statussymbolen bei Frauen weniger ausgeprägt. Zwar werden die Vorteile dieser sogenannten Benefits durchaus geschätzt, aber der eigene Wert für den Arbeitgeber wird daraus nicht abgeleitet. Frauen sollten daher in Unternehmen gezielt angesprochen und gefördert werden. Potenzialanalysen und daraus abgeleitete Entwicklungsmaßnahmen schaffen die Voraussetzungen für erfolgreiche Karrieren – unabhängig vom Geschlecht. Wer Diversität und Geschlechtergleichheit in seinem Unternehmen vorantreiben möchte, muss vorhandene Strukturen und Muster aufbrechen.“

Quelle: Peter Kleinau von der Executive Mediation GmbH

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Annalena Rüsche
Annalena Rüsche
Annalena Rüsche befindet sich aktuell in der Vorbereitung zum Studium. Sie absolviert in unserer Redaktion ihr Jahrespraktikum. Im Anschluss will Sie "Medienmanagement" studieren. In unserer Redaktion ist sie aktuell für den Newsdesk zuständig und hält Ausblick nach aktuellen und für unsere Leser wertvollen Informationen. Sie ist unter redaktion@mittelstand-nachrichten.de direkt erreichbar.
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